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Freiwillig im Museum : Schuld war Richterin Barbara Salesch

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Roman Mulke leistet noch bis zum Sommer seinen Bundesfreiwilligendienst im Husumer Storm-Zentrum ab – und findet das richtig gut. Anschließend will der Literatur-interessierte junge Mann Rechtswissenschaften zu studieren – wie dereinst Theodor Storm.

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erstellt am 23.Mär.2014 | 11:00 Uhr

„Schon eher ungewöhnlich, dass einer seinen Bundesfreiwilligendienst in einer Kultureinrichtung ableistet“, sagt Roman Mulke. Er spricht von sich selbst. Seit August vergangenen Jahres gehört der 20-jährige Abiturient zum Mitarbeiterstab des Storm-Zentrums. Und noch ist es ihm dort nicht langweilig geworden. Im Gegenteil: „Die Kollegen sind nett, es gibt reichlich zu tun, ich werde wie ein vollwertiger Mitarbeiter behandelt und habe auch noch weitgehend freie Hand“, schwärmt der gebürtige Wittbeker.

Den Grundstein für seine Tätigkeit in der Wasserreihe legte er allerdings schon früher – gemeinsam mit Dr. Christian Demandt. Der war nicht nur sein Deutschlehrer am Hermann-Tast-Gymnasium, sondern ist auch Leiter des Storm-Zentrums und damit Mulkes Chef. Weil er mehr junge Leute an Storm heranführen wollte, fragte Demandt den Literatur-begeisterten Schüler, ob er sich vorstellen könne, eine Museumsführung für Jugendliche auszuarbeiten. Mulke konnte und machte sich auch gleich ans Werk.

Darüber hinaus verschaffte ihm Demandt Kontakt zu anderen Archiven und Museen. Nach einem gemeinsamen Besuch des Buddenbrook-Hauses in Lübeck hatten die beiden dann die Idee mit dem Bundesfreiwilligendienst. „Die Stelle zu beantragen war allerdings um einiges aufwendiger als eine Gruppe durchs Museum zu führen“, erinnert sich Mulke. Dennoch: Es klappte, und nach einem Besuch aus dem Ministerium, bei dem der junge Mann zahlreiche Fragen zu beantworten hatte, wurden für 2015 sogar zwei Stellen bewilligt.

Apropos: Wie sieht er denn aus, der Alltag im Museum? Nun, im Kindergarten oder Altenheim würde diese Frage so wohl gar nicht gestellt werden, denkt Mulke laut. Und tatsächlich verrichten die meisten „Bufdis“ ihren Dienst in Sozialeinrichtungen. „Aber ich weiß jetzt, wie man Haushaltspläne aufstellt, schreibe Rechnungen, führe Besucher durchs Haus, habe viel über Marketing gelernt und mich selbst übertroffen, als ich die museumseigenen PCs eingerichtet habe“, nimmt Mulke die Frage auf und grinst über beide Ohren. Auch einen neuen Briefkopf habe er „designed“. Überhaupt sei die Arbeit alles andere als trocken, sondern berge immer neue Herausforderungen: „Hier kann ich meine Kreativität voll ausleben und entdecke ganz neue Seiten an mir.“ Wenn dann noch Arbeitszeiten und Bezahlung stimmen – „und das tun sie“ –, gibt es wirklich nichts zu meckern.

Auf Kreativität legt Mulke, der 2013 sein Abitur gemacht hat, auch außerhalb der Arbeitszeit großen Wert. So ist er Mitglied eines Schreibkreises. Der Kontakt kam über die Storm-Gesellschaft zustande. Bei der Weihnachtsfeier hatte er einen eigenen Text gelesen. Den fand eine anwesende Schriftstellerin so gut, dass sie ihn einlud, diesen auch im Schreibkreis vorzustellen. Beruflich zieht es ihn allerdings in eine andere Richtung, will er Jura studieren. „Das weiß ich schon lange“, sagt er. Und obgleich Storm ihn fasziniert – in diesem Fall war jemand anderes schuld: Barbara Salesch. Die habe er immer nach der Schulzeit „konsumiert – zur Entspannung“. Eine Fernseh-Richterin mit nachhaltiger Wirkung. Das hat sie mit Storm gemein. Und Schriftsätze hatten ja auch für den Dichter ihren Reiz.

Am meisten beeindruckt hat Mulke die Storm-Tagung. „Da habe ich gemerkt, dass das hier mehr ist als ein Museum, dass es lebt“, sagt er. Und deshalb ist er gleich Redakteur der Web-Seite geworden und wird auch über seine Zeit als „Bufdi“ hinaus deren Webmaster bleiben. Und seine Museumsführung hat ebenfalls Maßstäbe gesetzt. „Ein Lehrer sagte, er sei schon vier Mal hier gewesen: ,Aber Ihre Führung war die beste‘.“ Wen wundert’s, dass Mulke den Bundesfreiwilligendienst wärmstens weiterempfiehlt – „vorzugsweise hier im Storm-Museum“.

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