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Husumer Nachrichten

24. November 2017 | 18:02 Uhr

Husum : Schuld, Liebe und Tod

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Die Husumerin Benedikta zu Stolberg hat sich für ihren zweiten Roman „Im Licht der Nebensonnen“ von der Storm-Novelle „Aquis submersus“ inspirieren lassen.

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erstellt am 08.Okt.2017 | 17:00 Uhr

Beim Anblick der Sonne und ihrer Nebensonnen schwört die Protagonistin ihres neuen, spannend und gut erzählten Romans, Rache zu üben für ihr tödlich verunglücktes Kind.  .  .

Diese meteorologische Erscheinung – „die gibt es hier bei uns am Deich“ – mit hellen Lichtflecken rechts und links der Sonne fasziniert die Husumerin Benedikta zu Stolberg: Und so hat sie den Titel „Im Licht der Nebensonnen“ für ihr zweites Buch, das vor Kurzem erschienen ist, ausgewählt. „Früher haben die Menschen vor diesem Himmelsphänomen Angst gehabt und gebetet.“

Ihre erste Buchveröffentlichung „Nach der Schafskälte“ (2015) hat sie noch im Selbstverlag herausgegeben – jetzt ist die 62-Jährige Autorin des Boyens-Verlages aus Heide und Mitglied im Schleswig-Holsteinischen Schriftstellerverband. Zwischenzeitlich hat sie sich das Pseudonym Bente Seebrandt zugelegt. „Bente ist die norddeutsche Entsprechung von Benedikta. Und See im Nachnamen musste einfach sein, denn ich liebe das Meer.“

In „Nach der Schafskälte“ ging es um das nach wie vor aktuelle Thema Massentierhaltung. Benedikta zu Stolberg ist Mitglied der Bürgerinitiative „Gute Luft für Finkhaus“, die gemeinsam mit dem Naturschutzbund gegen die Erweiterung eines Schweinestalls kämpft.

Diesmal hat sich zu Stolberg von Theodor Storm inspirieren lassen – konkret von ihrer Lieblingsnovelle „Aquis submersus“ („In Fluten versenkt“) von 1876. Darin geht es um Schuld, Liebe und Tod. Storm erzählt die Geschichte der an Bosheit und Standesdünkel gescheiterten Liebe zwischen der Adeligen Katharina und dem Maler Johannes vor der Kulisse eines vom Dreißigjährigen Krieg zerstörten Norddeutschlands.

Bei Benedikta zu Stolberg „spielt“ David Taubner die männliche Hauptrolle: Er kommt als Kunstlehrer an das Theodor-Storm-Gymnasium in Husum und verliebt sich bei einem Seminar auf Hallig Hooge in die Frau eines Eiderstedter Pastors. Das Familienleben der Hauswirtschaftslehrerin Louise Brodersen stellt nur nach außen eine Idylle dar – und wird durch einen Betrug und eine daraus resultierende Katastrophe gänzlich zerstört.  .  .

Benedikta zu Stolberg, geboren 1955 in Lübeck, ist in Ostholstein und Hamburg aufgewachsen. Geschrieben habe sie „schon immer“ – Gedichte und Kurzgeschichten, bevor sie sich an die literarische Langstrecke, den Roman, traute und gleichzeitig auch den Schritt der Veröffentlichung wagte. Das Schreiben ist die Konstante im beruflich bunten Leben der jugendlich wirkenden Frau, die als Möbelrestauratorin, Fremdsprachensekretärin, in Bibliotheken und im Kunsthandel tätig war.

1998 verließ sie die Hanse-Stadt und hat seitdem ihren Lebensmittelpunkt in Husum, der Storm-Stadt. Doch am Anfang war die Autorin keinesfalls angetan von den Werken des berühmtesten Sohnes Husums. „Für mich war er zuerst nur ein Heimatdichter. Doch als ich angefangen habe, seine Novellen zu lesen, hat es mich gepackt. Diese Tiefe und sein psychologisches Wissen sind beeindruckend.“ Deshalb ist am Ende ihres Buches zu lesen: „Ich danke Theodor Storm für sein zeitloses Werk, es ist für mich eine inspirierende Quelle, über das Leben, Menschen-, Tier- und Pflanzenwelt, das Universum und die Frage nach dem Sinn des Ganzen nachzudenken.“

„Das Meiste beim Schreiben ist Disziplin“, betont Bente Seebrandt alias Benedikta zu Stolberg. „Ich arbeite sehr strukturiert und schreibe nicht gleich los, sondern verfolge einen genauen Plan.“ Dennoch bekommen die Figuren, für die sie zwar Charaktereigenschaften festlegt, im Laufe des Schreibprozesses ein Eigenleben.  .  . – und das überrascht manchmal sogar die Autorin. Wichtig seien Zeit-Listen, erzählt die Wahl-Husumerin. „Damit nicht bei einer Geburtstagsparty im Februar Himbeertörtchen serviert werden, „was mir durchgerutscht war“. Doch ihre Lektorin hatte gut aufgepasst.  .  .

Eine akribische Recherche gehört zum Handwerk einer Autorin. So besuchte Benedikta zu Stolberg die Breklumer Feuerwehr, damit der Brand in ihrem Roman „wie im richtigen Leben“ funktioniert. Und auch den Alltag von Pastoren musste sie gründlich „erforschen“.

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