St. Peter-Ording : Schulbusunfall: Das lange Warten auf Hilfe

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Neun Verletzte mussten nach einem Busunfall bei St. Peter-Ording ins Krankenhaus. Das erste Rettungsfahrzeug kam nach 33 Minuten.

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07. Mai 2015, 07:00 Uhr

Als die 14-jährige Satu Stührmann gestern (6. Mai) um 8.20 Uhr in Katharinenheerd in den Bus stieg, um zur zweiten Stunde die Schule in St. Peter-Ording zu erreichen, ahnte sie nicht, dass nur 20 Minuten später das mit vielen Schulkindern und etwa sieben Erwachsenen besetzte Fahrzeug in einen Unfall bei Brösum verwickelt sein würde. Vorweg: Der Unfall verlief relativ glimpflich, neun Fahrgäste wurden mit leichten Verletzungen in die Krankenhäuser nach Heide und Husum gebracht.

Satu schilderte ihrer Mutter Marion Stührmann, dass der Mann am Lenkrad des Schienenersatzbusses plötzlich aufgeschrien habe und zusammengesackt sei. Der Bus geriet dann auf den Seitenstreifen in ein tieferes Loch und blieb schräg stehen, eine Scheibe war zu Bruch gegangen. Die Kinder und Jugendlichen stürzten schockiert, teilweise schreiend, ins Freie. In der Nähe tätige Bauarbeiter kümmerten sich um den Busfahrer, die Kinder riefen über Handy die Polizei.

Doch erst nach einer halben Stunde waren die ersten Blaulichtfahrzeuge am Unfallort. Dafür hielt aber bereits nach 20 Minuten ein Linienbus an. Er nahm einige der Kinder mit nach St.Peter-Ording. Im Ort selbst fuhr er aber nicht direkt zur Schule, sondern seine übliche Runde durch das Dorf. Schließlich konnten die Passagiere von der Unfallstelle gegen 9.30 Uhr am Marktplatz in St. Peter-Ording aussteigen. Das berichtete die 14-jährige Satu ihrer Mutter.

Lehrerin Marion Stührmann: „Es ist doch nicht zu fassen. Da verunglückt ein Schulbus und nach einer halben Stunde tauchen die ersten Retter auf. Niemand hat sich eine halbe Stunde lang um die Kinder gekümmert, dabei waren einige verletzt. Unter anderem musste ein Mädchen später an der Hand operiert werden. Ich weiß nicht, wieviele Kinder in den Linienbus gestiegen sind, die vielleicht unter Schock gestanden haben oder aber nicht offensichtlich verletzt waren.“

Marion Stührmanns interne Recherchen als betroffene Mutter, die von ihrer Tochter über Handy unterrichtet wurde, haben ergeben, dass die Polizei in St. Peter-Ording, die gegenwärtig durch junge Bäderdienst-Beamte verstärkt ist, erst durch eine Handy-Ortung die Unfallstelle gefunden habe.

Das bestätigt auch Hans-Martin Slopianka, Pressesprecher des Kreises Nordfriesland. Er beklagt, dass es zu einer solchen Verzögerung gekommen ist. Er erläutert, dass um 8.44 Uhr der Notruf bei der Leitstelle in Harrislee eingegangen sei. Daraufhin seien ein Notarzt von Tönning, ein Rettungswagen aus Garding und die Polizei in Marsch gesetzt worden. Doch kurz vor der Unfallstelle, auf der B 202, sei der vorausfahrende Polizeiwagen nach rechts in Richtung Westerhever abgebogen, die Retter hinterher. „Der erste RTW ist um 9.17 Uhr am Unfallort eingetroffen“, bestätigt Slopianka. Damit genau 33 Minuten nach dem Notrufeingang bei der zentralen Leitstelle.

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