30.000 Euro für einen Mord : Schüsse in Rantrum: Ehefrau gesteht

Die Spurensicherung am Tatort in Rantrum.
Die Spurensicherung am Tatort in Rantrum.

Im September sorgte der Fall für Angst in der nordfriesischen Gemeinde. In einem leerstehenden Haus wurde auf einen Makler geschossen. Die Polizei geht von einem Auftragsmord aus.

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17. Dezember 2014, 17:21 Uhr

Rantrum | Es klingt wie eine Geschichte aus dem „Tatort“ – ausgerechnet im beschaulichen Nordfriesland war sie jedoch bittere Realität: Hinter den beinahe tödlichen Schüssen auf einen Immobilienmakler am 18. September in Rantrum bei Husum steckt ein versuchter Mord im Auftrag der Ehefrau des Opfers. Das gaben Polizei und Staatsanwaltschaft gestern bekannt. Die Ehefrau, der Todesschütze und ein der Anstiftung mitverdächtiger Mittelsmann sitzen in U-Haft.

Der 58-jährige Husumer Makler war mit zwei lebensgefährlichen Schussverletzungen im Rücken am helllichten Nachmittag vor einer Haustür in einer stillen Wohnstraße des idyllischen 1800-Einwohner-Dorfs entdeckt worden. Überlebt habe er nur per Zufall, meint Husums Kripo-Chef Michael Rasch: Ein in der Nachbarschaft wohnender Arzt kam gerade nach Hause  – und konnte so lebensrettende Sofortmaßnahmen einleiten. Bis heute ist das Opfer in seiner Bewegungsfähigkeit stark eingeschränkt und hat laut Kripo keine Erinnerung ans Geschehen.

Auf die Schliche kam eine achtköpfige, extra für diesen Fall eingerichtete Mordkommission dem Schützen durch digitale Spuren: Der 25-Jährige war in dem Rantrumer Wohngebiet von einer Videokamera aufgezeichnet worden. Zudem hatte er von dort vor der Tat mehrere Telefonate mit seinem Handy geführt. In diesen und später entstandenen Verbindungsdaten sieht der Flensburger Staatsanwalt Axel Schmidt den „Schlüssel zum Fahndungserfolg“. Nahezu 200.000 Datensätze wurden zwischen dem Tattag und den jetzt erfolgten Festnahmen ausgewertet. „Das geschah unter immensem Zeitdruck“, so Schmidt. „Denn die Daten werden meistens nur für wenige Tage gespeichert, und ein Provider gibt sie nur auf richterlichen Beschluss heraus.“

Den Haupttäter hat die 43-jährige Ehefrau des Maklers offenbar über einen in Bremen lebenden 36 Jahre alten Mittelsmann gefunden. 30.000 Euro versprach die Auftraggeberin dem Schützen laut Staatsanwaltschaft für einen Mord. Eigenhändig, so die Ermittler, schickte sie ihren Mann in das Rantrumer Einfamilienhaus, in dem die Schüsse fielen. Es befand sich im Portfolio des Maklers. Seine Frau gab vor, dort wolle sich ein Interessent mit ihm zu einer Hausbesichtigung treffen. Als der Makler ins Obergeschoss gehen wollte, trafen ihn auf der Treppe zwei von vier Schüssen.

Als Motiv sieht die Flensburger Oberstaatsanwältin Ulrike Stahlmann-Liebelt die unglückliche Ehe von Auftraggeberin und Opfer. „Sie fürchtete, bei einer Scheidung leer auszugehen“, so Stahlmann-Liebelt. „Daraus hat sich offenbar der Entschluss gebildet, ihren Mann loswerden zu wollen.“ Auch häusliche Gewalt soll es gegeben haben, der Ehemann bestreitet die Vorwürfe jedoch.

Der Schütze war nach der Tat in sein Heimatland Bulgarien aus-, kürzlich dann wieder nach Deutschland eingereist. Er wurde auf einem Autobahnparkplatz in Südniedersachsen festgenommen. Für seine Auftraggeberin klickten auf dem Hamburger Flughafen die Handschellen, als sie von einem Familienbesuch zurückkam. Den Bremer nahm ein Spezialeinsatzkommando in seiner Wohnung fest. Er bestreitet seine Beteiligung; der Schütze und die Ehefrau sind geständig.

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