KZ-Außenlager Husum-Schwesing : Schüler erforschen die NS-Zeit

Am KZ-Modell: Torben Lorenzen, Pia Carstensen, Maria Jepsen, Leonie Hahn, Dieter Tippelt und Oliver Jeßen (v. l.).
Am KZ-Modell: Torben Lorenzen, Pia Carstensen, Maria Jepsen, Leonie Hahn, Dieter Tippelt und Oliver Jeßen (v. l.).

Die Not der Häftlinge ist Thema von Projektarbeiten an der Ferdinand-Tönnies-Schule.

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28. Februar 2018, 14:00 Uhr

Geschichtsdramen haben sich oft vor der eigenen Haustür abgespielt – man muss ihnen nur nachspüren wollen. So wurden die Häftlinge des KZ-Außenlagers Husum-Schwesing täglich durch die Stadt getrieben zu ihrer Arbeit am sogenannten Friesenwall. Ihr Weg führte sie auch am heutigen Standort der Ferdinand-Tönnies-Schule in der Flensburger Chaussee vorbei. Folglich widmen sich Lehrer und Schüler dort immer wieder und mit hoher Sensibilität diesem Thema, vor allem jährlich am 27. Januar, mit dem Gedenken an den Tag der Befreiung der Häftlinge in Auschwitz.

Mit großer Ernsthaftigkeit haben aktuell zwei Schülerinnen der neunten Klassen in einer Projektarbeit die Not der Häftlinge im KZ-Außenlager Husum-Schwesing herausgearbeitet. Jetzt präsentierten sie die Ergebnisse vor Oliver Jeßen, als Mentor in diesem Projekt und Fachlehrer für Weltkunde, und vor ihrem Klassenlehrer Torben Lorenzen. Aufmerksame Zuhörer waren zudem Achtklässler sowie Maria Jepsen vom Freundeskreis der Gedenkstätte und der auf Erinnerungsarbeit spezialisierte Stadtführer Dieter Tippelt.

Wie professionelle Forscher erläuterten Pia Carstensen und Leonie Hahn, beide 15 Jahre alt, eingangs ihre Methoden und zogen – jeder für sich – ein persönliches Fazit aus all ihren Eindrücken. So erklärte Pia, dass sie „nie wieder aus dem Kopf kriegen werde, wie unzureichend damals die ärztliche Versorgung der Häftlinge war“. Beide gaben ihr „bedrückendes, mulmiges Gefühl bei der Arbeit an dem Thema“ wieder. Und sie erklärten, miteinander oft um Details gestritten und sich dennoch immer wieder auf einen gemeinsamen Weg geeinigt zu haben. Sie zeigten Fotos, lieferten Texte dazu – und baten ihr Publikum rund um das von ihnen mit hohem zeitlichen Aufwand gebaute, fast einen halben Quadratmeter große Modell des Lagers. Bahngleise, hohe Zäune, schwarze Baracken, Kartoffellager und Komposthaufen und der Pranger im Zentrum zur Bestrafung Einzelner – der Detailreichtum beeindruckte alle Zuschauer. Beide schilderten die Not der Häftlinge: „Die dünne, unverdauliche Suppe, die Schlafplätze mit Strohsäcken und nur eine Zudecke für zwei.“

Maria Jepsen lobte am Ende die „jungen Wissenschaftler, die große soziale Kompetenz“ bewiesen hätten. „Alle Anerkennung auch für die Lehrer dieser Schule, die so etwas ermöglichen.“ Sie und Dieter Tippelt überlegten sogleich, ob die beiden Schülerinnen sich nicht über diesen Projekttag hinaus mit der Thematik befassen wollten. Es sei wichtig, dass auch nachfolgende Generationen für Formen der Erinnerungskultur bereit stehen.

Auch wenn die Lehrer ihrer offiziellen Notengebung noch nicht vorgreifen wollten, kam über ihre Lippen doch folgendes Lob: „Das war alles sehr gut.“

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