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Seehundsterben im Nationalpark : Schon 350 tote Tiere

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Das Seehundsterben an Schleswig-Holsteins Westküste fordert bislang 350 Opfer. Die Untersuchungen haben ergeben, dass die Tiere an Lungenentzündungen erkrankt sind – Ursache ist ein Influenza-Virus.

Von einer Dramatik spricht niemand im Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz. Noch nicht, denn tote Seehunde sind an der Nordseeküste Schleswig-Holsteins in dieser Jahreszeit völlig normal. Allerdings sei es schon eine Besonderheit, dass seit Anfang des Monats insgesamt 350 verendete Tiere auf Helgoland, Sylt, Amrum und Föhr gefunden worden sind, betonte Britta Diederichs bei einem Pressetermin der Nationalparkverwaltung in Tönning. Gemeinsam mit dem Leiter der Verwaltung, Dr. Detlef Hansen, sowie Prof. Dr. Ursula Siebert von der Tierärztlichen Hochschule in Hannover berichtet die Biologin über erste Erkenntnisse des Seehundsterben und dessen Ursachen. Das Wichtigste: Bislang liegen keinerlei Hinweise vor, dass die Seehunde von einem Staupe-Virus befallen sein könnten.

Entwarnung auf der einen, Ungewissheit auf der anderen Seite. Bei zwei Drittel der 22 untersuchten Tiere ist nämlich ein Influenza-Virus festgestellt worden, berichtet Ursula Siebert. Die Professorin spricht von einer „überhöhten Sterblichkeit in der Population“ und nicht von einer Epidemie. Als solche sorgte die Staupe in den Jahren 1988/89 und 2002 für eine Reduzierung des Seehundbestands um 40 Prozent. Derzeit leben rund 12.000 Seehunde im Schleswig-Holsteinischen Wattenmeer

In den nächsten Wochen erfolgen weitere Untersuchungen. Sie sollen dazu beitragen, die Eigenschaften des Influenza-Virus’, seines sogenannten Serotyps, zu bestimmen. Zudem wollen die Wissenschaftler der Tierärztlichen Hochschule herausfinden, wie und wo sich die Seehunde angesteckt haben könnten – ob bei der Nahrungsaufnahme oder über andere Tierarten. „Nach unserem bisherigen Kenntnis geht keine Ansteckungsgefahr von den Tieren aus“, sagt Hochschul-Professorin Siebert. Allerdings will sie nicht ausschließen, dass das Virus auch auf Kegelrobben übertragen werden könnte.

Bislang sind 350 Seehunde an der Küste gefunden worden – und es werden noch mehr werden, befürchtet Dr. Detlef Hansen. Spätestens am Donnerstag erwartet der Leiter der Nationalparkverwaltung noch eine erheblich höhere Zahl der Todfunde an der Küste. Dann nämlich sind bis zu zehn Windstärken aus entsprechenden Richtungen vorausgesagt worden. „Wir sind vorbereitet“, sagt Hansen und verweist auf den mit anderen Behörden und Institutionen entwickelten Aktionsplan mit seinem Ampelsystem „Grün-Gelb-Rot“ bei derartigen Fällen. Derzeit sei alles im grünen Bereich und mit der üblichen Logistik zu bewältigen, betont der Verwaltungschef. „Wir gehen davon aus, dass die Seehundgrippe ein natürlicher Vorgang ist.“

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erstellt am 21.Okt.2014 | 11:00 Uhr

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