Nordfriesland : Schönheitskur für Seetonnen

Die bereits mit frischer Farbe versehenen Tonnen werden erst einmal auf dem Bauhof in Tönning gelagert.
Die bereits mit frischer Farbe versehenen Tonnen werden erst einmal auf dem Bauhof in Tönning gelagert.

610 Seezeichen sorgen in der Nordsee und auf der Eider für Sicherheit und müssen regelmäßig überholt werden. Auf dem Bauhof in Tönning finden die Basisarbeiten statt.

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26. März 2018, 18:00 Uhr

Alljährlich wiederholt sich an der Westküste dasselbe Spiel: In jedem Frühjahr müssen nach dem Winter auf einer Länge von 600 Kilometern Fahrwasser Seetonnen kontrolliert und ausgetauscht werden. Von der dänischen Grenze bis zur Elbmündung reicht das Gebiet, das im Zuständigkeitsbereich des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes Tönning (WSA) liegt. Dazu kommt die Eider von Tönning bis Rendsburg.

Wenn keine längere Frostperiode mehr zu erwarten ist, meistens im März, beginnen die Arbeiten in Fluss und Meer. Unter den insgesamt 610 in diesem Bereich auf Position liegenden Seezeichen sind an wichtigen Stellen 89 solarbetriebene Leuchttonnen platziert. Die größten wiegen rund 5000 Kilogramm und besitzen einen Aufsatz mit Solarmodulen, die das Gewicht noch einmal um 250 Kilogramm erhöhen. Ihr Durchmesser beträgt etwa 2,5 Meter, die Länge knapp zehn Meter. Trotz der harten „Lebensbedingungen“ halten die Stahltonnen bis zu 40 Jahre.

Erfahrungsgemäß können sie bis zu drei Jahre am Stück im Wasser liegen. Das aggressive Salzwasser und ein starker Bewuchs an der Außenhaut mit Seepocken, Miesmuscheln und Algen erfordern dann eine gründliche Reinigungsaktion mit Spachtel und Hochdruckreiniger auf See oder ein komplettes Auswechseln der Seezeichen. Die schwere Biomasse könnte sonst auch die größten Tonnen unter Wasser drücken, damit wären sie nicht mehr in der Lage, ihre Aufgabe als sicherer Wegweiser auf den Wasserstraßen zu erfüllen.

Der gesamte Bereich von der dänischen Grenze bis zur Elbmündung ist in drei Außenbezirke aufgeteilt. Auf dem Bauhof in Tönning werden die grundlegenden Arbeiten an den Seezeichen geleistet: wie Abstrahlen, Behandeln mit Schutzfarbe und Lackieren. Auf Helgoland und Amrum sind diese Konservierungsmaßnahmen in kleinerem Umfang möglich.

Die Tonnenleger „Amrumbank“ und „Triton“ befördern die Seezeichen dann für das exakte Platzieren aufs Wasser. Für die Markierung des Wattfahrwassers werden sogenannte Priggen (meistens Birkenstämme) sowie Stangen verwendet, insgesamt etwa 1800 Stück. Von einem sogenannten Bakensetzboot aus werden diese im Spülverfahren in den Schlick- oder in den Sandboden eingesetzt.

Im Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Tönning sind insgesamt rund 200 Mitarbeiter beschäftigt, wie der Außenamtsleiter von Tönning und Amrum, Wolfgang Stöck, erläutert. Sie sorgen von dort aus dafür, dass die Wasserwege an der tidebeeinflussten Küste exakt gekennzeichnet werden und damit für eine sichere Orientierung sorgen: In Anbetracht der durch Ebbe und Flut sich ständig ändernden Verhältnisse eine wichtige Aufgabe und auch in Zukunft immer wiederkehrende Herausforderung.

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