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Millionenschwere Harmonie zwischen Mensch und Meer : Schöner Dockkoog – teurer Dockkoog

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Von der Promenade über den Meerwasser-See bis zur Schwimm-Bühne – die Pläne zur Neugestaltung der Husumer Dockkoogspitze sind ambitioniert. Und entsprechend teuer. Bevor es losgehen kann, müssen Fördertöpfe angezapft werden.

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erstellt am 15.Okt.2013 | 12:00 Uhr

Viel ist über die Entwicklung der Dockkoogspitze geredet worden. Eine Menge Ideen zum künftigen Erscheinungsbild des Husumer Naherholungsgebietes sind dabei auf den Tisch gekommen. Wenn die beiden Bürgerwerkstätten und die anschließende bürgernahe Entwurfswerkstatt in Zusammenarbeit mit dem Huntlosener Institut für partizipatives Gestalten (IPG) einen Sinn gehabt haben sollen, müssen jetzt alle Beteiligten am Ball bleiben – und die Planspiele mit Leben erfüllen. „Wir dürfen das große Ganze nicht aus dem Blick verlieren“, erklärte vor diesem Hintergrund denn auch Rudolf Hölscher jüngst im Umwelt- und Planungsausschuss. „Wir würden uns wünschen, wenn auch die Politik weiter an dem Thema dranbleibt“, sagte der Bauamtsleiter und bat um nachhaltige Rückmeldung in Form einer Prioritätenliste.

Oberstes Prinzip bei der Umgestaltung des Ausflugsziels, das im kollektiven Husumer Gedächtnis eine Menge schöner Erinnerungen hinterlegt, ist die Begegnung von Mensch, Land und Meer. Erklärtes Ziel ist es, insbesondere das Meer als prägendes Merkmal der Dockkoogspitze aufzugreifen und mit ihm zu arbeiten. Der Sommerdeich werde dabei mit seiner Promenade klar als gebauter und menschlich genutzter Raum definiert, heißt es dazu unter dem Stichwort Entwurfsstruktur in der zusammenfassenden IPG-Leitlinie. Demnach soll das Landschaftsschutzgebiet nicht öffentlich genutzt oder gestalterisch geformt werden. Der heutige, regelmäßig überschwemmte Wiesenbereich hinter dem Sommerdeich knüpft in Zukunft mit Wasserspielplatz und Meerwasser-See eine Verbindung zwischen Mensch und Meer. Die Gestaltung der Liegewiese bleibt dabei naturnah und wird durch Nischen bildende Hecken aus standortgerechten Gehölzen modelliert.

Die Dockkoogspitze lässt sich in mehreren Bauphasen weiterentwickeln, oder eben als Gesamtprojekt – denn aufgrund ihrer Lage vor der Küstenschutzlinie ist sie von zukünftigen Deichbaumaßnahmen relativ unberührt. Als erste Teilumsetzung bietet sich die Neugestaltung der Promenade mit beiden Wegen – inklusive Ausstattung mit Bänken, Podesten, Fahrradanlehnbügeln und Leitsystem – sowie der Bau von Uferwellen als Badeeinstieg ins Meer an. Einen nächsten Schritt stellt die Gestaltung der Spiel- und Liegewiese mit Wasserspielplatz, windgeschützten Liegenischen, Umkleidekabinen, Volleyballfeld und Bolzplatz dar. Der Meerwasser-See kann als besonders herausragendes Element sofort oder zu einem späteren Zeitpunkt entwickelt werden. Eine weitere Projektphase beinhaltet den Ausbau der touristischen und kulturellen Infrastruktur mit Steg, schwimmender Bühne und Sauna.

Empfohlen wird die Entwicklung einer Gastronomie – regional, saisonal und einfach, aber von guter Qualität. Dabei ist die Rede von maritimen Snacks, Kaffee, Kuchen und Eis, aber auch von einem erweiterten Restaurantangebot. Um den betriebswirtschaftlichen Erfolg zu gewährleisten, müssen flexiblere Öffnungszeiten her, die sich stärker an den Gezeiten orientieren und auch die Abendstunden, zum Beispiel bei Sonnenuntergang, mit einschließen.

Die Vorderseite des Sommerdeichs kann mit geringem Aufwand in einen Eventplatz verwandelt werden, mit einer Bühne auf dem Vorplatz des Hauptstegs. Damit werden Konzerte, Theaterstücke, Kino-Aufführungen und andere Ereignisse vor Meereskulisse möglich. Was das IPG in diesem Zusammenhang schriftlich festgehalten hat, klingt geradezu euphorisch: „Eine schwimmende Bühne wäre eine bislang einzigartige Attraktion. Sie kann je nach Wetter am Hauptsteg anlegen oder aufs offene Meer herausfahren. Bei schlechtem Wetter und im Winter kann sie im Hafen liegen und eventuell sogar überdacht werden.“ Besucher könnten die Bühne im Husumer Hafen besteigen, auf dem Meer einer Veranstaltung beiwohnen und am Dockkoog ankern, „um dort zu speisen oder einen Sekt zu trinken und dann – erfüllt von Kultur, gutem Essen und der Kulisse des Meeres – nach Hause flanieren“.

Was seinen Reiz hat, darf auch ruhig sein Licht unter dem Scheffel hervorholen. Momentan ist es für Gäste und Touristen nicht sofort ersichtlich, wo und wie man in Husum schwimmen gehen oder ans offene Meer gelangen kann. Zu Fuß nimmt den Dockkoog nur in Angriff, wer weiß, was ihn am Ziel erwartet. Daher wird der Weg dorthin in Zukunft besser markiert und mit verschiedenen Info-Stationen ein anregender Übergang aus der Innenstadt geschaffen. Die meisten Gäste betreten die Spitze über die Deichkuppe neben dem Nordsee-Hotel. Dort entsteht ein Platz, der beim Ankommen einen Panoramablick in alle Richtungen verspricht. Fernrohre erlauben es, innendeichs brütende Vögel zu beobachten. Schautafeln bieten unkundigen Besuchern einen Exkurs in die Ornithologie. Großzügig gestaltete Bänke laden zum Verweilen ein. Und und . . .

Klingt alles ganz gut – aber auch nach einem teuren Spaß. „Am erschreckenden Ende kommen viereinhalb Millionen Euro zusammen“, schloss Hölscher die Vorstellung der Ergebnisse aus dem bürgernahen Beteiligungsverfahren. Er räumte allerdings auch einen „Angstzuschlag in der Kostenaufstellung“ ein. Diese Summe allein sprenge den Etat des nächsten Jahrzehnts. Da die Neugestaltung der Dockkoogspitze in diesem Jahr nicht mehr Gegenstand der Haushaltsberatungen sei, werde man die Zeit nutzen, um Fördermittel zu akquirieren. „Es gibt Möglichkeiten, dafür bis zu 80 Prozent an Zuschüssen zu erhalten“, so Hölscher. Erst wenn die ausgeschöpft seien, „können wir in diesen Dimensionen denken“.

Ausschuss-Vorsitzender Dr. Ulf von Hielmcrone stellte fest, dass jeder einzelne Schritt auf technische Machbarkeit und Sinnhaftigkeit hin zu überprüfen sei – „und wenn das geklärt ist, geht es jeweils um die Kostenfrage“. Das Gremium legte folgende Marschrichtung fest: Die Verwaltung möge in absehbarer Zeit einen Plan mit einzelnen Modulen sowie eine Prioritätenliste mit einer jeweiligen Aufstellung der Kosten vorlegen.

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