Ortsgestaltungssatzung : Schobüll erfindet sich neu

Wie die Schobüller ihre Häuser gestalten, soll eine neue Ortsgestaltungssatzung regeln.
Wie die Schobüller ihre Häuser gestalten, soll eine neue Ortsgestaltungssatzung regeln.

Mit einer neuen Ortsgestaltungssatzung möchte der Husumer Ortsteil Schobüll den Spagat zwischen Moderne und Tradition schaffen.

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01. Februar 2018, 08:00 Uhr

Manche Dächer in Schobüll glänzen im Sonnenlicht – so sie denn scheint. Sie sind mit glasierten Pfannen gedeckt – trotz eines klaren Verbotes in der Ortsgestaltungssatzung (OGS). „Hochglanz-Glasur-Dachpfannen sind nicht zulässig“ heißt es in Paragraf 4. Auch ansonsten hat sich die Realität rund um Haus und Hof von den Vorschriften in dem Regelwerk entfernt – etwa bei der Wahl der Farben für die Fassaden oder bei der Frage, ob beim Bau Putz oder Ziegelmauerwerk verwendet wird. Auch Anbauten und Einfriedigungen sind mal so oder so gebaut, aber längst nicht nach den Vorschriften, die sich die Schobüller im Jahr 2005 selbst gegeben hatten.

Nachdem Schobüll 2007 eingemeindet worden war, ist die Satzung offenbar für nahezu ein Jahrzehnt bei vielen in Vergessenheit geraten. Zwar ist bei jeder Anzeige eines Bauvorhabens und bei jedem Bauantrag routinemäßig im Stadtbauamt die Ortsgestaltungssatzung zu Rate gezogen worden, doch eine Kontrolle vor Ort oder gar eine offizielle Bauabnahme ist für die Behörden schon lange nicht mehr machbar. Daher ist die Einhaltung von Vorschriften auch Architekten, Bauunternehmern und in letzter Verantwortung auch den Bauherren überlassen. Weil ihnen manche Regeln zu eng gefasst vorkamen, nahm die Kritik an der OGS zu und eine Überarbeitung schien immer dringlicher.

So machte sich die Schobüller Vertretung im Sommer vorigen Jahres unter der Leitung von Isabell Thomas (Wählergemeinschaft Husum, WGH) an die Arbeit und kündigte Jörg Schlindwein und Magdalena Müller im Stadtbauamt an, dass die Schobüller ihre Satzung überarbeiten wollen. Isabell Thomas erkundigte sich, in welchen Schritten das am effektivsten geschehen könne und rief anschließend im „Dörpsblatt“ die Einwohner dazu auf, Anregungen und Wünsche direkt ans Bauamt zu melden. Isabell Thomas betonte in ihrem Artikel, dass der Schobüller Vertretung die 2007 anlässlich des Zusammenwachsens verankerten Grundsätze unverändert wichtig seien: Erhalt des gewachsenen Ortsbildes, des Brauchtums sowie des kulturellen und gesellschaftlichen Lebens im Ort. Neben den Hinweisen auf die Traditionen appellierte sie aber auch an die Bürger, entsprechend dem gesellschaftlichen und technischen Wandel konkrete Vorschläge für eine Modernisierung der OGS zu machen.

Thomas erzählt von Bauherren, die immer wieder mehr Platz für Photovoltaik oder Solarthermie-Anlagen gefordert hätten. Flächen dafür seien aber auf zwölf Quadratmeter beschränkt – wie sie allenfalls in der Gründerzeit der Arbeit mit erneuerbaren Energien üblich gewesen sein mögen.

Auf Anfrage der Husumer Nachrichten, nach welchen Grundsätzen die Schobüller sich ans Werk machten, erzählt Isabell Thomas aus ihrer eigenen Familie. Sie sei auf Sylt im Baugeschäft des Vaters groß geworden. Er habe bereits in den siebziger Jahren vor einem „Ausverkauf“ der Immobilien auf der Insel gewarnt. „Schobüll will eine solche Entwicklung vermeiden und seinen Charakter weitgehend erhalten“, sagt die Leiterin der Vertretung. Gerade weil 80 Prozent der Schobüller Bürger über 65 Jahre alt seien und folglich viele Immobilien im nächsten Jahrzehnt ins Erbe gehen, sollten die nachfolgenden Generationen aber zukunftsweisende Richtlinien für den Umgang mit den Gebäuden zur Hand haben. „Uns schwebt eine zeitgemäße, aber unaufgeregte Bebauung vor“, umschreibt Thomas die Entwicklung, die gewünscht sei.

Inzwischen hat das Bauamt die Fassung von 2007 und die Vorschläge aus Schobüll in einer Tabelle zusammengefasst, die in der jüngsten Sitzung des Umwelt- und Planungsausschusses erstmals an alle Fraktionen verteilt wurde. Die wollen sich mit dem Entwurf aus dem Ortsteil befassen und in einer der nächsten Sitzungen des Umwelt- und Planungsausschusses ihre Empfehlung an das Stadtverordnetenkollegium beschließen. „Wir hoffen, dass das noch vor der Kommunalwahl über die Bühne geht“, betont Thomas. Magdalena Müller, Mitarbeiterin im Stadtbauamt, die mit Jörg Schlindwein seit Sommer 2017 die Arbeit der Schobüller an der Neufassung begleitet hatte, zieht schon mal folgendes Fazit: „Manche Schlupflöcher und Unschärfen werden mit der überarbeiteten Satzung beseitigt.“

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