Shared Space in Husum : Schnellschüsse bringen nichts

Alle Verkehrsteilnehmer teilen sich Raum: das ist Shared Space.
Alle Verkehrsteilnehmer teilen sich Raum: das ist Shared Space.

Das Thema beschäftigt Husums Politik schon lange und ist Teil des Mobilitätskonzeptes: Shared Space. Doch trotz Handlungsbedarfs will der Bauausschuss von Schnellschüssen absehen.

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18. Dezember 2017, 09:00 Uhr

Durch mehrere Bauausschuss-Sitzungen ist er schon gewabert, der Begriff Shared Space, und auch in der jüngsten Zusammenkunft war er wieder Thema. Mit einem Unterschied zu den vorhergehenden: Während sich die bisherigen Diskussionen hauptsächlich durch die Uneinigkeit der Parteien auszeichnete, wie man in dieser Sache vorgehen solle, gibt es jetzt einen Grundsatzbeschluss. Und der fiel einstimmig aus.

Shared Space, gemeinsam genutzter Raum, ist ein Konzept, bei dem alle Verkehrsteilnehmer – Autofahrer, Radfahrer und Fußgänger – auf der sonst in Fahrbahn und Gehweg getrennten Fläche gleichberechtigt sind. So soll die Dominanz der Autos gemindert, der Verkehr sicherer gemacht und dessen Fluss verbessert werden. In anderen Städten schon praktiziert, ist diese Idee Teil des 2015 beschlossenen Mobilitätskonzepts für die Husumer Innenstadt. Das Bauamt hatte das Projekt aber zurückgestellt, weil zunächst andere Themen angegangen werden sollten (wir berichteten).

Drei Anträge hatte der Ausschuss zu begutachten, wobei sich diejenigen von CDU und SPD derart ähnelten, dass sie schnell zu einem interfraktionellen zusammengefasst wurden. Beide Parteien wollten im Vorgriff auf Shared Space den westlichen Teil der Norderstraße niveaugleich gestaltet wissen, um dieses Nadelöhr für Radfahrer zu entschärfen. „Ohne den Bereich jedoch gleich zum Shared Space zu erklären“, so Ulf von Hielmcrone (SPD). „Es bleibt bei der Aufteilung in Straße und Bürgersteig, nur ist die optisch und nicht durch den Bordstein begrenzt.“ Die endgültige Gestaltung des gesamten Shared-Space-Bereichs könne ja ohnehin erst bestimmt werden, wenn man wisse, wie sich der Abschnitt am Eingang des Shopping-Centers entwickele.

Der Grünen-Antrag dagegen sah Nägel mit Köpfen statt einer Zwischenlösung vor: „Wir wollen die Umgestaltung fest in den Investitionsplan für 2019 und 2020 aufgenommen wissen“, erläuterte Barbara Ganter die Vorlage. Ad-hoc-Maßnahmen in der Norderstraße seien nicht zielführend. „Lieber gleich den ganzen Bereich ordentlich durchplanen.“ „Das hat Charme“, musste selbst Alfred Mordhorst (CDU) zugeben, der hauptverantwortlich für den Antrag der Christdemokraten zeichnete. „Aber das dauert doch bis 2019, 2020 oder länger. Und die Norderstraße wird bestimmt nicht als erstes in Angriff genommen. Besser wäre es, hier schnell etwas zu tun.“

Aber machte das überhaupt Sinn? Hier war Bauamtsleiter Jörg Schlindwein als Experte gefragt. Und der positionierte sich eindeutig: „Wir sind im Bereich Tiefbau an der Grenze der Kapazität“, sagte er. Eine Umsetzung noch im Jahr 2018 sei unrealistisch. Und es wäre auch keine echte Lösung: „Shared Space ist mehr als nur die Niveaugleichheit von Fahrbahn und Gehsteig. Da muss auch der ruhende Verkehr neu positioniert werden, Parkplätze und Fahrradstände. Legen wir nur die Norderstraße hoch, fahren die Radfahrer gegen die Laternen“, erläuterte er plakativ und schlug vor: „Lassen Sie uns die 70.000 Euro an Planungskosten, die sie uns in der vorigen Sitzung genehmigt haben, erst einmal in Schritten verarbeiten. Wie wir den Shared Space konfigurieren, legen wir dann in Absprache mit dem Ausschuss fest.“

Das überzeugte am Ende, wenn es auch noch einiger Debatten bedurfte, bis sich alle einig waren. Und den Antrag der Grünen, die Gesamtplanung für das Projekt im kommenden Jahr mit den bereits in den Etat eingestellten 70 000 Euro zu beginnen, genehmigten.

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