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Zeitungs-Stammtisch : Schnelles Handeln ist gefragt

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Es gibt nicht genug preiswerten Wohnraum in Husum – und dieses Manko wird durch die Flüchtlingsproblematik massiv verschärft. Bürgermeister, Bauamtsleiter und die Fraktionschefs von CDU und SPD diskutieren über die Lage.

In regelmäßiger Folge setzt sich die Redaktion mit Husumern zusammen, um ein bestimmtes Thema näher zu beleuchten – in lockerer Runde und ungezwungen, wie es eben am Stammtisch üblich ist.

 

Diese Diskussion verlangt einen klaren Kopf, und so ist Apfelschorle das Getränk der Wahl bei Bürgermeister Uwe Schmitz, Bauamtsleiter Rudolf Hölscher und CDU-Fraktionschef Christian Czock. Nur Czocks Gegenpart in der SPD, Horst Bauer, hält sich an einem Tee fest. Gegenpart ist allerdings nicht die richtige Bezeichnung an diesem Stammtisch auf der „Nordertor“, denn beim Thema „Wohnraum“ ziehen die beiden Fraktionschevorsitzenden erkennbar am selben Strang – und die Verwaltung zieht mit. Und alle fühlen sich von der großen Politik alleingelassen, denn das für die Storm-Stadt ohnehin schon prekäre Thema hat durch die Flüchtlingsproblematik eine ganz neue Dynamik gewonnen. „Da hat man Vorgaben, was zu tun ist, und das passt dann nicht mit den Standards zusammen, die man einhalten muss – und die werden vom Bund und vom Land gemacht“, so der Verwaltungschef. „Das ärgert mich.“

„Dass viele Menschen kommen dürfen, hat die Bundesregierung entschieden. Aber die kommen in die Kommunen. Und da wird der ländliche Raum zu stark belastet“, moniert Bauer. „Wenn man keine Lager will, muss man Wohnungen bauen. Aber das geht auch nur in den Kommunen.“ Alle Beteiligten würden immer sagen, was sie nicht wollen. „Aber Lösungen werden keine angeboten.“

„Die Husumer Bürger suchen ja auch Wohnraum“, ergänzt Czock. Und wagt einen kurzen Ausflug in die Weltpolitik: „Ich hoffe ja, dass die Herkunftsländer so weit befriedet werden können, dass ein Teil der Flüchtlinge freiwillig wieder in die Heimat zurückkehrt.“ Bauer befürchtet eher das Gegenteil: „Nächstes Jahr kommen noch mehr. Und dann wollen auch die Familien nachziehen. Solche Spitzen kann der Wohnungsmarkt nicht über die Marktwirtschaft auffangen.“ Probleme in diesem Bereich habe man in Husum ja schon vorher gehabt. „Aber jetzt ist eine Situation da, die uns komplett überfordert.“

Was also tun? Dass Eile geboten ist, ist allen klar. „Wir müssen Spielräume identifizieren und nutzen“, sagt Hölscher. Die Stadtpolitik werde sehr bald von der Verwaltung eine Übersicht vorgelegt bekommen. „Man muss dann mal das Kreuz gerade machen und sagen: Das haben wir entschieden, das wird jetzt so gemacht.“ Und man müsse es schnell machen, ergänzt Bauer, nur um sofort selbstkritisch hinzuzufügen: „Das haben wir ja noch nie hinbekommen.“ Das alles zu bezahlen, sei ein zusätzliches Problem für die Stadt.

„Es gibt schon Möglichkeiten, günstiger zu bauen“, versichert Hölscher. „Man kann auch die hohen Standards etwas senken. Das Baurecht und die Genehmigungspraxis stehen da nicht im Weg.“ Allerdings wendet sich der Bauamtsleiter dagegen, zu stark an den Standards zu schrauben: „Schallschutz zum Beispiel kann man später nicht mehr nachrüsten. Lassen wir das weg, machen wir uns damit die Nachnutzung kaputt.“

Also: Ärmel hochkrempeln und loslegen. Aber gibt es genug Flächen als Bauland? Bauer ist da nicht so sicher. „Deswegen haben wir von der SPD ja auch einen Teil der Neuen Freiheit dafür ins Spiel gebracht – wenn auch schweren Herzens.“ Czock hakt sofort nach: „Da ist die CDU dagegen.“ Und kommt mit einer ganz anderen Idee: „Was ist denn mit der Gewoba-Siedlung in Hockensbüll? Wenn wir auf dem städtischen Grund dort Mietwohnungen statt Einfamilienhäuser hinstellen?“ Der Bürgermeister versteht den Ansatz, winkt aber ab: „Wir müssen auch Einfamilienhäuser und Doppelhaushälften vorhalten. Und wir sind schon viel zu weit mit allen Vorbereitungen, um das zurückzudrehen.“ 90 Kaufinteressenten gebe es schon, sekundiert Bauer. Und Hölscher ergänzt: „Flächen sind gar nicht das Problem, da haben wir genug, wo wir sofort anfangen können. Aber wir müssen uns gut überlegen, wie wir das abarbeiten. Wir können das nicht ohne Rücksicht auf die Anwohner machen, auch wenn wir die Planungshoheit haben.“ Insofern sei es wichtig, alle möglichen Flächen gemeinsam zu betrachten: „Alternativen zu haben ist immer gut.“ Husum sei in einer glücklichen Position. „In manch anderen Kommunen sind alle städtischen Flächen belegt.“ Und Bauer ist beruhigt: „So lange es Alternativen gibt, haben wir schnell den Konsens, auf die Neue Freiheit zu verzichten.“ Der Trommelberg biete sich eher an, ist man sich einig.

Und wer soll die Häuser da hinstellen? „In ganz Deutschland setzt jetzt die große Bautätigkeit ein – da muss man erst jemanden finden, der es macht. Und die Preise gehen auch nach oben“, sagt der Bürgermeister. Daher werde die Stadt schon nächste Woche mit Baufirmen sprechen. „Die Kunst muss dann sein, schnell dafür Geld in den Haushalt einzustellen und die Aufträge zu erteilen, so lange noch jemand da ist, der die entgegen nimmt“, so Schmitz.

Es wird teuer, das wissen alle. „Denkmäler für Bürgermeister werden wir uns da nicht mehr leisten können“, scherzt Bauer. Und wird gleich wieder ernst: „Wir müssen ganz anders vorgehen als sonst. Keine städtebaulichen Wettbewerbe, frühzeitig festlegen und dann los.“ Die anderen nicken. Und Schmitz sagt: „In 20 oder 30 Jahren heißt es doch sowieso immer, was habt ihr damals für einen Murks gemacht – egal, wie lange geplant wurde. Da können wir das doch auch gleich schneller machen.“

 

 

 

 

 

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erstellt am 30.Okt.2015 | 13:00 Uhr

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