Schnäppchenjäger "plündern" Häuser

Dachrinnen fürs Hühnerhaus baute Mario Kramer ab:  'Sämtliche Rinnen für 12,50 Euro,  das ist ein guter Preis.' Foto: hem
Dachrinnen fürs Hühnerhaus baute Mario Kramer ab: "Sämtliche Rinnen für 12,50 Euro, das ist ein guter Preis." Foto: hem

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22. Februar 2011, 07:54 Uhr

Ostenfeld | Aufmerksame Zeitungs leser waren im Vorteil: Nicht nur Einwohner, sondern auch "zahlreiche Leute von außerhalb" hatten die Vorankündigung in unserer Zeitung gelesen. Darin wies die Gemeinde auf den "Ausverkauf des Inventars" ihrer beiden Wohnhäuser hin. Schon vor Beginn füllte sich der Platz neben den Häusern Steinweg 8 und 10. Findige Eigenheimbesitzer und Hühnerhaus-Bauer hatten gleich den Anhänger mitgebracht und wurden fündig.

Mittendrin im Trubel stand Gemeinde-Chefin Eva-Maria Kühl mit kleiner Geldtasche. Denn so viel stand fest: Ein bisschen Kleingeld sollte schon in die Gemeindekasse kommen - "zum Wohle der Kinder, für die wir ein Spielgerät anschaffen wollen", sagte die Bürgermeisterin, die sich äußerst entgegenkommend zeigte. "Alle Preise sind Verhandlungssache, so wie auf dem Flohmarkt." Überwiegend klimperten Münzen, denn auch große Gegenstände gingen durchweg für Kleingeld weg, beispielsweise 100 Gehwegplatten zum Stückpreis von 50 Cent, Heizkörper und Küchenspülen für wenige Euro.

Die kompletten Dachrinnen von beiden Häusern nahmen Andrea Katryniak und Lebensgefährte Mario Kramer für 12,50 Euro mit. Das sei ein guter Preis, urteilten sie, "denn sonst hätten wir sie ja nicht mitgenommen". Verwendung finden die metallenen Regenrinnen an einem Hühnerhaus. "Zwei Hähne und neun Hühner zählen zu unserem Völkchen", erzählte die junge Hühnerbesitzerin. "Ein Huhn brütet gerade." Das passende Werkzeug hatten beide im Anhänger dabei, denn die Dachrinnen mussten zunächst mal auf Anhängermaß zurechtgesägt werden und zuvor allerlei Eis und Schnee herausgeschüttelt werden.

Viel Vorarbeit haben die Gemeinde arbeiter in den Tagen zuvor geleistet. Alle Heizkörper der Wohnungen wurden ausgebaut, Küchenspülschränke, Waschbecken und Bad-Armaturen lagen fertig parat. Auch gegen die eisige Kälte hatte der Gemeinderat, der mehrheitlich vertreten war, vorgesorgt: Yvonne Roloff verteilte heißen Kaffee und Kekse. Die Kunststofffenster gingen gleich "en gros" weg, an einen einzigen Abnehmer. Am Ende der mehrstündigen Aktion, die bei eisigem Ostwind vonstatten ging , zeigte sich die Gemeinde-Chefin äußerst zufrieden: "Das Interesse war da." Der Tipp zu dieser Veranstaltung kam von Amtstechniker Ralf Thomsen. Die Siedlungshäuser, Anfang der 1960er Jahre erbaut, werden durch einen Neubau ersetzt.

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