Wasserturm Husum : Schmuck-Schatulle ohne Inhalt

Bei den Planungen für den Wasserturm  dachten die Erbauer auch an seine Funktion für die städtische Silhouette.  Foto: Petersen
Bei den Planungen für den Wasserturm dachten die Erbauer auch an seine Funktion für die städtische Silhouette. Foto: Petersen

Die Aussichtsplattform des stillgelegten Wasserturms lässt einiges zu wünschen übrig. In dem Zustand ist der Raum vermutlich keine Werbung für den Tourismus.

shz.de von
10. April 2010, 09:44 Uhr

Husum | Ein Besucher bringt es auf den Punkt: "Dafür auch noch Eintritt zu nehmen, ist eine Frechheit." Ein anderer hat der Kopie eines Artikels aus den Husumer Nachrichten anvertraut, dass er "schon Schöneres gesehen hat". Der Bericht preist die Vorzüge des "besonderen Baudenkmals", doch die Wirklichkeit sieht anders aus: Schon beim Aufstieg zur Aussichtsplattform des stillgelegten Wasserturms beschleicht den Besucher das seltsame Gefühl, in eine Art Twilight-Zone einzutauchen, die so gar nicht mit dem blitzenden Chrom des mannshohen Drehkreuzes am Eingang zusammenpassen will. Dort sind jene 1,50 Euro zu entrichten, die den Weg nach oben erst freimachen.
Echter Klassiker...

Vorbei an einer Sitz-Gruppe aus den 1960er-Jahren, die spröden Charme von Sperrmüll ausstrahlt, führt der Weg zur Plattform des 1903 errichteten Backsteingebäudes. Dort erwartet den Besucher eine famose Aussicht - aber auch nicht mehr. Die schmucklosen Kunststoff-Fenster sind leidlich geputzt, und die allgemeine Tristesse erinnert an einen Regentag im November. Außer zwei lieblos an die Wand geklatschten Zeitungsausschnitten und zwei weiteren Zetteln mit den wichtigsten Daten des Turms findet sich kein Hinweis, was wo zu sehen ist - kein Farbtupfer, keine Sitzmöglichkeit, nichts.
Dabei war das 33 Meter hohe Bauwerk zu seiner Zeit ein echter Klassiker. 1912 wurde nach seinem Vorbild in Pinneberg sogar ein zweiter Turm gebaut. Für mehr als eine Klassifizierung als einfaches Kulturdenkmal hat es dennoch nicht gereicht. 1961 wurde er dann von einer moderneren Technik abgelöst und 1983 auf 99 Jahre an Rudolf Schmidt verpachtet. Der richtete unten ein Büro ein und baute den Behälter zu einer Aussichts-Etage um.

Schmidt hätte sich freilich noch mehr vorstellen können. "Was wollte ich nicht alles machen", sagt der Kaufmann. Unter anderem habe er an ein Café gedacht. Aber da sei die Gewerbeaufsicht davor gewesen. Auch in Sachen Ausstattung ließ sich Schmidt nach eigener Aussage einiges einfallen: "Doch das meiste wurde geklaut oder kaputt gemacht." Deshalb schützen jetzt Kameras die leere Aussichtsplattform. Und Kosten habe er natürlich auch - zum Beispiel 190 Euro, die er alle 14 Tage für die Reinigung der Plattform und der Fenster ausgeben müsse. Gut, Mieteinnahmen gebe es natürlich auch.
... geht heute unter

Aber wie dem auch sei, Fakt ist, dass in der Aussichts-Etage mit wenig Mitteln viel verbessert werden könnte und sie dann womöglich sogar ihr Geld wert wäre: ein paar einfache Tafeln mit den wichtigsten Daten über Hafen, Insel- und Halligwelt, den Schlosspark und über die Geschichte des Turms zum Beispiel. Möglichkeiten - auch der Finanzierung - gäbe es da sicher genug. Und schon wäre Husum um eine Attraktion reicher.

So aber bleibt die Erkenntnis: Wenn er schon nicht auf dem höchsten Punkt des Stadtgebiets errichtet wurde, so war der Wasserturm doch lange Zeit einer der höchsten Punkte in der Stadt und bestimmte deren Silhouette. Heute drängen sich Getreidesilos und der so genannte Belker-Spargel, ein nach Husums Ex-Bürgermeisterin Ursula Belker benannter Übungsturm für Windkraftanlagen-Techniker, ins Bild. Aber immerhin setzt sich der Wasserturm so wenigstens aus der Ferne wohltuend von seiner Umgebung ab.

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