Witzworts Bürgermeister : Schlussstrich nach 40 Jahren

Willi Berendt war als Bürgermeister eigentlich immer im Dienst, wie hier beim Open-Ei.
Willi Berendt war als Bürgermeister eigentlich immer im Dienst, wie hier beim Open-Ei.

Witzworts langjähriger Bürgermeister Willi Berendt hört auf. Sein Nachfolger wird am 26. Juni gewählt

shz.de von
25. Juni 2018, 10:00 Uhr

„Die Zeit ist vorbei, jetzt fühle ich mich wie ein freier Mensch – endlich.“ Witzworts Bürgermeister Willi Berendt zieht nach 40 Jahren in der Gemeindevertretung einen Schlussstrich unter sein ehrenamtliches Engagement. Bei der Kommunalwahl im Mai war er nicht wieder angetreten. „Genug ist genug“, sagt er. Mit Willi Berendt verlässt ein gradliniger Kommunalpolitiker die Bühne, der sich nie scheute seine Meinung zu sagen und für seine Gemeinde kämpfte.

Als er 1978 erstmals mit am Tisch der Gemeindevertretung saß, ahnte er nicht, dass er 40 Jahre lang die Geschicke von Witzwort mit prägen würde. Mit dem Einzug in das Dorfparlament gründete er die Wählergemeinschaft Witzwort (WGW). „Was will der denn, bekam ich immer wieder zu hören.“ Doch mit der Gründung der Wählergemeinschaft traf er den Nerv der Einwohner. Schon nach vier Jahren saßen bereits drei Vertreter der WGW im Gemeinderat. Und 1986 wurde er mit den Stimmen der SPD zum Bürgermeister gewählt. Er blieb es neun Wahlperioden lang.

Wenn er nun nach 40 Jahren im Gemeinderat und 32 Jahren als Bürgermeister nicht mehr antritt, so nicht deshalb, weil er keine Lust mehr dazu hätte. „Lust hätte ich wohl noch, aber man sollte rechtzeitig und zum richtigen Zeitpunkt abgeben können, bevor man abgegeben wird.“

Gut erinnert er sich an sein erstes großes Projekt, mit dem er als neuer Bürgermeister konfrontiert wurde. Erst vier Wochen im Amt, stand die Kanalisation des Dorfes auf der Agenda. Bei allen Entscheidungen der vergangenen 32 Jahre habe er sich von einem klaren Prinzip leiten lassen: „Nicht wir, der Gemeinderat, baut die Gemeinde, sondern die Bürger der Gemeinde bauen ihren Wohnort.“ Das nächste große Projekt war die Dorferneuerung, die damals zwei Millionen Mark verschlang. „Das war für uns als kleine Gemeinde finanziell eine Herkulesaufgabe.“ Auch der Neubau des Feuerwehrgerätehauses fiel in seine Amtszeit. Für sein Engagement wurde er mit der höchsten Feuerwehr-Auszeichnung für Zivilpersonen, der Deutschen Feuerwehr-Ehrenmedaille ausgezeichnet. Apropos Auszeichnungen: Die Liste ist lang. So ist er unter anderem mit dem Bundesverdienstkreuz und der Freiherr-vom-Stein-Verdienstnadel geehrt worden. Und obendrein erhielt er die Ehrenbürgerschaft.

Im Rückblick verweist er auf die Vergrößerung der Gemeinde in den vergangenen 30 Jahren. „In dieser Zeit wurden vier Baugebiete mit gut 140 Wohnhäusern ausgewiesen.“ Doch sein Amt sei auch mit viel Kopfzerbrechen verbunden gewesen. Dazu gehöre das Projekt Markt-Treff, das zunächst nicht rund lief. Auch der Umbau des ehemaligen Gasthof Tönnsen und die Unterbringung von Flüchtlingen hätten ihm viel Sorgen bereitet. „Diese Herausforderungen haben wir gut gemeistert“, lautet sein Endresultat.

Und da war noch die Grundschule, die zeitweise von Schließung bedroht war. Und auch hier zahlte sich seine Beharrlichkeit und Ausdauer aus. „Heute haben wir eine selbstständige Schule“, sagt Berendt stolz. In seiner Amtszeit fiel auch der Neubau des Kindergartens. „Wir haben ganz bewusst den Kindergarten an die Grundschule angedockt.“ Diese Erfolge seien der guten Zusammenarbeit zwischen der Gemeinde, der Amts- und der Kreisverwaltung zu verdanken.

Doch selbst von einem Albtraum wurde der heute 80-jährige Willi Berendt nicht verschont. „Der Turnhallenbrand 2016 war das schlimmste Ereignis.“ Er übernahm die Organisation des Neubaus und entpuppte sich dabei als erfolgreicher Krisenmanager. Da das Projekt noch nicht fertig ist, bat ihn der Schulverband, dessen Vorsteher er 28 Jahre lang war, es noch zu Ende zu führen. Dann sei aber wirklich Schluss, und er könne endlich ohne Verpflichtungen das Leben genießen, betont er.

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