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Bald nur ein Urlaubsgast : Schluss mit Lustig in Nordfriesland

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Peter Lustig, Moderator der bekannten Kindersendung „Löwenzahn“, bricht seine Zelte in Bohmstedt ab: Leicht fällt der Abschied nicht. Doch in Berlin freuen sich die Enkel darauf, dass der Großvater bald in ihrer Nähe lebt.

Eines wird Peter Lustig besonders vermissen: Die Freiheit, morgens im Nachtgewand nach draußen zu gehen, um in Ruhe eine Tasse Kaffee in der Natur zu genießen. Natürlich kann der Fernsehmoderator und Kinderbuchautor das auch in Berlin, an seinem künftigen Wohnort am Kurfürstendamm, aber „die Leute würden sicherlich ganz schön blöd gucken“. Ihm und Ehefrau Astrid Berge steht der Umzug bevor: von Nordfriesland in die Bundeshauptstadt.

Mehr als zehn Jahre lang war der „Fresenhof“ in Bohmstedt, in der Nähe von Husum, ihr Lebensmittelpunkt. Ab und an zog es das Ehepaar zwar nach Berlin, wo sie „schon ewig“ eine Wohnung haben. Doch nach „dem Gewusel in der Großstadt“ freuten sie sich immer wieder auf das ruhige Landleben – das Ähnlichkeit hat mit dem im fiktiven Eichwinkel 3 in „Bärstadt“ in der bfrüheren Kindersendung „Löwenzahn“, wo Peter Lustigs blauer Bauwagen stand und „Nachbar Paschulke“ oft zu Besuch kam.

Peter Lustig, geboren in Breslau, ist inzwischen 76 Jahre alt. 2005 hängte er seine Hauptrolle in „Löwenzahn“ aus gesundheitlichen Gründen an den Nagel. Mehr als 200 Folgen mit ihm begeisterten sowohl den Nachwuchs als auch Erwachsene. „Löwenzahn Classics“ läuft zurzeit jeden Sonntag von 8.35 Uhr an im ZDF und ist Kult. „Mich freut das Interesse der Zuschauer natürlich. Aber eigentlich habe ich doch nichts Besonderes gemacht“, meint Deutschlands bekanntester Latzhosenträger. Für den gelernten Rundfunktechniker und studierten Elektrotechniker war der Job als Moderator ein Handwerk, bei dem er seiner Neugierde freien Lauf ließ, während er den Alltag erforschte. Eine Rolle hat Lustig nie gespielt: Er war auch vor der Kamera authentisch – bis zur bereits erwähnten Latzhose, die er auch privat am liebsten trägt.

Peter Lustig bastelt sehr gern. Das war auch der Grund, warum er ein großes Haus wollte. Seine Ehefrau hatte sich zuerst in Husum verliebt und sich dann auf die Suche nach einem passenden Zuhause gemacht. „Letztendlich hat der Fresenhof uns gefunden“, meint Astrid Berge. Ihr Reetdachhaus gehörte einst Knut Kiesewetter: Im Repertoire des Liedermachers gibt es sogar ein Stück über das schöne Haus.

Nach einer umfassenden Sanierung genoss das Ehepaar Lustig sein Leben in Nordfriesland. Wobei: Anfangs sei es schon „etwas nervig“ gewesen, wenn „Busse voller Menschen im Tempo einer Wanderdüne“ am „Fresenhof“ vorbeifuhren, um einen Blick auf Peter Lustig zu erhaschen. „Das hat sich nach ein paar Jahren aber gegeben.“ Angetan war und ist das Ehepaar von der nordfriesischen Art – „eher zugeknöpft, aber überaus herzlich und mit viel Humor“. Astrid Lustig: „Wir wurden sofort in die Gemeinschaft aufgenommen und haben tolle Nachbarn – es hat einfach gepasst.“

Mittlerweile hat das Ehepaar neun Enkelkinder, die größtenteils in Berlin wohnen. Grund genug für die Großeltern Lustig, in ihre Nähe zu ziehen. „Ältere Menschen erreichen Doktor, Apotheke und Kneipe gern zu Fuß“, schiebt Peter Lustig als weiteren Grund hinterher, lugt über seine runden Brillengläser und trinkt ein Schlückchen Rotwein.

Der 76-Jährige ist zufrieden, trotz der Zipperlein, die mit den Jahren altersbedingt aufgetreten sind. Auch nach einer Krebsdiagnose vor 30 Jahren ließ er sich nicht unterkriegen. „Die Ärzte gaben mir damals noch fünf Jahre zu leben. Ich bin immer noch da, ist das nicht schön.“ Pu, der Bär, ist sein Idol: „Weil Pu das Leben so nimmt, wie es ist.“ (Pu, der Bär – Winnie-the-Pooh – ist ein berühmtes Kinderbuch des Autors Alan Alexander Milne aus dem Jahr 1926).

Peter Lustig arbeitet zurzeit an einem Buch für die „Löwenzahn“-Reihe mit Fokus auf die Evolution. Sein Schreibtisch soll ebenso im „Fresenhof“ bleiben wie alle anderen Möbel sowie die Gerätschaften in einem Tonstudio und einem Bastelraum. „Ich nehme nur meinen Flipper und die Bücher mit.“ Lustig hat sich in Berlin bereits eine klitzekleine Werkstatt eingerichtet.

„Wir legen für das Haus inklusive Mobiliar zwar einen Startpreis fest, aber schließen uns einer neuen Idee an. Potenzielle Käufer können ein Gebot abgeben. Besichtigungstermin ist am Sonnabend, 14. Juni, von 14 bis 16 Uhr“, erläutert Ehefrau Astrid. „Wir gehen schweren Herzens und werden sicherlich immer mal wieder nach Husum kommen“, sagt sie etwas wehmütig. Peter Lustig stimmt ihr nickend zu, genießt ein weiteres Tröpfchen vom guten Roten und lässt den Blick in den Garten schweifen: „Ist das nicht schön, diese Ruhe hier?!“

 

Ein kreativer Techniker

Nach dem Studium der Elektrotechnik arbeitete Peter Lustig zuerst beim US-amerikanischen Radiosender AFN als Toningenieur, später ging er zum SFB. Dort schrieb er nebenbei Hörspiele und war Dozent an der Film- und Fernsehakademie Berlin. 1973 trat Lustig bei der „Sendung mit der Maus“ auf. Bei einer Fernsehproduktion für die Reihe „Pusteblume“ 1979 beim ZDF wurde er als Moderator und Hauptdarsteller entdeckt und blieb auch als aus der „Pusteblume“ der „Löwenzahn“ wurde. Lustig ist zweifacher Grimme-Preisträger.

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