Deutsche Bossel-Meisterschaft : Schleswig-Holsteiner schlagen sich wacker

Mit Schmackes  schickt dieser Sportler die Gummikugel auf die Reise. hjm
Mit Schmackes schickt dieser Sportler die Gummikugel auf die Reise. hjm

Mit dem Straßenboßeln endete die 8. Deutsche Meisterschaft im Boßeln und Klootstockschießen in Eiderstedt. Deutscher Vizemeister bei dem Wettbewerb mit der Gummikugel wurde bei den Männern Torsten Gebert vom BV K-Bund.

shz.de von
02. Juni 2014, 08:00 Uhr

Auch wenn es am Abschlusstag der 8. Deutschen Meisterschaft im Boßeln und Klootschießen keinen Meistertitel beim Straßenboßeln mit der Gummi- und Kunststoffkugel für die Teams des Verbandes Schleswig-Holsteinischer Boßler (VSHB) gab, war man mit den Ergebnissen zufrieden. Auf der Straße am Deich von Vollerwiek hatten die Teilnehmer in den beiden Disziplinen jeweils zehn Würfe zu absolvieren. Dabei wurden sie von vielen Zuschauern angefeuert. Neben dem VSHB gingen auch der Friesische Klootschießerverband (FKV), die Nordhorner Sportkloatscheeter Vereinigung (NSKV) und der Klootschießerverband Nordrhein-Westfalen (KBV) an den Start.

Das Straßenboßeln ist eine Domäne des FKV, und so galten sie auch als die großen Favoriten. Doch die Gastgeber sorgten bei den Männern mit der Gummikugel für eine große Überraschung. Mit 1640 Metern sicherte sich Torsten Gebert vom BV K-Bund die Vizemeisterschaft. Bei den Junioren kam Maximilian Witt (BV Uelvesbüll/Norderfriedrichskoog) mit 1172 Metern auf den sechsten und Nils Pauls (BV K-Bund) mit 1139 Metern auf den siebten Platz.

Nicht so gut lief es bei den Frauen, wo Melina Witt als Neunte und Maren Jessen-Witt als Elfte (beide BV Uelvesbüll/Norderfried-Richskoog) weit hinter den Medaillenrängen landeten. Bei den Juniorinnen kamen Charleen Bisewski und Johanna Levens (beide BV K-Bund) hinter dem siegreichen Nachwuchs des FKV auf die Plätze vier und sechs.

Am Nachmittag hatten sich Daniel Koch (BV Koldenbüttel) und Thore Lesch (K-Bund) auf der Eiderstedter Heimatstrecke mit der Kunststoffkugel eigentlich etwas vorgenommen, doch am Ende reichte es nur zu den Plätzen neun und zehn. Nicht besser erging es Stefanie Böttcher (BV K-Bund): Mit 966 Metern kam sie auf den zehnten Platz. Bei den Juniorinnen belegten Hannah Otto (BV Uelvesbüll/Norderfriedrichskoog) mit 926 Metern den sechsten und Martje Peters (K-Bund) mit 911 Metern den siebten Platz. Besser machte es da der Dithmarscher Niko Stange (BV Lunden) bei den Junioren für den VSHB. Mit 1359 Metern gewann er die Bronzemedaille. „Da bei uns der Standkampf die höchste Priorität hat, sind wir mit den zwei Medaillen auf der Straße zufrieden“, so der VSHB-Vorsitzende Ernst Reimers. In diesem Zusammenhang richtete er auch ein großes Lob an die ausrichtenden Vereine, die für einen reibungslosen Ablauf sorgten.

Die Ergebnisse in der Übersicht. Gummikugel Männer: 1. Tobias Hinrichs (FKV) 1767 m; 2. Torsten Gebert (VSHB) 1640 m und 3. Reiner Hiljegerdes (FKV) 1596 m. Junioren: 1. Kevin Feldschnieders (NSKV) 1385 m; 2. Holger Wäcken (FKV) 1291 m und 3. Fabian Schmidt (FKV) 1266 m. Frauen: 1. Simone Davids (FKV) 1385 m; 2. Tanja Meppen (FKV) 1293 m und 3. Kerstin Friedrichs (FKV) 1282 m. Juniorinnen: Daniela Jensen (FKV) 1152 m; 2. Lena Wittje (FKV) 1097 m und 3. Svenja Oelrichs (FKV) 1018 m.

Kunststoffkugel Männer: 1. Michael Pretzel (NSKV) 1729 m; 2. Harm Weinstock (FKV) 1713 m und 3. Henning Heinen (FKV) 1528 m. Junioren: 1. Eike-Henning Peters (FKV) 1574 m; 2. Markus Heyne (FKV) 1422 m und 3. Niko Stange (VSHB) 1359 m. Frauen: 1. Astrid Hinrichs (FKV) 1391 m; 2. Anke Klöpper (FKV) 1391 m und 3. Carolin Huy (NSKV) 1318 m. Juniorinnen: 1. Miriam Schumacher (NSKV) 1053 m; 2. Mareike Langerenken (FKV) 1037 m und 3. Christina Lambers (NSKV) 1008 m.

Sie ist aus Vollgummi, rot und wiegt 1250 Gramm. Mit dieser Gummiboßel wurde gestern, am zweiten Tag der Deutschen Boßel-Meisterschaften, das Straßenboßeln entlang der Badestelle in Vollerwiek ausgeführt. Tags zuvor mussten die über 200 Teilnehmer des Wettbewerbs ihr Können beim Stand- und Feldboßeln unter Beweis stellen.

Schon von Weitem konnten man die begeisterten Anfeuerungsrufe der Zuhörer und Spieler hören. „Es ist ein emotionales Spiel, bei dem man mit Leib und Seele dabei ist“, erklärte einer der vielen Boßelfans, Heinrich Homann. Ziel des Boßeln sei es, die Kugel mit möglichst wenigen Würfen über eine festgelegte Strecke zu werfen. Beim Straßenboßeln betrug die vorgegebene Strecke fast zwei Kilometer. Tatsächlich ist es ein sehr emotionales Spiel, das mit viel Spannung verbunden ist. Dies bewiesen auch die Damen, die das Boßeln auf der Straße am Sonnabend einleiteten. „Nun reiß dich zusammen und leg den Wurf richtig hin“, feuerten Teamkollegen die Werferinnen an. Je nachdem, wie erfolgreich der Wurf war, waren die Rufe und begeisterten Schreie der Mitfiebernden zu hören. Besonders die Vertreter aus Nordhorn/Emsland konnte man allein schon an ihrer gewaltigen Stimmlage erkennen. „Beim Training üben wir nicht nur das richtige Werfen, sondern auch die Anfeuerungsrufe und Schreie“, verriet eine Mitspielerin schmunzelnd.

Jan Volkers beispielsweise gehörte mit seinen 60 Jahren zu den ältesten Teilnehmern. „Ich bin mit dem Boßeln groß geworden, und bin verrückt danach“, verriet er. „In meiner Ausbildungszeit bin ich immer in der Pause nach Hause gegangen um zu Boßeln.“ Dass so viel Jugendliche für diese außergewöhnliche Sportart zu begeistern sind, verwundert ihn nicht. „Schade nur, dass wir immer weniger werden“, gibt er zu bedenken.

Zu den begeisterten Zuschauern gehörte auch Jan-Friedrich Clausen vom Boßel-Unterverband Eiderstedt. Er ist stolz auf die Erfolge der Spielerinnen aus den eigenen Reihen. „Hier hat alles gestimmt, das Wetter, die Atmosphäre, der Gemeinschaftsgeist.“ Bei den vielen Turnieren kenne man inzwischen die Spieler aus den anderen Regionen. „Es ist wie ein Familientreffen, man freut sich, einander zu sehen. Doch wenn es um den Ball geht, dann ist jeder hoch konzentriert und gibt sein Bestes.“


zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen