Aus den Gemeinden : Schlechte Stimmung in Hude

In der Gemeinde Hude hängt der Haussegen schief.
In der Gemeinde Hude hängt der Haussegen schief.

Konflikte in der Wählergemeinschaft wirken sich auch negativ auf das Zusammenleben in der Gemeinde aus.

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11. April 2018, 13:00 Uhr

Die Stimmung ist merklich angespannt an diesem Abend. Obwohl die Tagesordnung eher unauffällig ist, sind außergewöhnlich viele Huder in das Schwabstedter Hotel zur Treene zur voraussichtlich letzten Gemeindevertreter-Sitzung der Legislaturperiode gekommen. Jetzt blicken alle aufmerksam Richtung Gremium.

„Ja, zurzeit herrscht viel Unmut in der Gemeinde“, erklärt Bürgermeister Frank Schäfer auf Anfrage unserer Zeitung vor Sitzungsbeginn. Warum das so ist, kann er nicht konkret beantworten. Trotzdem – der Gegenwind sei für ihn und die anderen Gemeindevertreter deutlich spürbar.

Im Aufwind scheint sich dagegen Ulrich Kinner zu befinden, der am Nebentisch sitzt. Der Unternehmer, der vor etwa eineinhalb Jahren von Hamburg nach Hude gezogen ist, hat sich für die Kommunalwahl in der einzigen Fraktion der Kommune, der Wählergemeinschaft Hude (WGH), beworben – und bei der Aufstellung der Kandidaten die meisten Stimmen erhalten. Schäfer liegt zwei Plätze dahinter. Und auch andere Gemeindevertreter haben bei dem Treffen der WGH an Stimmen eingebüßt oder wurden gar nicht mehr gewählt. Wie zum Beispiel Schäfers Stellvertreter Lutz Kretschmer, der nun als Einzelbewerber antritt.

Schäfer selbst habe ihn gefragt, ob er sich im Gemeinderat engagieren wolle, so Kinner. Dass er so viele Stimmen bekommen habe, überrasche ihn selbst. „Ich gehe davon aus, dass ich bei der konstituierenden Sitzung als Bürgermeister vorgeschlagen werde. Das würde ich auch gern annehmen“, erklärt er am Telefon. Frischer Wind täte der Gemeinde bestimmt gut. Es sei absolut okay, wenn jemand kandidieren möchte, macht Schäfer deutlich, als er auf das Thema angesprochen wird. „Aber da muss man doch vorher vernünftig drüber reden. Jetzt kommt das wie Kai aus der Kiste.“

Fragt man einzelne Huder, so wird vermutet, dass es auch Altlasten sein können, mit denen der Gemeinderat zu kämpfen hat. So war für Hude schon der Start in die noch laufende Legislaturperiode holprig. Während der konstituierenden Sitzung im Juni 2013 kam es zum Eklat. Zwei Gemeindevertreter erklärten, dass für sie eine vertrauensvolle Zusammenarbeit unmöglich sei und nahmen ihren Hut. Ursache für das Zerwürfnis in der WGH war damals die Bürgermeister-Wahl, bei der zwei Kandidaten antraten – zum einen Frank Schäfer und zum anderen Manfred Friedrichsen, der bei der Kommunalwahl die meisten Direktstimmen erhalten hatte. Schäfer war an zweiter Stelle. Doch die Mehrheit der Gemeindevertreter entschied sich in offener Abstimmung für Schäfer als Bürgermeister. Friedrichsen unterlag knapp – drei der sieben Ratsmitglieder stimmten für ihn.

Hude, in dem knapp 200 Einwohner leben, wirkt gespalten, die Arbeit der ehrenamtlichen Gemeindevertreter wird zunehmend kritisiert. Auch direkte Anfeindungen seien keine Seltenheit, erklären einige Gremiums-Mitglieder. „Ich verstehe das nicht“, sagt Schäfer. „Wir haben so viel gemacht. Natürlich muss man auch mal Entscheidungen treffen, die nicht allen gefallen, aber wir sind niemandem auf die Füße getreten“, fügt er hinzu. Auf die Frage, welche konkreten Themen oder Inhalte dazu führten, dass sich dieser Konflikt so hochgeschaukelt hat, können weder Schäfer noch Kinner so richtig beantworten.

Den Vorwurf, der von verschiedenen Seiten geäußert wurde, dass er als Geschäftsführer eines Entsorgungs-Unternehmens Vorteile aus seiner Kandidatur ziehen will, weist Kinner von sich. „Das würde keinen Sinn machen. Meine Firma agiert bundesweit und entsorgt Verpackungen für Filialketten in Fußgängerzonen. In Hude gibt es kein einziges Geschäft, das in unser Leistungsspektrum passen würde.“ Das Gegenteil sei der Fall. Durch die Gewerbesteuer, die seine Firma bald zahle, würde Hude profitieren.

Doch zurück zur Sitzung. Die Haushaltsbilanz Hudes kann sich sehen lassen. 2013 wurde die Gemeinde mit einem dicken Minus übernommen. Trotz größerer Investitionen schloss die Bilanz 2017 nun mit einem Plus von rund 24.000 Euro ab. „Wir stehen kurz vor der Wahl“, sagt Gemeindevertreter Manuel Clausen. „Und ich schätze, dass ich wohl nicht wiedergewählt werde.“ Trotzdem wolle er aufzählen, was in den vergangenen Jahren bewegt worden sei. „Auch wenn viele meinen, dass wir in dieser Konstellation nichts geleistet haben.“ Clausen nennt Beispiele der Maßnahmen, die der Gemeinderat in die Wege geleitet hat. Neben der Sanierung des Sportlerheims, den Erhalt der Schietkuhle und dem Kauf der Grundstücke am Dorfplatz habe sich die Gemeinde mit einem Darlehen an der Wassergemeinschaft beteiligt sowie die Unterhaltung von Gräben, Wegen und des Ehrenmals vorangetrieben. Außerdem sei die Verkehrssicherheit an Bushaltestelle und Schmidtbarg erhöht, die Kanalisation teilsaniert und die Straßenbeleuchtung auf LED umgestellt.

Eine Lanze für die Arbeit des Gemeinderats bricht auch der Vorsitzende der Wählergemeinschaft, Prof. Hartmut Rohde, mit einer flammenden Rede. Ihm imponiere, dass das Gremium immer mit offenen Visier vorgehe sowie fair, sachlich, aber mit klarer Ansage argumentiere. „So eine Arbeit ist nur möglich, wenn man mit diese Kommune gewachsen ist“, ist er überzeugt.

Wie es weitergeht in Hude, werden die Kommunalwahl am 6. Mai und die Bürgermeisterwahl Anfang Juni zeigen. Schäfer sieht dem gelassen entgegen, wie er versichert. „Die Karten werden dann eh wieder neu gemischt.“

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