Simulation zur Fussball-WM : Schlagabtausch am Großbildschirm

Höchste Konzentration an der Konsole – und wieder ist der Ball im algerisch-italienischen Tor.
Rosetti (l.) und Petersen mit höchster Konzentration an der Konsole – und wieder ist der Ball im algerischen Tor.

Was zeigt die deutsche Elf heute (Montag, 30. Juni) gegen Algerien? In unserer Simulation zur Fußball-WM setzt sich Jogi Löws Truppe locker durch - und gewinnt 3:0. Unser Redaktionsmitglied spielte an der Playstation-Konsole gegen den Italiener Mattheo Rossetti.

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30. Juni 2014, 12:30 Uhr

Also mein großes Vorbild ist ja mein Kumpel Edwin. Bringt alles mit, was einen guten Fußballfan ausmacht: Von nix ’ne Ahnung, aber zu allem ’ne Meinung. Der wusste schon, wer ins Endspiel kommt, bevor die Weltmeisterschaft losging: Spanien gegen Italien. Die Brasilianer würden das Turnier im eigenen Land nervlich nicht durchstehen, meinte Edwin, und unsere Jungs – wie immer – gegen Italien rausfliegen. Und nun das: Spanien weg, Italien weg, aber Brasilien im Viertel- und Deutschland auf jeden Fall schon mal im Achtelfinale.

Da treffen Götze & Co. dann auf – ja, tatsächlich – auf Algerien. Ausgerechnet Algerien! Die „Schande von Gijon“ bei der WM 1982 in Spanien, das frevelhafte Ballgeschiebe zwischen Deutschland und Österreich, an dessen Ende Algerien rausflog und dessen einziges nennenswertes Ergebnis die Entscheidung der FIFA war, die letzten Vorrunden-Spiele künftig zeitgleich anzusetzen? Gäbe es einen gerechten Fußballgott, müssten diesmal die Deutschen ausscheiden. Aber im Fußball gibt es ja gar keine Deutschen, sondern nur die deutsche Nationalmannschaft. Und die sieht inzwischen völlig anders aus und spielt auch ganz anders als die von 1982.

Dennoch: Eine WM ohne Italien – ohne die martialischen Posen eines Superhelden wie Mario Barlotelli, das ist wie Loriot ohne Mops. Nein, Italien durfte nicht ausscheiden! Italien hätte doch bleiben müssen! Wovor sollten sich unsere Jungs denn sonst noch gruseln?

In unserer Simulation des WM-Achtelfinales proben wir dann auch den Ernstfall. Und der geht nur mit Italien. Wie das schon klingt: Matteo Rossetti gegen Stefan Petersen – wie Pasta gegen Currywurst. Da kann man nur auf die Bibel vertrauen – und auf einen Ausgang à la David gegen Goliath! Mattheo Rossetti: Hat Deutschland – vertreten durch den Kollegen Petersen, den Thomas Müller der Stadtredaktion – gegen solche Klangesfülle überhaupt den Hauch einer Chance? Oder kommt am Ende wieder einer dieser müden Arbeitssiege heraus? Motto: Mies gespielt, aber trotzdem weiter?

Weil Italiens Rossetti vom „Eiscafé Riva“ den Algeriern Schützenhilfe geben soll und das Ganze somit eh schon eine virtuelle Angelegenheit ist, wird die heutige Begegnung auf einer Spielkonsole bei Euronics simuliert. Da wird sich schon zeigen, ob die Deutschen wirklich technisch dazugelernt haben. Die legen jedenfalls gleich richtig los. Während Özil den Ball nach vorne treibt, starten die azzurischen Algerier eine Art Warm-Up für die erwartete Abwehrschlacht und proben – zunächst noch fernab vom Gegner – Schlindweinsche Blutgrätschen. Doch dann wird es ernst. Vierte Minute: Reus (Wieso der? Der ist doch gar nicht mit! Na ja, nobody is perfect – auch das beste Computerspiel nicht), also Reus allein vorm Tor, wird vom gegnerischen Keeper umgesäbelt. Rote Karte, aber kein Elfmeter. Seltsame Regel-Auslegung. Egal. Weiter geht’s. Mitte der ersten Halbzeit klingelt es dann im algerischen Tor: „Komischerweise dieser Müller“, winkt Rossetti ab und hadert weiter mit den Kreuz-, Kreis- und Viereck-Tasten der Playstation-3-Konsole. Die Antwort kommt postwendend und das, obgleich sich der Ersatztorwart der „Wüstenfüchse“ zum besten Mann seines Teams aufschwingt. Doch kann auch er nicht verhindern, dass Reus alias Petersen den zweiten deutschen Treffer setzt. Nur einmal kommt – nach gut getimter Flanke – Slinari frei vors Tor von Manuel Neuer, trifft aber nicht. Und dann zappelt der Ball abermals im Netz: Klose war’s – auf Zuspiel von wem? „Komischerweise Müller“, sagt Theo achselzuckend. Den wird die Playstation am Ende eigenmächtig zum „Mann des Spiels“ küren.

Woran hat’s gelegen, wollen wir von Matteo Rossetti wissen: „Kein Kommentar“, winkt der Hafenstraßen-Pirlo ab. „Mit Italien wär’ das nicht passiert, oder?“, haken wir nach. „Jedenfalls nicht in diesem Turnier“, antwortet Theo geschmeidig. Das virtuelle 3:0 des deutschen Teams nimmt er als gutes Omen: „So darf es gern auch heute enden.“

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