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Stalker weiterhin aktiv : Schlag unter die Gürtellinie

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Arbeitgeber des Stalker-Opfers geht in die Offensive: Der Unternehmer hofft auf Hinweise aus der Bevölkerung, um den Täter dingfest zu machen. 49-Jährige wird bereits seit zehn Jahren unter Druck gesetzt.

Anfang des Jahres berichteten wir über eine Frau aus Bredstedt und ihr Leben als Stalking-Opfer. Seinerzeit wollte sie ihren Namen nicht nennen, aus Angst vor ihrem Peiniger. Nachdem sie mutig an die Öffentlichkeit gegangen war, hatte sie kurzfristig Ruhe. Einige Zeit später war aber wieder alles beim Alten: Zerstochene Autoreifen, zerkratzter Autolack und, als ob das noch nicht genug wäre, nun auch noch eine geschriebene Botschaft – für alle Augen sichtbar an einer Firmenwand in Bredstedt: Der Name des Opfers, der Name ihres Arbeitgebers und der ihres Bekannten an dem Gebäude, in dem ihr Chef eine Filiale unterhält. Dazu noch Worte aus „Vulgarien“ – unterste Schublade.

„Wir sind sehr erschrocken und empört über die Schmierereien“, sagt Matthias Meyer von der gleichnamigen Bäckerei. Der 30-jährige Unternehmer sieht seinen Handwerksbetrieb durch den öffentlichen Angriff in den Schmutz gezogen und geht in die Offensive. „Wir schätzen die Mitarbeiterin sehr und stehen schützend an ihrer Seite.“ Er bedauert es, was diese seit über zehn Jahren mitmachen muss, hofft auf Hinweise aus der Bevölkerung und zeigt Zivilcourage. „Wir werden nicht die Augen verschließen, denn diese Aktion geht zu weit. Am Sonntag müssen die Schmierereien kurz vor Dienstbeginn auf die Wand gesprüht worden sein. Irgendjemand hat sicherlich etwas gesehen. Wir sind für jeden Hinweis dankbar.“

Und dem Opfer, wie geht es ihm? „Meine Nerven liegen blank, ich kann nicht mehr schlafen“, sagt die 49 Jahre alte Frau. Dass ihr Arbeitgeber zu ihr hält, freut sie sehr und macht sie stolz. „Der Stalker will, dass ich meinen Arbeitsplatz verliere, da bin ich mir sicher“, sagt sie. Die Polizei hat sie benachrichtigt, wie immer, wenn der Stalker wieder einmal aktiv daran gearbeitet hat, ihr Leben zu zerstören. Die an die Wand gesprühte Botschaft, die voll unter die Gürtellinie geht, hat sie nicht davon abgehalten, ihren Dienst in der Bäckerei zu tun. „Jeder Kunde, der reinkam, hat die Zeilen gelesen. Das war hart, aber ich will meine Arbeit nicht verlieren.“ Genau wie ihr Chef hofft auch sie auf Hinweise, die der Überführung ihres „Schattens“ dient.

Trauben von Schaulustigen hatten sich gestern und am Sonntag die Schmierereien vor Ort angesehen, nachdem sich die Nachricht darüber herumgesprochen hatte. „Ich spüre, das mein Ex-Mann dahinter stecken könnte. Nachdem wir geschieden waren, sagte er, dass er mich fertig machen wird. Immer wieder fiel das Wort Hure, so wie es jetzt auch an der Wand steht,“ berichtete die Frau gestern.

Nachdem der Artikel zu Beginn des Jahres in den Husumer Nachrichten erschienen war, hatten viele Leute bei ihr nachgehakt. Sie wussten trotz der Anonymität, um wen es sich handelt, aber nicht, dass es so schlimm um sie bestellt ist. Das Stalking-Opfer sagt: „Ich habe Zuspruch erhalten, das gab mir Kraft.“

Ein Fernsehteam von RTL ist zurzeit in Bredstedt und recherchiert. Das hat der Chef der 49-Jährigen in die Wege geleitet. Es macht Aufnahmen von den Orten, wo etwas passiert war – von dem Pferdestall, der abbrannte, von der Kleingartenkolonie, wo der Gashahn in der Laube aufgedreht worden war. . .  „Der Stalker soll mich endlich in Ruhe lassen, ich will mein Leben zurück und wieder atmen können,“ fordert das Opfer.

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