Standpunkt : Schlag ins Kontor

Steuerrecht bremst Elan der Service-Clubs.

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25. März 2013, 09:37 Uhr

Es gibt rund 280 000 gemeinnützige Vereine in Deutschland - mit Millionen von Mitgliedern, die sich einer wohltätigen Sache verschrieben haben. Doch, Vorsicht: Zuviel Rührigkeit kann auch demotivierend sein. Denn wenn der Ertrag aus dem freiwilligen Einsatz die Freigrenze übersteigt, hält Vater Staat die Hand auf. Der hat nämlich alles, was am Ende des Jahres mehr als 17 500 Euro ausmacht, mit sieben Prozent Umsatzsteuer belegt.

Ein Schlag ins Kontor für all die fleißigen Lions, Rotarier und anderen Service-Clubs, die schon deshalb ihren Verwaltungsaufwand denkbar gering halten, damit von ihrem Erlös so viel Geld wie möglich bei Bedürftigen ankommt. "Wahrung der Wettbewerbs-Neutralität" heißt die rein auf der Theorie basierende Formel, mit der die vom Motto "We serve" beseelten Helfer an dieser Stelle nicht gerechnet haben. Im Klartext: Aus dem Verkauf von Kalendern, Krokustöpfen oder Getränken bei Benefiz-Konzerten könnte sich eine gewerbliche Konkurrenz ergeben.

Was wohl eine alleinerziehende Mutter dazu sagt, wenn man ihr erklärt, dass deswegen etliche Klassenfahrten weniger finanziert werden können oder ein gemeinsamer Besuch im Westküstenpark nicht mehr drin ist? Jeden Sonderfall zu berücksichtigen, würde das ohnehin schon komplizierte Steuerrecht noch mehr aufblähen, heißt es aus dem Finanzministerium. Was wäre so schlimm daran, in einem Dschungel einen weiteren Baum zu pflanzen? Dann könnten auch die Gesetzgeber mit Recht von sich behaupten: "We serve".

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