Alloheim in Bredstedt und Niebüll : Schimmelwände und Hunger? Mitarbeiter erheben Vorwürfe gegen Seniorenheime

Das Alloheim-Seniorenheim in Niebüll.
Das Alloheim-Seniorenheim in Niebüll.

In den Alloheim-Seniorenheimen in Bredstedt und Niebüll sollen schwere Missstände herrschen.

Avatar_shz von
22. Februar 2018, 17:45 Uhr

Husum | Herrscht in den Heimen der Alloheim-Seniorenresidenzen in Bredstedt und Niebüll der Pflegenotstand? In Berichten des Norddeutschen Rundfunks (NDR) erheben Mitarbeiter schwere Vorwürfe gegen die in Düsseldorf ansässige Betreibergesellschaft. Demnach würden die Bewohner des Bredstedter Heims zu wenig zu essen bekommen, Zimmer schimmeln und aufgrund von Personalmangel erhielten die Bewohner generell zu wenig Unterstützung. Auch für die Pflegeeinrichtung in Niebüll-Gath klagt ein ehemaliger Mitarbeiter über zu wenig Personal und Hygienemängel. Auf Nachfrage der Husumer Nachrichten bei Angehörigen und Fachleuten ergibt sich kein derartig eindeutiges Bild.

Hintergrund: Alloheim-Senioren-Residenzen

Die beiden Häuser in Niebüll-Gath und Bredstedt waren ursprünglich einmal in öffentlicher Hand. Der Kreis Nordfriesland hatte in den 1990er-Jahren sein „Tafelsilber“ in Form von Aktien und  Alten- und Pflegeeinrichtungen veräußert, zumal er selbst finanziell unter Druck war und in den Häusern teilweise Investitions-Stau herrschte. Käufer war der DRK-Landesverband, der später selbst in finanzielle Turbulenzen geriet und die Einrichtungen an die Senator-Unternehmensgruppe veräußerte. Diese wurde Anfang 2016 von der Alloheim-Senioren-Residenzen SE geschluckt.

 

Eine Angehörige, deren Tante seit dem Sommer 2016 im Niebüller Heim untergebracht ist, ist von der dortigen Betreuung allerdings wenig begeistert: Ihre Tante sei dement, man habe ihr deshalb im Frühjahr 2016 auch einen Platz auf der Dementenstation zugesagt. Als die Tante einziehen sollte, sei sie aber zunächst für mehr als ein halbes Jahr auf einer normalen Station untergebracht worden. Dort habe man sich um ihre Tante viel zu wenig gekümmert: „Sie hat abgebaut und vor allem die Körperhygiene hat gelitten.“

Zudem hätten die Pfleger ständig gewechselt und die Personalsituation sei grundsätzlich angespannt gewesen, bemängelt die Angehörige. Seitdem ihre Tante auf der Dementenstation untergebracht sei, funktioniere die Pflege aber „einigermaßen“. Im Gegensatz dazu zeigte sich eine Niebüllerin, die seit 20 Jahren ehrenamtlich in dem Seniorenheim aktiv ist, von der NDR-Berichterstattung schockiert: Dass etwas grundsätzlich schief laufe, könne sie nicht bestätigten: „Ein großer Teil der Bewohner fühlt sich wohl.“

Ein Teil des Bredstedter Hauses soll abgerissen werden.
ank
Ein Teil des Bredstedter Hauses soll abgerissen werden.

Bernd Neumann, Vorsitzender des Niebüller Sozialausschusses, sagte auf Anfrage unserer Zeitung, dass ihm Vorwürfe gegen das Alloheim- Haus bisher nicht bekannt seien: „Ich werde das Thema aber in unserem Ausschuss thematisieren. Falls an den Vorwürfen etwas dran ist, was wir jetzt ja gar nicht wissen, müssen wir sehen, was wir als Kommune tun können.“

„Grundsätzlich unzufrieden waren wir nicht“

Und wie sieht die Situation in Bredstedt aus? Der dortige Altbau des Heimes soll noch in diesem Jahr abgerissen und neu gebaut werden, sagt der Sozialauschuss-Vorsitzende Christian Schmidt. Die Bewohner des Altbaus sollen dann nach seinem Kenntnisstand während der Umbauphase im Niebüller Haus untergebracht werden.

Gravierende Vorwürfe gegen die Bredstedter Einrichtung habe er bisher nicht vernommen, sagt Schmidt. Einer seiner Verwandten sei dort zwischenzeitlich auch untergebracht gewesen: „Grundsätzlich unzufrieden waren wir nicht.“ Ähnliches berichtet auch eine Bredstedterin, die eine Verwandte dort regelmäßig besucht. Die Zimmer wären zwar klein und die sanitären Anlagen nicht auf dem neuesten Stand, doch grundsätzlich sei ihre Verwandte ganz zufrieden. Dass das Personal eher knapp sei, berichtet aber auch sie.

Die Alloheim-Gesellschaft wies gestern die vom NDR erhobenen Vorwürfe „entschieden“ zurück. Sie würden die Heime  „pauschal in ein falsches Licht“ rücken. Eine Sprecherin erklärte zudem: „Die Einhaltung des Pflegeschlüssels sowie die Besetzung entsprechend des mit den Pflegekassen verhandelten Personalumfangs sind für Alloheim verbindlich.“

Schlechte Bewertungen für Niebüll-Garth

Zuständig für die Prüfung stationärer Pflegeeinrichtungen ist der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK) Nord. Die Ergebnisse sind, wie gesetzlich vorgeschrieben, öffentlich einsehbar. Auch für die Einrichtungen in Niebüll und Bredstedt liegen diese „Transparenzberichte“ vor. Die jüngsten stammen vom Herbst 2017 und weisen für beide Häuser in den Kategorien Umgang mit demenzkranken Bewohnern, Betreuung und Alltagsgestaltung sowie Wohnen, Verpflegung, Hauswirtschaft und Hygiene durchweg sehr gute Noten aus. Was die Pflege und medizinische Versorgung angeht, kommt die Seniorenwohnanlage Bredstedt bei insgesamt 32 bewerteten Kriterien noch auf die Note 2,1. Die stationäre Einrichtung Niebüll-Gath jedoch nur auf die Note 3,6.

Was in Schulen noch ein Weiterkommen sichert, ist für eine stationäre Pflegeeinrichtung nicht ausreichend. So sieht es ein Branchenkenner, der über viele Jahre selbst Einrichtungen dieser Art in leitender Funktion betreut hat. „Das lässt vermuten, dass dort einiges im Argen liegt und es auch pflegefachliche Probleme gibt – und nicht nur Dokumentationsfehler“, so seine spontane Reaktion ohne Kenntnis der genauen Verhältnisse vor Ort.

Massive Mängel und Beschwerden in Niebüll

Nach Auskunft der Heimaufsicht des Kreises Nordfriesland ist die Bredstedter Einrichtung (82 Plätze) zuletzt am 18. September 2017 einer unangekündigten Regelüberprüfung unterzogen worden. Hygienemängel seien dabei nicht festgestellt worden, wohl aber ein Mangel an Fachkräften. Nach Auflagen und Fristsetzung sei „inzwischen wieder genügend Personal vorhanden“. Kreispressesprecher Hans-Martin Slopianka verweist in diesem Zusammenhang darauf, dass bei nahezu jeder Überprüfung von Senioren- und Pflegeheimen Mängel festgestellt werden. Grundsätzlich gelte, dass die Pflegequalität nicht leiden darf. Und mit Blick auf den konkreten Fall: „Dies können wir für die Einrichtung in Bredstedt bestätigen. Dank des hohen, jedoch nicht dauerhaft zumutbaren Einsatzes und Engagements der dort tätigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist es auch in den Zeiten des Personalmangels nicht zu Pflegemängeln gekommen.“

Anders stellt sich die Situation in Niebüll dar: Nachdem es bereits vor zwei Jahren Beschwerden, unangekündigte Überprüfungen und diverse Mängel und Defizite mit Blick auf die pflegerische Qualität und fehlende Personal gegeben hatte, gab es im vergangenen Herbst erneut massive Beschwerden und Probleme, die die Heimaufsicht des Kreises aktiv werden ließen. Nach „deutlichen Verbesserungen“ – festgestellt im Januar 2018 – ist der zunächst ausgesprochene Belegungsstopp dann wieder gelockert worden: Statt 95 dürfen jetzt maximal 82 Bewohner aufgenommen und versorgt werden. Und, so der Kreis: „Die Einrichtung wird auch heute noch engmaschig von Seiten der Aufsicht begleitet und kontrolliert.“

Im Übrigen verweist der Kreis darauf, dass der weitaus größte Teil aller Defizite in Pflegeheimen allein durch den Personalmangel zustande komme. Einige Einrichtungen nähmen deshalb schon von sich aus keine weiteren Bewohner auf. Andere, wie in Niebüll, auf Sylt und Eiderstedt, sind gar von behördlichen Auflagen betroffen.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen