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Ankerplatz Heverstrom : Schiffs-Stau vor den Schleusentoren

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Der Husumer Hafen wird dieser Tage von besonders vielen Schiffen angelaufen. Und der Ostwind macht Probleme.

Stau vor dem Husumer Hafen. Zu sehen ist er nicht – jedenfalls nicht mit bloßem Auge und von der Hafenkante aus. Doch für Michael Hinz, Leiter der Schifffahrtsabteilung bei der ATR Landhandel GmbH & Co. KG, und sein Team ist er deswegen noch lange nicht aus der Welt. Im Gegenteil: „Was wir im Augenblick erleben, beschert uns binnen fünf Tagen zwei Drittel der Ladung, die wir sonst in einem Monat löschen“, erläutert der ATR-Kapitän. In nüchterne Zahlen übersetzt heißt das: Normalerweise schlägt das Agrarhandelsunternehmen am Standort Husum rund 30000 Tonnen Getreide, Futtermittel und anderes im Monat um. Von Donnerstag (20.) bis Montag, 24. November, werden es dagegen nicht weniger als 20000 Tonnen sein – verteilt auf zehn Schiffe.

Hauptgrund für den außergewöhnlichen Andrang ist der steigende Bedarf an Futtermitteln, „der im Winter naturgemäß höher ist als in den Sommermonaten“, wie Hinz erläutert. Hinzu komme eine ungünstige Überschneidung von Verträgen, die erfüllt werden müssten. „Und natürlich gibt es auch bei uns Waren, die ersetzt werden müssen.“ Aber das allein wäre noch kein Grund für Nervosität und erhöhte Betriebsamkeit. Sorge bereitet dem ATR-Team vielmehr die Tatsache, dass einige der Schiffe, die Husum in den kommenden Tagen anlaufen werden, einen Tiefgang von mehr als vier Metern haben und somit wegen des beständigen ablandigen Windes aus östlicher Richtung echte Schwierigkeiten haben dürften, überhaupt in den Hafen reinzukommen, fasst Kapitän Hinz die Lage zusammen.

All diese Punkte zusammengenommen haben zur Folge, dass der Schiffs-Stau, den er bis Montag vor den Schleusentoren der Storm-Stadt erwartet, nur nach und nach abgebaut werden kann. Hinzu kommt, dass durch die Verflachung des Hafens auch der Liegeplatz an der Nordseite fehlt. Dabei wird bei ATR schon rund um die Uhr gelöscht und beladen. „Aber um dieser Mengen Herr zu werden, müssen wir unsere Löschleistung von 100 auf 200 Tonnen pro Stunde erhöhen“, so der Leiter der Schifffahrtsabteilung. Im 24-Stunden-Betrieb ist das allerdings nicht möglich, „weil uns dafür die Mitarbeiter fehlen.“

Und es gibt ja nicht nur ATR Landhandel: Vor Dock II wird ein Gastanker erwartet, der überholt werden muss. Und der wird eigens an der Westseite festmachen, damit der Ladebetrieb bei Senvion vor Dock I weitergehen kann. Von dort aus werden regelmäßig Windkraftanlagenteile in alle Welt verschifft. Erst gestern wurde das eigens für diesen Zweck umgerüstete ATR-Motorschiff Maike mit 5 MW-Anlagen beladen, die in fünf Tagen den französische Hafen von La Rochelle erreichen sollen.

„Bei uns ist derzeit also richtig was los“, fasst Michael Hinz zusammen. Doch beim Blick auf die Wetter- und Wasserstands-Vorhersagen hellt sich seine Miene sichtlich auf. Am Montag soll der Wind auf West drehen“, sagt er und tippt auf eine entsprechende Karte im Computer. Dann dürfte sich die Lage wieder deutlich entspannen.

Und das ist gut so, denn auch der Ankerplatz draußen an Hever-Tonne 45/46 hat seine Grenzen. „Wenn da vier Schiffe à 2000 oder 2500 Tonnen liegen, wird es schon eng“, weiß Hinz. Und der nächste Ankerplatz liegt noch einmal rund acht Meilen weiter draußen im Hever-Storm – südlich von Süderoog.

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erstellt am 20.Nov.2014 | 08:00 Uhr

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