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Disco-Sterben in Husum : Schicht im Schacht in der Nachtschicht

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Nach dem Sturm und Drang schließt auch Husums zweite und letzte Diskothek. Am 21. Juli wird in der Nachtschicht Abschied gefeiert.

Husum | Das Motto „Feierschweine“ mit dem Eimer Sangria für 2,50 Euro stand am Freitag auf dem Programm, am Samstag ist es die „Jack Daniels Nacht“, die Gäste zum Feiern anlocken soll – doch hat es sich erstmal ausgefeiert. Nach dem Ende des Sturm und Drangs schließt nun auch die zweite und letzte Disco in Husum: Die Nachtschicht in der Robert-Koch-Straße macht nach einer Abschiedsfete, die am 21. Juli stattfinden soll, dicht.

„Die Gäste bleiben aus“, sagt Inhaber Ingo Jessen – ein Problem, dass kein neues ist: Die Nachtschicht ist nach dem Eckernförder K7 nur das jüngste Opfer des Disco-Sterbens, das Diskothekenbetreiber bundesweit beunruhigt.

„Bei uns fing es 2016 an“, erzählt Jessen. In seinem Etablissement, in dem gut 1800 Menschen Platz haben, kamen zuletzt „an vollen Abenden“ mal gerade 300 Feierwütige. Und die waren tendenziell recht jung – das schreckte wiederum erwachsene Partygänger ab. „Wir haben in den vergangenen Monaten schon versucht, dagegen zu steuern, und sonnabends keine Unter-18-Jährigen mehr rein gelassen, aber das hat auch nichts mehr gebracht“, so Jessen. Und auch die Hoffnung, dass die verbliebenen Disco-Gänger nach dem Ende des Sturm und Drangs zur Nachtschicht wechseln, habe sich nicht erfüllt.

Vielleicht sei die Disco-Ära ganz einfach vorbei, sinniert er. Zumindest kenne er kein Konzept, mit dem es funktionieren könne. Die Smartphone-Generation würde jedenfalls nicht mehr so ausgehen wie die jungen Leute in den 1980er und 1990er Jahren. Und wenn sie denn doch mal auftauchten und der Laden sei ihnen nicht voll genug, würden sie gleich noch ein abschreckendes Foto der leeren Tanzfläche in den sozialen Medien posten. Ein bisschen frustriert klingt Jessen schon.

Er selbst werde sich beruflich umorientieren. Was aus der Nachtschicht wird, ist unklar: Vielleicht finde sich ja ein Pächter, der noch mal versuche, dort eine Disco zum Laufen zu bringen, so Gebäudebesitzer Thorsten Schulze. Entsprechende Gespräche geführt habe er bis jetzt aber noch nicht. Jessen zumindest glaubt, dass der Trend heute eher hin zu kleinen, gemütlichen Clubs geht, „in denen die Leute auch bereit sind, mehr als drei Euro für ein Getränk zu zahlen“.

Lieber Flair als Flatrate-Saufen also. Nach einer Örtlichkeit, in der man ein eher „clubbiges“ Konzept umsetzen kann, sucht derzeit Andre Cardell. Nachdem Ende April sein Sturm & Drang schließen musste, weil der Lärm den benachbarten Hotelier störte, besichtigt er mit seinem Kompagnon mögliche Immobilien. Doch die richtige für einen neuen Club sei noch nicht dabei gewesen – und die Räume der Nachtschicht würden es auch nicht sein, erklärt Cardell: „Großraum-Disco – das sind wir nicht.“ Er halte weiter die Augen offen.

Dass Husum eigentlich schon der richtige Standort für eine Disco welcher Art auch immer sei, davon ist auch Jessen noch überzeugt: „Durch das Umland hat Husum einen recht großen Einzugsraum. Und ohnehin finde ich, dass zumindest eine Disco in dieser Stadt ihre Daseinsberechtigung haben muss.“

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erstellt am 01.Jul.2017 | 15:00 Uhr

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