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Bürgermeister-Wahl in Tönning : Schaulaufen der Kandidaten

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Die fünf Bewerber um das Bürgermeisteramt von Tönning standen in der Stadthalle Rede und Antwort. Am 14. September haben die Bürger die Qual der Wahl. Die Amtszeit des Nachfolgers von Frank Haß beginnt am 1. Januar 2015.

Die Gelegenheit ließen sich die Tönninger nicht entgehen: Die fünf Kandidaten für die Bürgermeister-Wahl am 14. September in Augenschein zu nehmen. Die Stadthalle war gut gefüllt. Aus Sicherheitsgründen durften nur 400 Personen eingelassen werden. Um 19.15 Uhr wurde die Halle dann wegen Überfüllung geschlossen. Dreieinhalb Stunden dauerte die Veranstaltung, in der sich die Bewerber vorstellten und ihre Ziele und Ideen für die Zukunft der Stadt erläuterten. Auf dem Podium hatten Christian Helm, Dorothe Klömmer, Patrick Leopold, Stefan Runge und Hans Wolff Platz genommen. Durch den Abend führte Tönnings Bürgermeister Frank Haß, der betonte, dass ein freier Moderator natürlich wünschenswerter gewesen wäre, aber: „Wir hatten mehrere gefragt, es hat sich aber niemand bereit erklärt.“

Fünf Kandidaten – das sind auch fünf unterschiedliche Temperamente, Ansichten und Ausbildungen, das wurde schnell deutlich. In der Darstellung ihrer Ziele unterschieden sich die fünf dagegen nur rhetorisch und in Nuancen, nicht so sehr in den grundlegenden Aussagen. Alle wollen Tönning wirtschaftlich voranbringen, die Unternehmen unterstützen, sich für Wohngebiete, Schulen, insbesondere die Sekundarstufe II, und Kindergärten einsetzen, damit die Stadt attraktiv für junge Familien bleibt. Sie wollen den Senioren ein auf ihre Bedürfnisse abgestimmtes Angebot machen – mit kurzen Wegen zum Einkaufen, medizinischer Versorgung und barrierefreiem Wohnen. Ein intensiveres Stadtmarketing und eine Förderung des Tourismus sind weitere Ziele. In diesem Zusammenhang wurden das Multimar und das Meerwasser-Schwimmbad genannt, für dessen Erhalt sich alle aussprachen. In Sachen Stadtfinanzen gelte es die Einnahmen zu steigern, aber nicht durch Steuererhöhungen, sondern durch die Stärkung der Wirtschaftskraft. Bei den Ausgaben könne nicht weiter gespart werden, waren sich alle einig. Sie betonten, dass die Schulden von 20 Millionen Euro durch sinnvolle Investitionen in die Infrastruktur, wie in das Klärwerk und die Gemeinschaftsschule, aufgelaufen seien. Wert legten alle auch auf eine Eigenständigkeit der Stadt mit eigener Stadtentwicklungs-Abteilung.

Die Unterschiede zwischen den Kandidaten wurden bei der persönlichen Vorstellung und bei der Erläuterung, wie sie ihre Ziele verfolgen wollen, deutlich. So ist Christian Helm gebürtiger Tönninger, er hat hier Kindheit und Jugend verbracht. Er hat Bankkaufmann gelernt und zehn Jahre in Hamburg in seinem Beruf gearbeitet. Seit 2010 ist der 35-Jährige Diplom-Handelslehrer, er arbeitet als Dozent und ist Integrationskraft und lebt seit vier Jahren wieder in der Eider-Stadt. In seinen Ausführungen sprach er auch einige Mängel an, die er abstellen will. So müsse das Marketing von Wohn- und Gewerbegebieten eine Hauptaufgabe der Stadtverwaltung sein. Ferner müsse im Multimar mehr Werbung für die Innenstadt gemacht werden. In den Sitzungen der Stadtvertretungen sollte zudem mehr diskutiert werden, damit neue Ideen entstehen. „Nur dann können wir etwas bewegen.“

Die 34-jährige Dorothe Klömmer kennt Tönning aus ihrer Zeit in der Stadtverwaltung sehr gut. Von 2008 bis 2012 war die gebürtige Niedersächsin für die Bauleitplanung und die stellvertretende Büroleitung zuständig. Die Juristin wechselte dann zur Gemeindeverwaltung Fockbek, um neue Erfahrungen zu sammeln. Dort trägt sie als Leiterin für den Fachbereich Bauen, Finanzen und Wirtschaftsförderung die Personalverantwortung für 30 Mitarbeiter. Sie ist zwar wie Helm Einzelbewerberin, wird aber von der CDU und dem SSW unterstützt. Sie ist CDU-Mitglied. Dorothe Klömmer betont, dass das Bürgermeister-Amt absolut neutral und die Verwaltung ein Dienstleister für die Bürger ist. Sie will in Erfde wohnen bleiben, weil sie dort ihre Familie und ihren Freundeskreis habe. „Aber ich werde für die Tönninger Bürger stets ansprechbar sein und intensiv am Stadtleben teilnehmen.“

Patrick Leopold aus Albersdorf bringt einen ganz anderen Hintergrund mit. Der 46-Jährige stammt aus Offenbach am Main und hat eine Ausbildung im Hotelfach absolviert. Mit Mitte 20 machte er eine Ausbilung zum Verwaltungsbeamten im Mittleren Dienst bei der Stadt Hamburg. Dort arbeitet er seit zehn Jahren in der Sozialbehörde. Im vergangenen Jahr habe er sich gefragt, ob er noch 20 Jahre Sozialhilferecht machen will, und nach neuen Herausforderungen gesucht. Über die Wünsche und Sorgen der Tönninger hat sich der parteilose Leopold, der ebenfalls Einzelbewerber ist, bei Hausbesuchen informiert. Wirtschaftliche Impulse hofft er mit der Ansiedlung von Pflegeheimen und ambulanten Diensten zu geben. Für die Jugend würde er ein Mehrzweckhaus mit Hilfe eines privaten Investors schaffen, das flexibel den Wünschen der Jugendlichen angepasst werden kann. Er würde nach Tönning ziehen.

Ein echtes Tönninger Urgestein ist dagegen Bürgervorsteher Stefan Runge. Er weiß Bescheid, ist er doch seit 21 Jahren Stadtvertreter. „Ich kenne hier jeden Stein. Tönning ist mir eine Herzensangelegenheit.“ Der 50-Jährige hat bei der Stadt eine Lehre als Verwaltungsfachangestellter im Mittleren Dienst gemacht. Er diente dann bei der Luftwaffe. Anschließend machte er eine Ausbildung zum Versicherungskaufmann. Er erinnerte auf dem Infoabend an die Projekte, die er als SPD-Stadtvertreter mit angestoßen hat, wie die Einrichtung der Gemeinschaftsschule und der Sekundarstufe II und die Sanierung der Straßenzüge. Ferner hatte er sich mit Erfolg für den Erhalt einer hauptamtlichen Verwaltung in Tönning eingesetzt. Er ist Kandidat der SPD.

Auch Hans Wolff kennt Tönning seit seiner Kindheit. Er ist in Kotzenbüll aufgewachsen und in der Eider-Stadt zur Schule gegangen. Er hat eine Ausbildung beim Bundesgrenzschutz und zum Verwaltungsbeamten bei der Wasser- und Schifffahrtswerwaltung, auch in Tönning, absolviert. Dann war er sieben Jahre bei der Kurverwaltung in St. Peter-Ording tätig. Seit 1992 hat er nun die Kassenleitung beim Wasserbeschaffungsverband Eiderstedt inne. Kommunalpolitisch hat Wolff Erfahrungen als Gemeindevertreter (20 Jahre) und Bürgermeister (zehn Jahre) in Kotzenbüll gesammelt. Von 2008 bis 2013 war er Amtsvorsteher von Eiderstedt. Im vergangenen Jahr war er als Gemeindevertreter nicht wieder angetreten. „Ich stehe für eine sachgerechte und unparteiische Leitung der Vewaltung“, sagte der 55-Jährige. „Ich habe keine Fehden mit Stadtvertretern.“ Er ist SPD-Mitglied, wurde aber von der Allgemeinen Wählergemeinschaft Tönning als Kandidat aufgestellt.

Angesichts der Informationsfülle stellten zum Schluss nur einige wenige Bürger noch ein paar Fragen, viele hatten aber offenbar genug erfahren und verließen zu diesem Zeitpunkt bereits den Saal.

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erstellt am 06.Sep.2014 | 08:00 Uhr

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