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Sandsack-Übung : Schaufeln und Stapeln im Akkord

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Die Feuerwehrbereitschaft des Kreises Nordfriesland übte in Husum, wie man Sandsäcke füllt und von Helfer zu Helfer weitergibt.

Was sie können, hatten sie bereits am vergangenen Donnerstag beim Hochwasser-Einsatz in Tönning bewiesen – die jährliche Großübung der Feuerwehrbereitschaft des Kreises Nordfriesland gab es am Sonnabend sozusagen obendrauf. Aus elf Einheiten besteht die schlagkräftige Feuerwehrbereitschaft, die bei den folgenden Feuerwehren untergebracht ist: Emmelsbüll-Horsbüll, Niebüll-Deezbüll, Risum, Bredstedt, Breklum, Viöl, Wittbek, Mildstedt, Wester-Ohrstedt, Garding und Hattstedt-Wobbenbüll. Die entsprechenden Einsatzkräfte gehören den dortigen „normalen“ Feuerwehren an – und leisten in Doppelfunktion zusätzlich Dienst in der kreisweiten Bereitschaft.

Anstatt wie üblich einmal im Jahr an Objekten in Nordfriesland oder in Nachbarkreisen zu üben, fanden sich die 80 Mitglieder der Feuerwehrbereitschaft mit ihren insgesamt 18 Fahrzeugen diesmal in der Kreisfeuerwehrzentrale in Husum ein. Hinzu kamen mehr als zehn Einsatzkräfte des Technischen Hilfswerks (THW). Feuerwehrbereitschaftsführer Christoph Löbig – seit 2009 in diesem Spitzenamt tätig – zeigte sich sehr angetan von der „vollzähligen Teilnahme“ und dem Ablauf in Tönning: „Es freut mich, dass wir eine solch flexible Gruppe sind!“

In einem Vortrag, bei dem es auch einiges auf der Leinwand zu sehen gab, nahm Ralf Oldehus vom THW seine Zuhörer zunächst mit „auf eine Reise durch Hochwasser und Deichverstärkung“. Der THW-Ortsbeauftragte von Tönning ist „ein alter Hase“ beim THW – seit 20 Jahren dabei und bei zahlreichen Hochwasser-Einsätzen quer durch die Republik gereist. „Die Wahrscheinlichkeit, bei einem Flusshochwasser eingesetzt zu werden, ist größer als ein Deich-Einsatz an der Nordsee“, machte er deutlich. Ausführlich berichtete er über die Verwendung von Sandsäcken – und damit sollte ab Mittag dann auch geübt werden.

„Zivilisten können zum Katastrophenschutz-Einsatz verpflichtet werden“, unterstrich Oldehus. „Und es mangelt auch nie an Leuten, die helfen wollen, sondern vornehmlich an denen, die diese vielen freiwilligen Helfer anleiten!“ Heiterkeit kam auf, als Oldehus erklärte: „Nach kurzer Einweisung kann ein Zivilist auch eine Schaufel bedienen.“ Und „schaufeln“ sei bei jedem Einsatz „schwer vonnöten“, denn zunächst müssten die Sandsäcke unmittelbar am Einsatzort erst einmal befüllt werden. Als Richtwert gab Oldehus diesen Tipp: „Drei Schaufeln Sand, leicht gehäuft, sind die richtige Menge für einen Sack!“

Damit das Befüllen schneller und leichter vonstatten geht (und um Verletzungen vorzubeugen), hat das THW Tönning drei Trichter gebaut. Ein Sandsack wiegt rund 13 Kilogramm; acht Sandsäcke decken – ebenerdig – einen Quadratmeter am Deich ab. Da sie aber auch „mehrlagig in die Höhe gestapelt werden müssen“, werden 80 pro Kubikmeter benötigt. 80 Sandsäcke bewegt ein Helfer im Schnitt pro Stunde; er schafft also einen Kubikmeter. „Aber“, so sprach Oldehus aus Erfahrung, „wenn man da eine Woche im Einsatz ist, nimmt die Leistung ab.“

Bei starkem Regen ging es dann auf dem ausgedehnten Feuerwehrgelände an die Arbeit: Nach kurzer Anleitung wurden die Sandsäcke rasch gefüllt und in langer Kette bis an die „Einsatzstelle“ durchgereicht. Dort wurden sie auf Paletten gestapelt und anschließend am Deich – in diesem Fall ein Begrenzungswall – „verbaut“. Nachdem Oldehus das Ganze begutachtet und abgesegnet hatte, erfolgte – völlig durchnässt – der Abbau.

Kreisfeuerwehrführer Christian Albertsen, der sich die acht Stunden dauernde Großübung ebenfalls nicht entgehen ließ, äußerte sich anerkennend, gab aber auch zu bedenken: „Die Frage ist nicht, ,ob‘, sondern ,wann‘ der Einsatzfall eintreten wird. Denn die nächste Sturmflut kommt – und dann müssen wir ran!“

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