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Zur Eröffnung der Fussball-EM : Schafe beim Fußball: Nummer 19 hängt am Hinterteil der 23

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Die Schafe von Redlef Volquardsen sind fit. Doch ob Jogis Jungs sich an ihnen ein Beispiel nehmen sollten? Vielleicht an ihrem Biss.

shz.de von
erstellt am 10.Jun.2016 | 20:24 Uhr

Eiderstedt | Winnie Schäfer war für diesen Spaß nicht zu haben: Der 66-Jährige coacht zurzeit seine Jamaika-Boys bei der Copa América. Blieb nur noch Rolf Schafstall als logischer Form-Checker. Doch auch dieser Ex-Bundesliga-Trainer verspürte mit seinen fast 80 Jahren offensichtlich keinen großen Bock mehr, sich anlässlich des Anpfiffs zur Fußball-Europameisterschaft für die Husumer Nachrichten auf einer Eiderstedter Schafweide ins Abseits stellen zu lassen. Okay, muss „la Herde“ also ohne professionelle Hilfe Rückschlüsse darauf geben, in welcher Verfassung „la Mannschaft“ am Sonntag in ihrem ersten Gruppenspiel in Lille gegen die Ukraine aufläuft.

Redlef Volquardsen, Inhaber der Friesischen Schafskäserei in Tetenbüll, sprühte dafür schon im Vorfeld vor Tatendrang: Frei nach dem abgewandelten Herberger-Motto „Elf Schafe sollt ihr sein“, verpasste der 42-Jährige seinen wolligen Nationalteam-Platzhaltern per Spraydose schnell noch authentische Rückennummern. Erstens besser für die Drohne, mit der von oben die Laufwege kontrolliert werden sollten. Zweitens: Ordnung muss schließlich sein.

Und eigentlich auch Taktik. Doch erklär’ das mal einem stoischen Haufen von wiederkäuenden Vierbeinern mit ausgeprägtem Herdentrieb. Schon bei der Grundaufstellung zieht Rechtsverteidiger Höwedes immer wieder nach innen: Schaf Nummer vier kann nicht lange ohne die anderen. Überhaupt: Auch Hector (3), Boateng (17) und Mustafi (2) suchen in einer Tour die Nähe ihrer Mannschaftskameraden – von versetzter Abwehrreihe keine Spur.

„Das Spielfeld auch mal eng machen“, wie es der Bundes-Jogi in der einen oder anderen Spielsituation durchaus verlangt – auf Tetenbüller Geläuf führt inflationärer Gebrauch diesen taktischen Winkelzug ad absurdum. Zentrale Defensiv-Figuren wie Kroos (18) und Khedira (6) können sich in dieser Gemengelage alles andere als entfalten, mutieren ebenso zu Mitläufern wie der Rest der Bande: Özil (8) geht mit Müller (13) auf Tuchfühlung, Götze (19) hängt am Hinterteil von Gomez (23) – und Neuer rennt, auf der Suche nach körperlicher Nähe, auch nur scheinbar ziellos herum. Dabei zeigt das Einser-Schaf aber durchaus auch Führungsqualitäten: „Määh-nuel“ setzt sich gerne mal an die Spitze der Herde und zeigt ihr, wo es langgeht. Für Volquardsen keine Überraschung: „Neuer ist einer der Ältesten und der erfahrenste Spieler – der geborene Anführer!“

Wenigstens einer, der vorangeht – und die ukrainische Elf am Sonntag vielleicht wegbeißt. Hoffnung macht auch die akribische Vorbereitung auf dem Eiderstedter Hof. So misst Praktikantin Pia Winter regelmäßig die Laktatwerte: Mesut & Co. werden zwei Mal am Tag gemolken. „Außerdem haben die Spieler ein spezielles Kraftfutter aus kräuterreichem Weidegras, Sonne und frischer Luft erhalten“, sagt der Schafhalter. „Das Team macht einen fitten Eindruck!“

In der Tat: Kraft genug scheint da zu sein, die Ausdauer auch zu stimmen. Und der gruppendynamische Zusammenhalt: à la bonne heure! Wenn da nur nicht diese natürliche Aversion gegen das runde Spielgerät wäre: Man trottet mal hier gemeinsam über das Grün und wechselt mal dort aufgeregt die Richtung, weil der neunjährige Border Collie Nop das Kommando übernimmt – allein der Ball wird permanent links liegen gelassen. Hey, Müller: Sei kein Schaf und vergiss nicht, dass das Runde ins Eckige muss, wenn es mit dem EM-Titel klappen soll. Wenn’s schief geht, war am Ende doch nur wieder der Rasen zu hoch. Doch welchen Fußball-Fan hierzulande schert schon diese Ausrede. Auch am schlechten Wetter kann’s nicht liegen, wenn Deutschland der Erfolg versagt bleibt. Die Elf von Tetenbüll sondert Lanolin ab – das sogenannte Wollfett ist nicht nur gut für die Haut, es hält auch den Regen vom Fell fern.

Fazit: Joachim Löws Ersatz-Schützlinge im Schafspelz machen tierisch Eindruck und fressen ordentlich Gras, wenn es darauf ankommt. So sehen schon mal Sieger aus! Dazu halten sie noch ganz eng zusammen und können vielleicht auch mit dem Ball umgehen – die Hoffnung stirbt schließlich zuletzt.

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