Museumsprojekt mit Modellcharakter : Schätze aus der Kolonialzeit heben

Die Wissenschaftlerinnen Tanja Hörmann und Dr. Claudia Kalka gaben Ministerin Karin Prien und Museums-Chef Dr. Uwe Haupenthal (v. l.) im Nordfriesland-Museum Einblicke in ihre Arbeit. Foto: Voiges
Die Wissenschaftlerinnen Tanja Hörmann und Dr. Claudia Kalka gaben Ministerin Karin Prien und Museums-Chef Dr. Uwe Haupenthal (v. l.) im Nordfriesland-Museum Einblicke in ihre Arbeit. Fotos: voiges

Kulturministerin Karin Prien stellt in Husum ein Projekt zur digitalen Erfassung von Museums-Exponaten vor.

shz.de von
20. August 2018, 11:00 Uhr

Eine Vase aus China, ein Banner aus Ägypten, ein Zauberstab aus Sumatra: In den Archiven der Landes-Museen lagern Tausende ethnografische Objekte, die bisher weder bestimmt noch gelistet wurden. Gemeint sind Bestände, die auf die Kolonialgeschichte zurückgehen – Sammlungsstücke also, die entweder gestohlen wurden oder als exotische Mitbringsel den Weg ins Land fanden.

Mit dem Forschungsprojekt „Zwischen Kolonialismus und Weltoffenheit“ stellte die Ministerin für Bildung, Wissenschaft und Kultur des Landes Schleswig-Holstein, Karin Prien, im Rahmen ihrer Sommertour im Nordfriesland-Museum in Husum jetzt ein innovatives Konzept vor, das die Erfassung, Digitalisierung und Veröffentlichung dieser „Schätze“ zum Ziel hat.

„Dieses bundesweit einmalige Projekt erschließt bisher nicht bekannte oder unbeachtete koloniale Quellen, die für neue Impulse im Umgang mit der Landesgeschichte sorgen werden“, erklärte die Ministerin. Und sie sei auch ein bisschen stolz darauf, dass man dafür die Fördersumme in Höhe von 270.000 Euro aus Bundesmitteln – genauer: aus dem Programm eHeritage – habe lockermachen können. „Damit sind wir Vorreiter in dieser Sache“, so Prien.

Ebenfalls begeistert von der auf drei Jahre angelegten Arbeit, in der letztlich rund 16.000 Objekte gezählt werden soll, zeigte sich Dr. Uwe Haupenthal, der Geschäftsführer des Museumsverbundes NF und Leiter des Nordfriesland-Museums. „Die ethnologischen Sammlungen sind von großer Bedeutung, denn sie ermöglichen neue Erkenntnisse, unter anderem für die Landesgeschichtsforschung. Wichtig ist die wissenschaftliche Bearbeitung jedoch ebenso für die aktuelle, kulturpolitische Debatte zum Umgang mit kolonialer Raubkunst“, sagte er.

Um die Exponate nutzbar zu machen, ziehen die Forscherinnen Dr. Claudia Kalka und Tanja Hörmann seit Ende 2017 als Projektteam „SH-Welt“ durch die zurzeit 23 beteiligten Museen, zu denen das Heimatmuseum des Marner Skatclubs und das Schifffahrtsmuseum Flensburg ebenso zählen wie das Seebüller Nolde-Museum und Dat ole Hus in Aukrug. „Manchmal stehen die Exponate schon für uns auf einem Tisch bereit. Doch häufig bekommen wir auch einfach nur eine Kiste in die Hand gedrückt. Dann ist das Öffnen so spannend wie eine Weihnachtsüberraschung“, erzählte Tanja Hörmann schmunzelnd. Bisher konnten knapp 3000 Objekte und Fotografien aus fernen Ländern der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. „In der Regel schaffen wir zwischen 20 und 40 Objekte pro Tag. Aber es kommt natürlich immer darauf an, ob es sich zum Beispiel um einen schlichten Becher aus Mexiko oder ein chinesisches Fischerboot in Originalgröße handelt“, erklärte Kalka.

Sehr viel Zeit werden die beiden Frauen deshalb wohl auf Schloss Gottorf verbringen. Denn in Schleswig warten rund 5000 Objekte auf die Wissenschaftlerinnen.

Wer sich darüber hinaus für das Projekt „S-H Welt“ interessiert, erhält nähere Informationen unter www.sh-welt.de.

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