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Ruf nach Beteiligung : Sauenstall: Anwohner empört über Politik des Schweigens

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

In der Gemeinde Kirchspiel Garding will ein Landwirt seine Sauenhaltung auf 740 Plätze erweitern. Anwohner kritisieren, dass das Projekt nicht der Öffentlichkeit vorgestellt worden ist. Sie sehen erhebliche Nachteile für den Tourismus.

Deutliche Kritik über ihre Öffentlichkeitsarbeit musste sich die Gemeindevertretung von Kirchspiel Garding anhören. Zu der jüngsten Sitzung waren zahlreiche Bürger erschienen. Viele von ihnen waren darüber aufgebracht, dass quasi hinter ihrem Rücken die Erweiterung eines Sauenstalls auf den Weg gebracht worden war. Ein Landwirt will seinen Betrieb um 340 auf 740 Sauen- und von 1995 auf 2995 Ferkelplätze erweitern. Es sollen zwei Stallgebäude mit den Maßen 30 mal 50 Meter für die Sauen und 20 mal 50 Meter für die Ferkel errichtet werden, wie Danny Hartwig auf Anfrage erklärte. Er müsse erweitern, da die Schweinemäster größere Ferkelpartien fordern. Mindestens 400 Stück müsse er auf einmal anbieten können, sonst gebe es Preisabzüge. Zudem nähmen viele Mäster keine kleineren Gruppen.

Genehmigungsbehörde ist das Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR) in Flensburg. Die Gemeinde hatte im September in nicht-öffentlicher Sitzung einstimmig ihr gemeindliches Einvernehmen erteilt und sich dabei an die Vorgaben des Baugesetzbuchs gehalten. Demnach ist eine Verweigerung nur aus bestimmten Gründen möglich.

Die Gegner der Erweiterung sprachen von undemokratischem Verhalten. Sie hätten sich gewünscht, dass ihnen das Projekt einmal vorgestellt worden wäre. Es sei ein Eingriff in Landschaft und Natur und werde gravierende Auswirkungen auf den Tourismus haben. Solche Stallungen seien keine Werbung, hieß es. „Der Trend geht doch weg von der Massentierhaltung. Die Zukunftsentwicklung der Gemeinde wird mit dem Stall abgeschnitten. Dabei könnte Eiderstedt das zweite Sylt werden“, sagte eine Bürgerin.

Gleichzeitig beklagten sie, dass sie schon exorbitant durch die Biogasanlage des Landwirts und den Fuhrverkehr dorthin belastet seien. Ein Lohnunternehmer stand besonders in der Kritik. Die Gespanne seien zu schnell, die Straßen zu schmal, Fußgänger müssten in die Gräben ausweichen oder würden auch schon mal mit Schlamm bespritzt. Auch der Milchwagen und die Futtermittelzulieferer bereiteten Probleme. Und warum müsste die Gülle am Wochenende oder bis tief in die Nacht gefahren werden? Zudem litten die Häuser unter dem Schwerlastverkehr, an den älteren zeigten sich Risse.

Bürgermeister Mewes Kühl ging sachlich auf die Vorwürfe ein. „Wenn wir wieder so einen Fall haben, werden wird damit sensibler umgehen“, versprach er. Und er betonte im Laufe der Diskussion auch: „Wir versuchen die wirtschaftliche Entwicklung zu fördern. Ob Tourismus, Schweinehaltung oder Gartenbau – wir bremsen hier keine Betriebe, die sich wirtschaftlich entwickeln wollen.“ Kühl erläuterte, warum die Öffentlichkeit nicht informiert worden sei. „Die Gemeinde ist nicht Herr des Verfahrens. Wir hatten keine Chance, öffentlich zu verhandeln, da Persönlichkeitsrechte betroffen sind.“ Der Beschluss sei aber nach der Sitzung, ohne Namensnennung, bekannt gemacht worden. Zum Thema Gülle sagte er, dass sie über die Biogasanlage veredelt werden soll. Es werde also künftig keine Fremdgülle mehr verwendet. Und dank der Anlage gehe die Geruchsbelästigung gegen Null. Der Vater des Antragstellers, Knut Hartwig, beteuerte, dass es auch künftig keine Probleme geben werde. „Es ist in den vergangenen 25 Jahren gut gelaufen, und es wird auch in den nächsten 25 Jahren gut laufen.“

Wegen der Beschwerden über den Lohnunternehmer bot Bürgermeister Kühl eine Einwohnerversammlung an, „um einen Ausgleich herbeizuführen“.

Zum Genehmigungsverfahren erklärte das zuständige LLUR, dass dem Bundesimmissionsschutzgesetz zufolge eine Öffentlichkeitsbeteiligung nicht vorgesehen ist. Die Zahl der Sauenplätze ist zu niedrig. Bürger hätten aber die Möglichkeit den Genehmigungsbescheid anzufechten. Der Widerspruch könnte bis zu einem Jahr nach Bekanntwerden der Genehmigung oder nach Baubeginn beim LLUR eingereicht werden. Über die Genehmigung soll laut Amt in diesen Tagen entschieden werden.

 

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erstellt am 14.Feb.2014 | 18:30 Uhr

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