Husum Open Air : Santiano-Sänger: Träume können in Erfüllung gehen

Vor allem live spielen die Santiano-Mitglieder ihre Erfahrung aus: Axel Stosberg (v.l.n.r.), Hans-Timm Hinrichsen, Björn Both und Pete Sage.
Vor allem live spielen die Santiano-Mitglieder ihre Erfahrung aus: Axel Stosberg (v.l.n.r.), Hans-Timm Hinrichsen, Björn Both und Pete Sage.

Santiano-Sänger Axel Stosberg freut sich wie der Rest der „ältesten Boy-Group Deutschlands“ auf seinen Aufritt beim Festival Husum Open Air. Für das Konzert, das für Multi-Instrumentalist Björn Both ein Heimspiel werden wird, gibt es noch Restkarten.

shz.de von
28. Juni 2014, 16:00 Uhr

Der Countdown für das erste „Husum Open Air“ läuft. Haupt-Act des Auftaktabends ist am Sonnabend, 19. Juli, die „älteste Boygroup Deutschlands“: Santiano. Für den gebürtigen Husumer Björn Both wird das Konzert ein Heimspiel. Aber auch Sänger Axel Stosberg fiebert dem Auftritt in der Storm-Stadt entgegen. Lampenfieber haben er und seine Jungs allerdings nicht. Und auch das Ausscheiden im Halbfinale des deutschen Vorentscheids zum Eurovision Song Contest haben sie längst weggesteckt.

Kann man sagen, dass Santiano ein glücklicher Zufallstreffer ist: fünf Jungs zur richtigen Zeit am richtigen Ort und ein Produzent, der Stimmen hört. Stimmen, die es noch gar nicht gibt?

Na ja, so ganz zufällig entstand das Ganze nicht. Unsere Produzenten Mark und Hardy von Elephant Music kennen uns alle ja schon seit vielen Jahren. Fast ebenso lange hatten die beiden und unser heutiger Manager Joe Chialo die Idee schon in der Schublade. Nach einer wilden, musikalischen Party führte uns dann der Gesang und ’ne Menge Bier zusammen.

Eine Zusammenführung, die Euer aller Leben verändert hat?

Ganz sicher, nur nicht an den Stellen und Schnittpunkten, an die dabei alle denken. Wir alle leben ja schon viele Jahrzehnte lang von und mit der Musik, nur halt nicht in dieser Umlaufbahn. Der Rummel ist deutlich größer geworden, ja, aber zufrieden und glücklich waren wir auch schon vor Santiano und würden es auch ohne Santiano wieder sein, da wir als gestandene Männer mit Familie unser Glück nicht an einer Sache fest machen und weich fallen.

Wie erklären Sie diesen Erfolg und was unterscheidet Santiano von Achim Reichel?

Wir haben wirklich lange nach Erklärungen gesucht, genauso wie manch einer der großen Musikmanager. Wir haben es aufgegeben, die Magie geht irgendwie flöten. Manchmal versuchen wir es trotzdem und hören, was unsere Fans dazu sagen: Es scheint der Zeitgeist zu sein, unsere einfache Sprache, die Themen. Gemeinschaft und Zusammenhalt in einer Zeit, in der es eher auseinander geht, die Musik – eine Mischung aus Irish Folk, Rock, Pop, die Metaphern. Und dann wir unterschiedlichen Typen: coole Jungs im gesetzten Alter. Von Achim Reichel unterscheidet uns ganz sicher, das unsere Zeit jetzt ist, modern, frisch und trotzdem traditionell.

An Bord der Santiano gibt es – wie auf Eurer Homepage zu lesen ist – neben Klogschnackern wie dem gebürtigen Husumer und Ex-Late-September-Dogs-Frontmann Björn Both oder Fiddlern wie Pete Sage eigentlich nur zwei echte Seeleute, von denen Sie als Obermaat den höchsten Rang haben. Hat das nur musikalischen oder auch seemännischen Hintergrund?

Ah . . . das ist ein Interpretationsfehler und hat weder einen musikalischen noch einen seemännischen Hintergrund. Nur einen Showeffekt. Pete könnte ein Boot ohne Probleme von Flensburg nach Kopenhagen segeln, und auch Björn ist auf dem Wasser groß geworden. Wir haben alle Salzwasser im Blut und könnten sicher die eine oder andere Anekdote von Nord- und Ostsee erzählen.

Wie so viele Ihrer Schauspieler-Kollegen sind auch Sie Musiker und Sänger. Wie kommt das, und worauf könnten Sie leichter verzichten, wenn es nötig wäre?

Ehrlich gesagt bin ich wohl eher ein Sänger, der gern schauspielert als umgekehrt. Als Schauspieler hatte ich das Glück, mein Hobby zum Beruf zu machen, wobei ich schon immer – und ich meine immer – gesungen habe, und nun ist das auch mein Beruf. In beiden Berufen musst du eine gewisse Extrovertiertheit, Disziplin, und eine gute Portion Wahnsinn in dir tragen, um erfolgreich zu sein. Insofern liegen beide Berufe nicht so weit auseinander. Verzichten muss ich im Moment auf die Schauspielerei, da hab’ ich gar keine Wahl, denn beides ist zeitlich und energetisch so extrem, dass das eine neben dem anderen keinen Platz hat. Und ich habe tatsächlich mehr Zeit für die Familie.

Spiegelt sich im Erfolg von Santiano auch ein bisschen die Sehnsucht nach einer heilen Welt, nach dem längst verflogenen Duft von weiter Welt und sicherem Hafen wider?

Ja, das ist ganz sicher ein Teil unseres Erfolges.

Was bedeutet die Band für Sie persönlich?

Dass Träume, die ich nicht gewagt habe zu träumen, trotzdem in Erfüllung gegangen sind. Ich habe Situationen und Leute kennengelernt, die mich einiges anders sehen lassen. Puh, ich habe neue Menschen ins Herz geschlossen, brauche beim Einkaufen 15 Minuten länger und genieße einen gewissen Wohlstand auf Zeit.

Und Björn? Müssen Sie dem schon Baldrian verabreichen, damit er beim Heimspiel in Husum nicht vor Lampenfieber von der Bühne fällt?

Es ist tatsächlich so, dass die Nervosität um einiges höher ist, wenn man „zuhause“ spielt. Das gilt für jeden. Aber Björn ist ein coole Sau, ein Vollprofi, dem wird in Husum nichts anzumerken sein. Garantiert!

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