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Naturschutzgebiet in Löwenstedt : Sandberge sollen erweitert werden

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Naturschützer planen, die Sandberge um 63 Hektar zu vergrößern – und der Wasserstand der Neuen Au soll angehoben werden. In den Sandbergen leben seltene Pflanzen sowie streng geschützte Amphibien und Reptilien.

Rund 30 Seiten umfasst der Entwurf eines Management-Plans für die Löwenstedter Sandberge. Mit dem Weg, der von Löwenstedt in Richtung Kolkerheide durch dieses Fauna-Flora-Habitat-Gebiet (FFH) führt, hatte sich Bürgermeister Holger Jensen zu befassen. Die Gemeinde war bisher nämlich dafür zuständig, den Pfad zu pflegen. Doch an dem Weg, der an der einstigen Bahnstrecke Bredstedt–Löwenstedt verläuft, sind viele Spät- und Frühblüher zu finden: seltene Pflanzen, die nicht im üblichen Turnus, sondern erst im Oktober gemäht werden dürfen. „Dann aber steht uns das dafür notwendige technische Gerät nicht mehr zur Verfügung“, beschrieb der Bürgermeister das Problem im Gemeinderat und berichtete, dass die Gemeinde daher nun von dieser Aufgabe entbunden werde – und dass die Naturschützer in diesem Bereich weitere Veränderungen planen.

Offene Heidelandschaften mit Wacholderbüschen sowie trockenen und feuchten Bereichen prägen das Bild der Löwenstedter Sandberge. Überall sind seltene Pflanzen – wie Kreuzblümchen, Bärentraube, Arnika, Heide-Segge, und typische Trockenrasenarten wie Tüpfeljohanniskraut, Schafgarbe, Mauerpfeffer und Hasenklee zu finden. Am ehemaligen Bahndamm und im Bereich der Moorflächen überrascht neben der botanischen Artenvielfalt auch das Vorkommen von Moorfrosch und Zauneidechse. Beide zählen zu den streng geschützten Amphibien und Reptilien in Schleswig-Holstein. Aber auch vielen anderen Tieren bietet dieses Naturparadies ideale Lebensräume. Mehr als 800 Tier- und Pflanzenarten wurden nachgewiesen, darunter auch zahlreiche Schmetterlings- und Vogelarten.

Der überwiegende Teil des 21 Hektar großen FFH-Gebiets ist seit dem Jahr 1939 als Naturschutzgebiet (NSG) ausgewiesen und wird seit mehr als 30 Jahren vom Naturschutzbund (Nabu) betreut. Die Naturschützer sind ebenso Eigentümer einiger Flächen in dem Gebiet wie die Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein und der Kreis Nordfriesland. Kleinere Bereiche gehören der Nabu-Stiftung Nationales Naturerbe, den Gemeinden Löwenstedt und Joldelund, den Wasser- und Bodenverbänden, oder sie sind im Privatbesitz.

Im Jahr 2000 wurden die Sandberge der Europäischen Kommission als „Gebiet von gemeinschaftlicher Bedeutung für die atlantische Region“ vorgeschlagen. Die Anerkennung erfolgte sieben Jahre später. Seitdem unterliegt das Gebiet dem gesetzlichen Verschlechterungsverbot. Das bedeutet: Der Erhalt und die Entwicklung der – übrigens auch historisch wertvollen – Heidereste aus teils frühgeschichtlichen Zeiten sind nur mit umfangreichen Pflegemaßnahmen machbar.

Dem Managementplanentwurf des Umwelt-Ministeriums lagen diverse Untersuchungen zugrunde. Darin wurden unter anderem die Folgen der intensiven landwirtschaftlichen Nutzung angrenzender Flächen auf das FFH-Gebiet beleuchtet. Ebenso der Wasserhaushalt: Durch den früheren Torfabbau und die starke Entwässerung ist ein Teil der Moorflächen ausgetrocknet. Diesen Beeinträchtigungen will man jetzt entgegenwirken.

Angedacht ist unter anderem eine Erweiterung des bisher eher kleinen Naturschutzgebietes um 63 Hektar. Zu diesem Zweck könnten beispielsweise angrenzende Grünlandflächen durch Ausmagerung zu Heidefläche umgewandelt werden. Teils sind sie im Stiftungseigentum, teils müssten sie erworben oder vertraglich extensiviert werden. Ein Anheben des Wasserstandes an der Neuen Au und die Bekämpfung der Traubenkirsche sind weitere Schritte. Denkbar wäre auch die Umwandlung der Nadelholzbestände in Laubwald. Regelmäßige Knickpflege und die Fortführung der historischen Heidepflege mit optimierter Schafbeweidung sowie durch Plaggen, kontrolliertes Brennen und Mähen der Heide sieht der Entwurf ebenso vor wie die Freistellung der eingewachsenen Wacholderbestände und die Verlegung einer Freileitung als Erdkabel. Zudem ist ein Besucherinformationssystem für das Fauna-Flora-Habitat geplant.

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