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Husumer Nachrichten

24. September 2017 | 07:00 Uhr

Ehrliche Finder : Sahnespender als Geldversteck

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Eine Syrerin hat 3000 Euro beim Reinigen eines Sahnespenders entdeckt. Das Gerät war ihr bei einer Haushaltsauflösung geschenkt worden. Als Gast der Flüchtlingsfamilie hat der Besitzer das Geld zurückbekommen.

von
erstellt am 14.Mai.2016 | 08:00 Uhr

Ulrich Tüchsen nimmt den Sahnespender und reicht ihn an Walid Al Hariri und dessen Ehefrau Ghouson Al Salamat weiter. Der Wahl-Hamburger ist nach Husum gekommen, um den Haushalt seiner kürzlich verstorbenen Mutter aufzulösen. Er veranstaltet deshalb einen Indoor-Flohmarkt, bei dem der 49-Jährige auch so einiges verschenkt, wenn er den Eindruck hat, dass Menschen auf diese Geste angewiesen sind – und das ist das Flüchtlingspaar aus Syrien, das seit Dezember 2015 mit zwei Kindern in Nordfrieslands Kreisstadt in der Nachbarschaft lebt. Zuhause bleibt der Sahnespender erst einmal unbenutzt. Dann ist es soweit: Ghouson Al Salamat schraubt den Deckel des neuen Haushaltsgegenstandes ab – die 36-Jährige möchte den Sahnespender reinigen. Dabei stellt sie überrascht fest, dass sich im Inneren des Gefäßes zwei Briefumschläge befinden: Als sie diese öffnet, entdeckt sie in beiden jeweils 1500 Euro.

Ihr 52-jähriger Ehemann weiß sofort, was zu tun ist. Er nimmt den Spender und wendet sich an einen Nachbarn, den er bereits näher kennengelernt hat. Trotz der Sprachprobleme versteht der Nordfriese nach einiger Zeit, worum es geht. Der hilfsbereite Mann ermittelt die Telefondaten von Ulrich Tüchsen und informiert diesen über den unverhofften Geldfund von 3000 Euro.

„Ich wusste, dass meine Mutter Erspartes in ihrem Haus aufbewahrt. Das hat sie uns immer gesagt. Doch da sie mit 77 Jahren ganz überraschend an einem Schlaganfall verstorben ist, konnte sie uns ja nicht mehr über ihre Verstecke aufklären. Wir haben wirklich gesucht, aber nicht an den Sahnespender gedacht“, erzählt Ulrich Tüchsen. Er sitzt auf dem Sofa im Wohnzimmer der Syrer und schäkert mit der einjährigen Shahed, der kleinen Tochter des Paares. Das Mädchen schaut den fremden Besucher zuerst etwas skeptisch an, doch dann lächelt sie den blonden Mann an – kuschelt sich aber zwischendurch an ihren 18-jährigen Bruder Isslam.

Mohammed Kezzeh (27) übermittelt den großen Dank Tüchsens – „dass jemand so viel Ehre und Moral hat“. Der junge Syrer, der sehr gut Englisch spricht, sitzt als Übersetzer mit am Kaffeetisch. Auch er lebt erst seit einigen Monaten im Norden. Ulrich Tüchsen zieht einen Brief hervor – verfasst in Arabisch. Ein syrischer Händler aus Hamburg hatte seine Worte aufgeschrieben: „Liebe Nachbarn, ich möchte mich ganz herzlich bei Ihnen für die Rückgabe des gefundenen Geldes bedanken. Diese Ehrlichkeit ist heute leider nicht mehr selbstverständlich. Als Dankeschön bekommen Sie natürlich einen Finderlohn, mit dem Sie sich und Ihren Kindern einen Wunsch erfüllen können.“

Für Walid Al Hariri ist es nicht nur als ehrlicher Mensch, sondern auch als gläubiger Muslim selbstverständlich, nicht einfach etwas für sich zu behalten – „wir haben mehr verloren als dieses Geld: unsere Heimat und Menschen, die wir liebten. Bei der Flucht wäre unsere Tochter beinahe ertrunken“. Der Syrer lebte als Taxifahrer mit seiner Familie in der Stadt Daraa.

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