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Straßenschäden durch schwere Transporte : Sackgasse mit erbosten Anwohnern

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Wenn eine für 3,5 Tonnen Belastung ausgelegte Straße ständig Schwertransporte aushalten muss, geht sie kaputt. Dass für die Erneuerung dieser Straße - der Maas - aber die Anwohner zur Kasse gebeten werden sollen, sorgt für Verdruss.

shz.de von
erstellt am 24.Jul.2009 | 06:59 Uhr

Husum | Die Belastbarkeit der Bürger ist begrenzt. Dies gilt nicht nur, aber ganz besonders für die Anwohner der Straße Maas. Die zum Teil geborstene Straßendecke lässt unschwer erkennen, dass hier gewichtige Fahrzeuge ihre Spuren hinterlassen haben. Obwohl schon seit Jahr und Tag ein Verkehrsschild mit dem Hinweis "3,5 t" am Anfang der Straße steht. Für die 40-Tonner, die den Husumer Schlachthof ansteuern, war die Straßendecke daher wohl nicht stabil genug, vermuten die Anlieger: "Ohne Grund steht dieses Schild da sicherlich nicht!"

Nun liegen bei ihnen die Nerven blank. Und ihre finanzielle Belastbarkeit stößt an die Grenzen. Ärger steht ins Haus, seitdem die Stadt angekündigt hat, die Maas komplett zu erneuern. Dagegen wäre im Grunde genommen nichts einzuwenden, so die einhellige Meinung. Doch die Stadt bittet zur Kasse - und das kräftig.
140 Tiertransporter täglich

Ein Betroffener hat noch die Daten in Erinnerung, die Stadtvertreter in der jüngsten Anwohnerversammlung im April preisgaben. Danach passieren laut einer Zählung täglich etwa 140 Tiertransporter die nur für Fahrzeuge mit einem Gewicht von 3,5 Tonnen zugelassene Wegstrecke. Doch verwundert mussten die Anlieger bei der Versammlung feststellen, dass die Stadtvertreter von der Existenz des entsprechenden Verkehrsschildes gar nichts wussten.

"Die haben uns zu einer Anwohnerversammlung eingeladen und waren in keinster Weise vorbereitet", stellt ein Betroffener fest. So sei beispielsweise in der Versammlung seitens der Verwaltung vom Durchgangsverkehr gesprochen worden, obwohl es sich bei der Straße Maas um eine Sackgasse handele.
"Dass etwas getan werden muss, sehen wir auch ein, doch dass wir die Kosten mit übernehmen sollen, geht zu weit", stellt er unmissverständlich klar. Ohne den großen Schlachtbetrieb würde sich seiner Meinung nach niemand um diese Sackgasse kümmern. Doch nach Modernisierung und Erweiterung des Schlachthofes, die immerhin mit mehreren Millionen Euro bezuschusst wurde, solle der Betrieb nun offenbar eine Zufahrt in "Luxus-Ausführung" erhalten, und das mit finanzieller Unterstützung derjenigen, die dort wohnen - das gehe nicht.

Die Anwohner in Maas und Niegras fühlen sich von der Stadt überrumpelt. "Gibt es da nicht eine Regelung, nach der nur beim Erstausbau oder Neubau die Anwohner zur Kasse gebeten werden dürfen?" Auch darüber sei in der Anwohnerversammlung gesprochen worden. Einige hätten sogar ihren Bescheid mitgebracht. "Wir hatten allerdings den Eindruck, dass dies von den Stadtvertretern gar nicht registriert wurde", schimpft eine Betroffene.
Einige Anregungen umgesetzt

Auch der Bauausschuss befasste sich auf seiner jüngsten Sitzung mit der Thematik. "In der Anwohnerversammlung haben wir die Anregungen der Betroffenen gesammelt", so Klaus Lorenzen vom Stadtbauamt. Einige davon habe man auch umsetzen können.

Bauamtsleiter Detlef Tannen erklärte vor dem Ausschuss, wie die anfallenden Beiträge für die Anwohner zustande kommen. Man müsse unterscheiden zwischen Erschließungs- und Ausbaubeiträgen. Bei der Baumaßnahme Maas handele es sich um einen Ausbau. "Das ist so geregelt, dass die öffentliche Hand 40 Prozent und die privaten Anlieger 60 Prozent der Kosten übernehmen müssen." Hierfür werde die Ausnutzbarkeit des Grundstücks und die Größe des Gebäudes ermittelt. "Jeder der Anwohner hat einen Nutzen vom Ausbau der Maas und das schlägt sich in den Ausbaugebühren nieder." Der Schlachthof übernehme als Gewerbebetrieb mit Abstand den größten Teil der anfallenden Kosten, versicherte Lorenzen.
Mit Geh- und -Radweg
Bei dieser Berechnung werde aber nicht nach dem Schadensverursacher, sondern nach dem Nutzen der einzelnen Anwohner gefragt, so Tannen weiter. Und neben dem Ausbau der Fahrbahn werde auf der westlichen Seite zum Wohngebiet auch ein fast vier Meter breiter kombinierter Geh- und Radweg angelegt. Ob das allein jedoch die Betroffenen besänftigt, darf bezweifelt werden.

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