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Hohe Anforderungen an Polizisten : Rund um die Uhr einsatzbereit

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Polizeistation St. Peter-Ording wird ab 1. Oktober verstärkt. Dann achten sieben Gesetzeshüter auf Recht und Ordnung im Nordseebad. Der Fuhrpark soll mit einem leistungsstarken Geländewagen ausgestattet werden.

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erstellt am 28.Sep.2013 | 17:00 Uhr

Lautsprecher so groß wie ein VW-Bus, Sofas auf den Autodächern, Wagenburgen mit Lagerfeuer mittendrin. Frank Dittelbach erschüttert so leicht nichts mehr. Der Leiter der St. Peteraner Polizeistation ist seit 1997 im Badeort tätig und weiß um die Besonderheiten, die ein Dienst in einer Touristenhochburg mit sich bringen. „Es gibt Kollegen, denen ich das nur schwer vermitteln kann, was hier passiert“, so der Hauptkommissar.

Bei gutem Wetter sind schon mal 6500 Fahrzeuge am Strand, donnerstags bei den Straßenfesten im Dorf nicht selten bis zu 15 000 Besucher, und bei Großveranstaltungen auf dem Event-Gelände steigt die Zahl der Gäste noch um ein Vielfaches. Allein bei den Open-air-Konzerten der Gruppe Silbermond im Jahr 2009 und von Jan Delay ein Jahr später pilgerten 50 000 Gäste an den Strand – besser gesagt, sie versuchten es. Denn an jenem Tag kollabierte das gesamte Verkehrsnetz. „Die Infrastruktur hier ist dafür nicht ausgelegt“, sagt Dittelbach, der sich noch gut an das Konzert erinnern kann. Vielmehr an dessen Begleiterscheinungen: Acht Rettungswagen waren im Einsatz, drei Notärzte – „und es musste noch nachgeordert werden“. Das sprengte damals alle Kapazitäten, ist aber mittlerweile Schnee von gestern. Veranstalter und Gemeinde haben erkannt, dass das doch eine Nummer zu groß war. „Aber es hat auf jeden Fall Spaß gemacht.“

Die Hauptzeit von Frank Dittelbach und seinen Kollegen ist von Mai bis September. Dann erhöht sich die Einwohnerzahl St. Peter-Ordings von 4200 um ein Vielfaches. Auch Silvester, zum Biike-Brennen oder jetzt, zur Europameisterschaft der Strandsegler, steigt die Zahl der Einwohner erheblich an.

Zur Station gehören fünf Polizeibeamte, die im Schichtdienst rund um die Uhr einsatzbereit sind. In der Saison werden sie von drei Kollegen im Bäderdienst unterstützt. In diesem Jahr sind es Janina Anders (23), Jakob Hemke (19) und Danny Kratzien (25). Die drei Polizeimeister absolvieren ihre Erstverwendung im Eiderstedter Badeort. Insgesamt versehen landesweit 96 Beamte Bäderdienst – an der Westküste werden neben der Station in St. Peter-Ording auch die Dienststellen auf Föhr, Amrum, Sylt und Helgoland sowie in Büsum durch Bäderdienstler verstärkt. Nach ihrem Saisoneinsatz geht Janina Anders nach Henstedt-Ulsburg, Jakob Hemke verstärkt die Autobahnpolizei Pinneberg, und Danny Kratzien verlässt St. Peter-Ording Richtung Tornesch.

Ab Oktober wird die St. Peteraner Station durch zwei weitere Beamte verstärkt. Dann werden dort sieben Gesetzeshüter im Einsatz sein. Frank Dittelbach freut sich darüber – war die personelle Struktur vor Ort bislang doch eher auf Kante genäht. Bei Großveranstaltungen musste er deshalb immer wieder Unterstützung vom Land anfordern. Auch der Fuhrpark wird umgerüstet. So wird einer der beiden VW-Passat-Kombis („Die stoßen am Strand trotz Allradantrieb dann doch immer wieder an ihre Grenzen“, so Dittelbach) gegen einen VW Tiguan getauscht – der erste Geländewagen dieser Art im Landesdienst.

Standen früher Autoradios im Fokus der Langfinger („Heute gibt es dafür keinen Markt mehr“), sind in dieser Saison die Diebstähle von Fahrrädern ganz oben auf der Liste der angezeigten Delikte gerückt. „Die Räder werden gestohlen und tauchen nirgends wieder auf“, sagt Dittelbach, der vermutet, dass die Diebe mit System handeln und nicht zufällig die Drahtesel entwenden. „Man merkt, dass die Zeiten schlechter werden“, sagt der Hauptkommissar und belegt dies mit einem Beispiel: So wurde ihm unlängst ein Ladendiebstahl angezeigt, bei dem eine junge Mutter ohne einen Cent in der Tasche einkaufen ging. „Sie hatte kein Geld für ihre Einkäufe, aber hungrige Kinder zu Hause“, sagt der 56-Jährige. Polizeialltag – auch in einem Badeort wie St. Peter-Ording. Dazu gehören ebenso Alkoholkontrollen, Suchaktionen von Gästen, die die Flut unterschätzen oder sich im Seenebel verirren und Jugendliche, die ihren Vollrausch in den Dünen ausschlafen. Alltag zwar, aber das macht eben die Dienste in St. Peter-Ording besonders.

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