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Reiseziel für Gourmets : Run auf wilden Knoblauch

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Das Bärlauchvorkommen in Schwabstedt lockt Feinschmecker aus der ganzen Region. Im Ortsteil Holbek wird der wilde Knoblauch geerntet, obwohl er in Schleswig-holstein als potenziell gefährdet eingestuft ist.

Feinschmecker wissen es längst, auch die Einheimischen sind bereits mit ihren Sammelkörbchen unterwegs, denn im Schwabstedter Ortsteil Holbek läuft die Bärlauchsaison. Und diese Wildpflanze verfeinert schließlich so manche Speise. Kein Wunder also, dass sich das doch recht große Vorkommen in Holbek mittlerweile herumgesprochen hat. Schwabstedts Bürgermeister Jürgen Meyer hat nichts dagegen, wenn geerntet wird, aber, so unterstreicht er, „bitte sorgfältig und mit Vorsicht, damit die Pflanzen nicht geschädigt werden“.

Der Holbeker Bärlauch lockt viele Gourmets an, doch leider finden sich darunter auch immer wieder Vandalen. Sie reißen die Blätter der Pflanze einfach ab. Die feinen Wurzeln der Zwiebeln werden gelockert und der Bärlauch verkümmert oder geht im schlimmsten Fall ein. Zwar wird die Wildpflanze in Schleswig-Holstein als potenziell gefährdet eingestuft, doch das Ernten ist nicht verboten, wie der Gemeinde-Chef unterstreicht. Viele der Nutzer kümmern sich allerdings nicht um die Nachhaltigkeit. Wie in jedem Jahr liegen herausgerupfte Blätter herum. Wichtig ist, dass von jeder Pflanze nur ein oder zwei Blätter abgeknickt werden, dann können sich neue bilden und die Pflanze stirbt nicht ab.

Bei den Schwabstedtern selbst hat der Schatz vor der Haustür allerdings nicht mehr die Bedeutung wie einst. Noch vor wenigen Jahren wurde einmal jährlich ein Bärlauchfest gefeiert. Es gab dort nicht nur Bärlauch-Spezialitäten, sondern auch Führungen und viele Informationen über diese Wildpflanze vor der Haustür, deren Hauptverbreitungsgebiet eigentlich der Süden Deutschlands ist. Anlässlich der 700-Jahr-Feier der Gemeinde Schwabstedt im Jahr 2018, wird über alle möglichen Aktivitäten nachgedacht. Bürgermeister Meyer kann sich durchaus auch ein Bärlauchfest vorstellen. Doch darüber, sagt er, sei noch nicht entschieden, es würden gegenwärtig lediglich Ideen gesammelt.

Der Bärlauch ist mit Schnittlauch, Zwiebel und Knoblauch verwandt. Die in Europa und Teilen Asiens vor allem in Wäldern verbreitete Pflanze ist ein geschätztes Wildgemüse. Er wird auch Bärenlauch, Knoblauchspinat, wilder Knoblauch, Waldknoblauch, Rinsenknoblauch, Hundsknoblauch, Hexenzwiebel, Zigeunerlauch, Ramsen oder Waldherre genannt. Trotz der leichten Bestimmung durch den typischen Geruch, der beim Reiben der Blätter entsteht, wird Bärlauch beim Sammeln immer wieder mit dem Maiglöckchen, den im Frühjahr austreibenden Blättern der Herbstzeitlosen oder den meist ungefleckten Blättern jüngerer Pflanzen des Gefleckten Aronstabs verwechselt. Diese drei Pflanzen sind äußerst giftig, und es kommt immer wieder zu teils tödlichen Vergiftungen. In der Naturheilkunde kommt Bärlauch als Heilmittel oft zur Anwendung. Die Heilwirkung ist den zahlreichen in ihm enthaltenen, überwiegend schwefelartigen ätherischen Ölen zuzuschreiben, die sich positiv auf Verdauung, Atemwege, Leber, Galle, Darm und Magen auswirken. Des Weiteren ergibt sich eine effektive Heilwirkung bei Arteriosklerose, Bluthochdruck und Darmerkrankungen. Zudem wirkt er Stoffwechsel anregend und wirkt sich positiv auf den Cholesterinspiegel aus und hilft zudem bei Wurmbefall.

Erst seit Mitte der 1990er Jahre, mit dem Trend des natürlichen Kochens, hat der Bärlauch wieder die Küchen erobert. Und obwohl in Holbek viel geerntet wird, ist sich Meyer sicher, könne bei sorgsamen Umgang der Bestand noch Generationen von Gourmets mit frischem Bärlauch versorgen.

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erstellt am 06.Apr.2016 | 07:00 Uhr

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