Süßigkeiten für ein Lied : Rummelpott: Kinder pflegen Tradition

Klein und groß ziehen auf der Geest gern verkleidet von Haus zu Haus. Familie Ovens hat sichtlich Spaß und ist textsicher.
Klein und groß ziehen auf der Geest gern verkleidet von Haus zu Haus. Familie Ovens hat sichtlich Spaß und ist textsicher.

Mädchen und Jungen verkleiden sich am Silvesterabend für Süßigkeiten, Erwachsene für einen Schnaps - auch in Breklum. Allerdings kommen immer weniger Rummelpottler abends an die Türen.

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30. Dezember 2014, 12:00 Uhr

Traditionell steht am letzten Tag des Jahres Rummelpottlaufen auf dem Programm. Es ist in Norddeutschland – speziell in den Kreisen Nordfriesland und Schleswig-Flensburg – ein stark verbreiteter Brauch. Am frühen Silvesterabend gehen zumeist Kinder geschminkt und verkleidet in Gruppen von Haus zu Haus. Dort singen die Mädchen und Jungen mit ihren Eltern die typischen Rummelpottlieder.

Der Name stammt von dem auch als Brummtopf bekannten Rummelpott, der ein polterndes Geräusch erzeugt. Mit Hilfe des Polterns sollten in früheren Zeiten um die Jahreswende Wintergeister vertrieben werden. Die heute verbreitete Variante des Rummelpottlaufens geht bis in das 17. Jahrhundert zurück.

Auch Erwachsene laufen in Nordfriesland Rummelpott. Diese erhalten jedoch anstatt Süßem meist ein Gläschen Schnaps. Daher ist der Rummelpott dort auch als Rumpott bekannt.

Allerdings ist es im Zeichen des demografischen Wandels an vielen Orten nicht mehr so, dass bis zu 50 Kinder in jedes Haus im Ort einkehren, ihr Lied singen, und als Dank dafür von den Bewohnern Äpfel, süße Backwaren wie Pförtchen (Futtjes) und andere Süßigkeiten erhalten. Vielmehr beschränkt es sich nach den Worten des Breklumers Bruno Schildhauer (WGB) auf die Neubaugebiete. „Wo viele Kinder wohnen, sind auch mehr Mädchen und Jungen unterwegs. Aber auch nur dort.“ Bei ihm in Borsbüll seien es nur noch zwei, drei Gruppen. Was Frauke Bahnsen als Frau des Bürgermeisters bestätigte. Die Jugendlichen haben allgemein nicht mehr den Anreiz, sich für diesen Brauch zu verkleiden, um für Obst oder Süßigkeiten zu singen. In der Pubertät besteht eher der Drang, sich mit einem Becher auszustatten, und die ersten Erfahrungen mit dem Alkohol zu machen.

Zudem ist in einigen Gegenden der Brauch nicht mehr bekannt oder er wird nicht mehr gepflegt. Dort wird eher am Reformationstag (31. Oktober) das amerikanische Fest Halloween gefeiert. Jedoch stößt das bei vielen Bewohnern auf wenig Gegenliebe, sodass entweder die Tür verschlossen bleibt oder nichts Süßes im Haus parat steht.

Hingegen wird beim Rummelpottlaufen ein solcher Verweis mit einem Schmähgesang bedacht. Sollten die Kinder einmal etwas länger warten, wird auf der Geest und in Angeln die zweite Strophe gesungen, um den Hausherren noch ein wenig Zeit zu geben. In Breklum und im Bredstedter Umland wird bereits alles in einer Strophe zusammengefasst – vom Dank bis zur Häme.

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