Rufbus soll in Fahrt kommen

Der Kreis prüft, künftig generell die Kosten der Schülerbeförderung zu übernehmen.
Der Kreis prüft, künftig generell die Kosten der Schülerbeförderung zu übernehmen.

Damit neues ÖPNV-Modell Raum greift: Nordfriesischer Kreistag erteilt Verwaltung eine Reihe von Aufträgen

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27. März 2018, 17:21 Uhr

Im mittleren Eiderstedt fährt der Rufbus bereits: Ein aus Mitteln der Europäischen Union, des Kreises und der Aktiv-Region Südliches Nordfriesland finanziertes Pilotprojekt ermöglicht es Einheimischen und Urlaubsgästen, im Zwei-Stunden-Takt persönliche Wunsch-Ziele in der Region zu erreichen. Das Rufbus-Modell soll zum 1. August auf ganz Eiderstedt, den ländlichen Süden Nordfrieslands sowie Festlands-Südtondern übertragen werden. Bredstedt und Umland sind dann im neuen Jahr dran.

Da der Kreis Nordfriesland die Mehrkosten für das neue Modell des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) auf zwei Millionen Euro jährlich gedeckelt hat, ist – außerhalb der Ferienzeiten – zunächst konservativ mit drei Fahrtenpaaren (jeweils Hin- und Rückfahrt) kalkuliert worden. Aber, so der Grünen-Fraktions-Chef Uwe Schwalm: „Wo Zwei-Stunden-Takt draufsteht, soll er auch drin sein.“ Auf Antrag der Jamaika-Fraktionen von CDU, FDP und Grünen justierte der Kreistag deshalb jetzt schon einmal nach: Landrat Dieter Harrsen – „Wir haben allergrößtes Interesse daran, dass das Rufbus-Konzept erfolgreich umgesetzt wird“ – wurde mehrheitlich gebeten, künftig bis zu zwei Fahrtenpaare zusätzlich zu bestellen für Rufbus-Gebiete, in denen – wie im Kooperationsraum Mittleres Eiderstedt – ein Mehrbedarf vorhanden ist oder sich andernorts in den ersten Monaten nach Einführung des neues Systems abzeichnet. Die SPD wollte darauf hinaus, dass zusätzliche Fahrtenpaare „gesichert erforderlich“ sein müssten. Sie fand damit jedoch keine Mehrheit.

Anders sah es bei umfassenden Prüfaufträgen aus, die am Ende einstimmig beschlossen wurden: So hatte das Jamaika-Bündnis angeregt, dass der Landrat zeitnah alle Möglichkeiten prüft, den Kreis Nordfriesland zum Testgebiet „fahrscheinloser Nahverkehr im ländlichen Raum“ zu machen. Dabei sollen Kosten, Chancen und Risiken für den Kreis gegenübergestellt werden. Und auf FDP-Antrag soll Harrsen auch die Einführung einer „Flatrate“ sondieren – analog zum ÖPNV-Projekt Tallin. In der Hauptstadt von Estland können Bus und Bahn im öffentlichen Personennahverkehr seit einigen Jahren kostenlos genutzt werden.

Erweitert – und ebenfalls einstimmig verabschiedet – wurde das Prüfpaket auf SPD-Antrag um einen wichtigen Aspekt: Eruiert werden soll, wie es sich realisieren lässt, dass der Kreis künftig die Kosten der Schülerbeförderung nach der zehnten Klasse für Schüler der Oberstufen von Gemeinschaftsschulen und Gymnasien, der Berufsschulen und der beruflichen Gymnasien übernimmt. Diese bezifferten der SPD-Fraktionsvorsitzende Thomas Nissen und sein Kollege Jürgen Laage während der Kreistags-Sitzung mit insgesamt 1,56 Millionen Euro.

„Dieses Thema ist extrem wichtig für viele Familien“, erklärte Truels Reichardt, Vorsitzender der Jusos Nordfriesland, im Nachgang der Sitzung. Der nächste Schritt zum kostenlosen Schulweg sei getan. Jungsozialisten und SPD-Kreistagsfraktion hatten sich bereits seit Monaten für das Anliegen der Kreisschülervertretung stark gemacht, die Beförderungskosten für Schüler ab der zehnten Klasse sowie der beruflichen Gymnasien und Berufsschulen abzuschaffen. Reichardt: „Wir setzen uns schon lange für kostenfreie Bildung von der Krippe bis zum Meister oder Master ein.“

Und Reyhan Satan (17) aus Husum, Beisitzerin im Juso-Kreisvorstand und Schülerin des Beruflichen Gymnasiums, betont: „Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Schüler die Schule abgebrochen haben, weil sie sich den Schulweg nicht leisten können. Das ist eine kaum zu ertragende Schieflage im System und muss geändert werden.“

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