Nordfriesland : Rotes Kreuz will kräftig investieren

Soll mit Millionenaufwand modernisiert werden: die DRK-Pflegeeinrichtung in der Husumer Goethestraße.
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Soll mit Millionenaufwand modernisiert werden: die DRK-Pflegeeinrichtung in der Husumer Goethestraße.

Ein erfolgreiches Wirtschaftsjahr verzeichnet das DRK Nordfriesland. Nun soll mit Millionenaufwand modernisiert werden.

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09. November 2017, 16:00 Uhr

Das sah vor einigen Jahren noch ganz anders aus: Das Deutsche Rote Kreuz in Nordfriesland ist wirtschaftlich gut aufgestellt und kann Pläne für die Zukunft schmieden. Dieses positive Bild vermittelte die Jahresversammlung im Landgasthof Struckum. So wollen der DRK-Kreisverband und seine Tochtergesellschaften im nächsten Jahr mehr als zwei Millionen Euro in die Hand nehmen, um das DRK-Pflegeheim in der Husumer Goethestraße – seine älteste Einrichtung dieser Art – zu sanieren und auf moderne Standards zu heben. „Das geht auf jeden Fall los“, kündigte der Kreisvorsitzende Frank Millack an.

Das DRK Nordfriesland mit seinen rund 6000 Fördermitgliedern in 56 Ortsvereinen betreibt fünf Pflege-Einrichtungen – zwei größere Heime in Husum und eines in Struckum, kleinere Häuser auf Pellworm und Amrum mit insgesamt rund 225 Betten. Hinzu kommen ambulante Dienste mit Schwerpunkten in Husum, Niebüll, St. Peter-Ording, Friedrichstadt und auf Nordstrand. In Husum gibt es auch eine Senioren-Wohngemeinschaft mit 18 Appartements. Betreut wird zudem die Gemeinschaftsunterkunft für Asylsuchende in Niebüll, während die geschlossene Landesunterkunft in Seeth Ende 2017 auch formal abgegeben wird.

Für das wirtschaftlich erfolgreiche Jahr 2016, das geprägt war von den Veränderungen im Zuge des Pflegestärkungsgesetzes II und die Flüchtlingsarbeit, legte Vorstand Torben Walluks in Struckum die Bilanz vor. Für den Kreisverband und seine Tochtergesellschaften mit zurzeit rund 360 hauptamtlichen Mitarbeitern nannte er einen Umsatz von 15,5 und eine Bilanzsumme von knapp zwölf Millionen Euro. „Wir sind nicht irgendwie eine Pommesbude auf Langeneß, sondern ein kleines mittelständisches Unternehmen und einer der größeren Arbeitgeber in der Region“, zeigte Walluks selbstbewusst die Bedeutung des DRK in Nordfriesland auf. Dabei würdigte er auch das große Engagement des Teams in der Kreisgeschäftsstelle und der vielen ehrenamtlichen Helfer.

„Es bleibt eine große Aufgabe für uns alle“, ging der Kreisvorsitzende Frank Millack mit Blick auf die Hilfsorganisation, aber auch die Kommunen im Jahresbericht auf Flüchtlingsarbeit und Integration ein. Er erinnerte daran, dass die große Aufgabe vor zwei Jahren auf das DRK zugekommen war – in Form der Betreuung der Landesunterkunft in Seeth mit ihren rund 1400 Plätzen und dem zwischenzeitlichen Aufbau eines letztlich ungenutzten Containerdorfes in Husum. „In dieser schwierigen Situation eine vernünftige Kalkulation zu machen, den Kreisverband nicht ins Risiko geraten zu lassen und gleichzeitig alle Aufgaben zu schultern – da gehört schon etwas dazu“, würdigte er die Arbeit von Torben Walluks.

Als der Flüchtlings-Zustrom abebbte, hatten die Nordfriesen dann gemeinsam mit dem DRK Schleswig-Flensburg und Kiel das Aufgabenspektrum der zusätzlich eingestellten Mitarbeiter verändert: Die mobilen Integrationsteams waren geboren. Das Konzept, die Kommunen und den Kreis im Rahmen der aufsuchenden Sozialarbeit zu unterstützen, sei einmalig und „stammt aus unserer Feder“, erklärte Walluks. Es zeuge auch von der immer engeren Zusammenarbeit mit dem Landesverband. Das bestätigte Wiebke Boysen aus dem Präsidium des DRK Schleswig-Holstein, die den Ansatz lobte, Geflüchtete direkt in deren Umfeld zu unterstützen.

Allerdings läuft dieses Modell mit Sozialarbeit, Schulbegleitung und ähnlichen Angeboten zum Jahreswechsel aus, obwohl das Konzept „sehr gut aufgegangen“ sei, wie Millack betonte. Er kritisierte, dass auf kommunaler Ebene in großen Teilen keine Bereitschaft vorhanden sei, diese Aufgabe als Verantwortung anzunehmen und entsprechend auch finanziell zu stützen. Obwohl diese Erfahrung frustrierend sei, appellierte Millack, in punkto Integration nicht nachzulassen, zumal mancher Geflüchtete bis zu drei Jahre warten müsse, eher er überhaupt einen Deutsch-Sprachkurs erhalte.

Der schon seit Jahren zu verzeichnende erhebliche Fachkräftemangel im Bereich der Pflege wird auch für das DRK eine immer größere Herausforderung. Wiebke Boysen berichtete in Struckum, dass ein Expertenteam mit Vertretern des Landes- und der Kreisverbände sowie aus den Einrichtungen gebildet worden sei, um dem Pflegenotstand entgegenzuwirken. Große Probleme Nachwuchs zu finden, gibt es laut Millack auch im ehrenamtlichen Bereich. In manchen Ortsvereinen sei niemand bereit, Verantwortung zu übernehmen, bedauerte er. Geplant ist, mit speziellen Angeboten wieder mehr, auch junge Leute für die wertvolle Arbeit in der DRK-Gemeinschaft zu begeistern.

Dass dies möglich ist, belegte Kreisbereitschaftsleiterin Monika Braczek, die über Ausbildung und Arbeit der Rettungshundestaffeln Sylt und Niebüll berichtete. Insgesamt hat das DRK-NF 120 ehrenamtliche Helfer auf dem Festland sowie 50 weitere auf Sylt. Alle zusammen verbrachten laut Jahresbericht zusammen weit über 15 000 Stunden mit Diensten, Einsätzen, Übungen und Fortbildungen.

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