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15 Prozent unter Landesschnitt : Rote Laterne für Friedrichstadt

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Private Haushalte im Holländerstädtchen geben 14 Prozent weniger als der Landesschnitt aus. Das besagt eine Untersuchung auf Basis der Zahlen des Statistischen Bundesamtes. Ermittelt wurden die Verbrauchsausgaben.

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erstellt am 07.Nov.2014 | 11:30 Uhr

Die Stadt kämpft gegen Leerstände und den Verlust von Arbeitsplätzen. Mit dem Abzug des Lazarettregiments aus Seeth im nächsten Jahr, dessen Soldaten auch viel in Friedrichstadt einkaufen, befürchten die Kaufleute zudem Umsatzeinbußen. Denn den Jahresertrag müssen sie quasi in der touristischen Hochsaison erzielen, und die dauert nur von Mai bis Oktober.

In Friedrichstadt sieht es mit der Kaufkraft der Bevölkerung ohnehin nicht ganz so rosig aus, auch wenn es in vielen Ecken Deutschlands noch weit schlimmer ist, wie die Lübecker Cima Beratung + Management GmbH feststellte. Auf Basis der Zahlen des Statistischen Bundesamts ermittelt sie die Verbrauchsausgaben privater Haushalte. Demnach gibt jeder Schleswig-Holsteiner jährlich 5745 Euro im Einzelhandel aus, vor allem für Nahrungs- und Genussmittel (2068 Euro). Das sind 77 Euro mehr als im Bundesdurchschnitt. Im Länderranking stehen nur Hamburg, Bayern, Baden-Württemberg und Hessen besser da als Schleswig-Holstein – was aber allein dem Hamburger Speckgürtel zu verdanken ist.

Den Spitzenwert bei der Pro-Kopf-Nachfrage erreicht die Gemeinde Großhansdorf. Sie übertrifft mit 7297 Euro pro Person den Landesdurchschnitt um satte 27 Prozent.

Am anderen Ende der Skala allerdings liegt das Holländerstädtchen Friedrichstadt. Mit 4947 Euro oder 86 Prozent des Landesniveaus trägt es die rote Laterne, gefolgt von Tönning mit 88 Prozent beziehungsweise 5062 Euro. Die Westküste ist zwar insgesamt schwach, es gibt aber Ausnahmen. Die Gemeinde Reußenköge hat mit 6895 Euro die zweithöchste Kaufkraft im Land – dank geringer Einwohnerzahl und viel Einkommen aus Windenergie und Tourismus.

Um mehr Einkaufsgäste nach Friedrichstadt zu locken, die Kaufkraft zu steigern, haben die Geschäftsleute der Stadt die WWF (Wir für Friedrichstadt) gegründet. Schließlich hatte sich der Handels- und Gewerbeverein aufgelöst und es gab keine Interessensvertretung mehr. Mittlerweile zählt die Gruppierung unter Vorsitz von Doreen Stümpel 28 Mitglieder, Privatpersonen und Geschäftsleute, von denen 21 aktiv sind. „Wir hatten immer schon das Gefühl, dass es in Friedrichstadt nicht so gut um die Kaufkraft bestellt ist, die Studie zeigt, dass wir uns nicht geirrt haben. Genau aus diesem Grund haben wir uns ja auch zusammengetan“, sagt Doreen Stümpel. Das Ziel der WWF ist die Belebung der Innenstadt, besonders außerhalb der Saison, die Bekämpfung der Leerstände der Geschäfte und die Steigerung der Lebensqualität in Friedrichstadt.

Dazu organisierte der Verein WFF unter anderem erstmals den Herbstzauber, ein buntes Straßenfest (wir berichteten). Zudem werden die Veranstalter der bunten Grachtenweihnacht mit verschiedenen Aktionen unterstützt. Auch organisiert der Verein den Weihnachtswettbewerb „alles sieht so festlich aus“, damit Friedrichstadt vier Wochen im Advent zu einem stimmungsvollen Anziehungspunkt für die Bewohner des ganzen Umlandes wird. Weiter wird zu besonderen Anlässen, wie Ostern oder Weihnachten die Innenstadt geschmückt. Die Mitglieder der WWF treffen sich an jedem letzten Mittwoch im Monat um 18.30 Uhr im Rathaus der Stadt.

Freude bei den Mitgliedern der WFF rief Bürgermeister Eggert Vogt hervor, als er mitteilte, dass das alte Schleswag-Gebäude im westlichen Gewerbegebiet demnächst wieder mit Leben gefüllt wird. 30 Mitarbeiter der früheren Eon-Netz, jetzt Eon Hanse, sollen dort Anfang des Jahres wieder einziehen. „Ich blicke optimistisch in die Zukunft, denn auch durch das Seniorenheim, das auf dem Gelände des Großen Gartens gebaut werden soll, werden nochmals viele Arbeitsplätze in der Stadt geschaffen. Das zeigt, dass man in Friedrichstadt auch wieder Geld verdienen kann“, sagt Vogt.

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