Holländerstädchen verzaubert : Rosige Zeiten für stachelige Königinnen

Blühende Pracht: Der Marktplatz in Friedrichstadt verwandelte sich in einen Rosengarten.
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Blühende Pracht: Der Marktplatz in Friedrichstadt verwandelte sich in einen Rosengarten.

Friedrichstadt lockt mit Blütenpracht zu seinen Rosentage Besucher an. Auch das Rahmenprogramm ist perfekt auf die „Rosenträume“ abgestimmt: Jazz, Kulinarisches, Accessoires, Deko-Artikel für Heim und Garten

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07. Juli 2014, 10:00 Uhr

Das Ende kommt abrupt und mit gewaltigen Regenmassen: Als sich am späten Sonnabendnachmittag ein Gewitter über Friedrichstadt entlädt, haben viele Rosen, die von den Züchtern auf dem Markt angeboten werden, längst neue Besitzer gefunden. Unzählige Besucher lassen sich bei den „Friedrichstädter Rosenträumen“ von der Pracht verzaubern, die die Königinnen der Blumen mit betörendem Duft, attraktiven Farben, Blüten- und Wuchsformen entfalten.

Von mini bis riesig, gefüllt oder einfach, modern oder historisch, kletternd, kriechend, auf Stämmchen oder buschig wachsend – es gibt alles, was das Gärtner-Herz begehrt. Und wer nicht gleich eine Container-Pflanze abschleppt, greift zu hübschen Rosensträußen. Auch das Rahmenprogramm ist perfekt auf die „Rosenträume“ abgestimmt: Jazz, Kulinarisches, Accessoires, Deko-Artikel für Heim und Garten, Skulpturen, Strandkörbe, Bänke und Zäune, ja, sogar Vogelnistkästen gibt es, die höchst originell den Treppengiebelhäusern des Holländerstädtchen nachempfunden sind.

Merle Schwerdt ist glücklich: Sie hat gerade von ihrem Taschengeld eine lila „Burgundy Ice“ erstanden, die sie auf ihrem Rosenbeet im elterlichen Garten in Garding pflanzen will. Die Kleine spart eisern für ihre Lieblingsblumen: Jedes Jahr kommt eine neue Rose dazu, dieses ist bereits die vierte. „Sie hat so eine tolle Farbe“, freut sich Merle. Ein ganz anderes Anliegen hat Ilse Patzer. Sie sorgt sich um ihre historische Rose, die so wunderbar duftet und normalerweise dicke rosa Blüten trägt. „Aber in diesem Jahr ist sie so schnell verblüht und hatte vertrocknete Knospen“, wundert sie sich und holt sich Rat bei Dieter Stange. Der Senior der Rosenschule Stange kann sie beruhigen: „Die große Trockenheit war schuld.“ Und dann gibt er der Bremerhavenerin gleich noch ein Tipps mit auf den Weg: „Einmal blühende historische Rosen niemals im Frühjahr stutzen, Ausgeblühtes abschneiden und auch mal die Pflanze ein bisschen auslüften.“ Er selbst ist ein Fan von Rambler-Rosen: „Die blühen von Anfang Mai bis Ende September“, erzählt er, „brauchen aber zwei bis drei Jahre, bis sie so richtig loslegen.“ Mit Rat und Tat stehen auch die Experten der Rosenschulen Kordes & Söhne, Rohwedder, Koopmann und Schütt den wissbegierigen Käufern zur Seite. Rosen sind eben eine Wissenschaft für sich.

Und sie liefern spannende Geschichten. Keiner weiß das besser als Harry Dirks, der in Holländertracht Rosenführungen durch Friedrichstadt anbietet. „Schauen Sie einmal genau hin“, knöpft sich der Stadtführer eine verblüh-te Rose vor: „Sie hat fünf Kelchblätter, die stehen für die fünf Wunden Christi. Und der Fruchtknoten ist die erste Perle des Rosen-kranzes.“ Die Christen, erfahren wir, haben diese schönen Gewächse populär gemacht – als Symbol der Liebe und der Nächstenliebe. Lange galt die Rose als Blume der Reichen und zu schade für den Garten hinter dem Haus: „Da hat sie ja keiner gesehen“, schmunzelt Dirks: „Man wollte seinen Reichtum zeigen, daher kam sie vors Haus, in die Vorgärten.“ In Friedrichstadt aber war alles ganz anders: Dort hatten die holländischen Stadtgründer ihre Häuser nach Landessitte dicht an dicht gebaut, Vorgärten gab es nicht. „Ohne Blumenschmuck wirkte das dann doch ein bisschen kahl“, meint der Stadtführer. Und so habe jemand begonnen, Erde auszuheben und Rosenstämmchen vors Haus zu setzen. „Ein Bürgermeister soll das noch gefördert haben: Er bot jedem, der eine Rose pflanzt, ein zweite gratis an.“ Das hatte einen regelrechten Boom zur Folge. Zumal der schwere, fette Kleiboden des einst so häufig überschwemmten Sumpflandes den Rosen ideale Wachstumsbedingungen bot. Und so gibt es heute kaum ein Häuschen in der eng bebauten Altstadt, das sich nicht mit Rosen schmückt. Zur Freude der Einheimischen und Besucher.

Anke Stecher vom Friedrichstädter Tourismus-verein ist mit dem Andrang bei den „Rosenträumen“ zufrieden: „Es war schon am Sams-tag richtig voll, und das Wetter hat im Großen und Ganzen mitgespielt.“ Am Regenradar habe sie verfolgt, wie sich die Lage ändert und die Händler an den Ständen rechtzeitig gewarnt. Den Rosen selbst hat das Gewitter am Samstag nichts ausgemacht: Sie trotzten dem Regenguss standhaft und ließen allenfalls ein paar Blütenblätter fallen.

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