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Kreis Nordfriesland : Robert Habeck zeichnet nordfriesische Flüchtlingshelfer aus

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Der Kreis Nordfriesland und Minister Robert Habeck haben die Arbeit von rund 200 ehrenamtlichen Flüchtlingshelfern gewürdigt. Diese wurden mit der Ehrennadel des Landes ausgezeichnet.

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erstellt am 20.Mai.2016 | 09:30 Uhr

Sie trösten traumatisierte Kinder, machen sich als Dolmetscher verdient, helfen in Kleiderkammern, verteilen das Mittagessen, geben Deutsch-Unterricht oder Nachhilfe. Während andere noch reden, haben die ehrenamtlichen Flüchtlingshelfer in Nordfriesland bereits ihre Ärmel hochgekrempelt – und packen einfach mit an. Mehr als eine Million Menschen suchten allein 2015 eine Zuflucht in Deutschland – knapp 2000 davon in Nordfriesland. Eine einmalige Herausforderung, der sich viele Einheimische stellen. Sie investieren ihre Freizeit und oft auch ihre Kraft, um die Neuankömmlinge bei den ersten Schritten in ihrem Gastland zu unterstützen.

Um all diesen Helfern ganz offiziell zu danken, hatte sie der Kreis Nordfriesland gestern ins Husumer Nordsee-Congress-Centrum (NCC) eingeladen, um sie mit der Ehrennadel des Landes auszuzeichnen.

„Ohne diese Unterstützung, die viele Belastungen mit sich bringt, wäre das öffentliche System nicht in der Lage gewesen, so vielen neuen Mitbürgern das Gefühl zu vermitteln, in ihrem neuen Zuhause willkommen zu sein“, so die Intention des Kreises Nordfriesland. Robert Habeck, stellvertretender Ministerpräsident und Umweltminister Schleswig-Holsteins, formulierte es noch deutlicher: „Es war beschämend für die Politik, was Sie im vergangenen Jahr und auch in den ersten Monaten dieses Jahres geleistet haben“, erklärte er. Die ehrenamtlichen Helfer hätten genauso wie Polizisten, die zahllose Überstunden machen, oder Facebook-Gruppen-Betreiber, die zu Spenden aufrufen, Deutschland zu einem besseren Land gemacht. „Solidarität kann nicht verordnet werden. Und dass Ihr Handeln keine Selbstverständlichkeit ist, macht dies zu einem besonderen Moment“, sagte er zu den rund 200 Ehrenamtlichen im Auditorium. Sie alle könnten mit ihren Erlebnissen vermutlich Bücher füllen.

Da ist zum Beispiel Irina Petersen, die auf Langeneß eine fünfköpfige Flüchtlingsfamilie aufgenommen hat. Oder Anneline Kleeberg und Christa Formeseyn von Nordstrand, die Möbel und Fahrräder für Neuankömmlinge organisieren und Wohnungen einrichten. Oder die Familien Gregersen, Mölck, Quint und Schlüter aus Hattstedt, die mit Flüchtlingen essen, Karten spielen, einkaufen oder Behördengänge erledigen.

„Wir sind in Nordfriesland gut aufgestellt – doch Nordfriesland ist nur so stark wie seine Menschen“, sagte Landrat Dieter Harrsen. Auch wenn der Staat viel mit seinen Ehrenamtlichen bewirken könne, „wir müssen aufpassen, dass wir sie nicht überfordern. Wir brauchen auch das Hauptamt, um die Helfer zu koordinieren und zu coachen“, machte er deutlich.

Wie wichtig ihm das Thema Flucht und Flüchtlingshilfe ist, merkte man Robert Habeck an. Auf der NCC-Bühne, auf der er sich normalerweise über die Energiewende äußert, überschlugen sich seine Worte fast, als er von Krieg, Grausamkeiten und falsch verstandener politischer Verantwortung sprach. „Wir müssen versuchen, eine exklusive Gesellschaft zu werden, denn globale Lösungen lassen sich nicht mithilfe eines Nationalstaates finden“, mahnte er. „Auch wenn persönliche Enttäuschungen auf beiden Seiten auftreten können – das ist der Preis der Integration.“

Nach und nach kamen sie dann alle auf die Bühne, um ihre Ehrennadeln, auf denen zwei sich haltende Hände abgebildet sind, entgegenzunehmen. Einige der kleinen Schmuckkästchen blieben allerdings auf dem Tisch liegen. Sei es aus Bescheidenheit oder aus Prinzip. Gänsehaut-Stimmung kam auf, als Taef Alighanim zwei arabische Volkslieder sang. Der 23-jährige Iraker war in seiner Heimatstadt Bagdad Berufsmusiker. Als Dank bekam er einen Präsentkorb mit Tee geschenkt. „Wir haben überlegt, was Iraker und Syrer mit den Friesen verbinden könnte, dann kam uns Tee in den Sinn“, erklärte Peter Martensen von der Integrationsberatung des Kreises, der zusammen mit seinem Kollegen Felix Carl die Veranstaltung auf die Beine gestellt hatte.

Und so viel Zeit musste sein: Auch wenn schon der nächste Termin wartete, den gemeinsamen Imbiss mit den Ehrenamtlichen ließ sich der Minister nicht entgehen. Er war neugierig auf die vielen kleinen Geschichten, die am Ende alle Großes bewirken.

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