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Husumer Nachrichten

21. September 2017 | 16:23 Uhr

Großbaustelle : Risse gehen durch die Stadt

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Leiden alte Gemäuer wie das Torhaus unter der Großbaustelle für das geplante Husumer Shopping-Center? In vielen Fällen soll ein Beweissicherungsverfahren Aufschluss bringen.

von
erstellt am 14.Jul.2017 | 13:00 Uhr

Sie leisteten ganze Arbeit, die im Herrenhaus am Markt – gleich neben dem alten Rathaus – eine Renaissancedecke freilegten und restaurierten. Viele Monate haben sie daran gearbeitet. Doch jetzt bangt der Besitzer, Bernd Biermann, nicht nur um die Decke, sondern um sein Haus, das zu den ältesten in Husum zählt.

Normalerweise hielten solche Restaurierungsarbeiten 300 Jahre, sagt Biermann. Das jedenfalls hätten ihm die Experten vom Landesamt für Denkmalpflege Schleswig-Holstein versichert. Doch schon zeigen sich an dem mit üppigen Verzierungen versehenen Plafond erste Haarrisse, nur wenige Monate nach seiner Fertigstellung. Und auf dem Dachboden hat Biermann weitere Schäden am Mauerwerk entdeckt.

„Leider sind seinerzeit keine Gipsmarken gesetzt worden“, bedauert der Eigentümer. Mit deren Hilfe ließe sich der Verdacht erhärten, „dass das hier“ – er deutet auf einen veritablen Riss im Treppengiebel des Hauses – „eine Folge der Bauarbeiten für das geplante Shopping-Center ist“. Auch Thomas Borowski vom Gebäudemanagement der Stadt hat an der Innenseite des rathäuslichen Torbogens einen Riss ausgemacht, den es vorher nicht gab. Und Anlieger Walter Johannsen zeigt auf eine Mauer, die das Herrenhaus vom Schlossgang trennt: auch hier Risse und Absenkungen.

Anders als die Eigentümer dieser Häuser hat eine Anliegergemeinschaft im Schlossgang schon vor Beginn der Bauarbeiten einen Vertrag mit den Investoren geschlossen. Danach wurden sämtliche Wohnungen auf der Westseite des Schlossgangs gutachterlich in Augenschein genommen und in der Tiefgarage sogar sogenannte Rissmonitore angebracht, berichtet Peter Pauly vom Beirat der Gemeinschaft. „So können wir später genau feststellen, was sich verändert hat.“

Biermann räumt ein, dass man hinterher immer schlauer sei. „Wir haben damals wirklich geglaubt, weit genug vom ,Epizentrum‘ weg zu sein“. Das dachte auch das zuständige Immobilienmanagement-Unternehmen Prelios, nachdem es sich mit Hilfe eines Sachverständigenbüros kundig gemacht hatte, in welchem Umkreis zur Baustelle eine solche Beweissicherung erforderlich sei. „Die Häuser Markt 1 und 3 gehörten nicht dazu“, verweist Volkmar Drescher auf die damalige Expertise. Das könnte ein Irrtum gewesen sein, und deshalb legt Biermann großen Wert darauf, dass sich auch ein Expertenteam des Landesamtes noch einmal alles anschaut.

Thomas Borowski hat inzwischen ebenfalls einen eigenen Gutachter beauftragt – allerdings um möglichen Schaden von der Stadt abzuwenden. Grund: Anfang dieser Woche wurde mit der Dachsanierung des alten Rathauses begonnen. „Deshalb wollten wir zur Beweissicherung den Ist-Zustand der beiden Nebengebäude, einschließlich des Biermann-Hauses, festhalten.“ Bei dieser Gelegenheit wurde auch der schon erwähnte Riss im Mauerwerk des Torbogens noch einmal untersucht, aber nichts gefunden, was auf einen unmittelbaren Zusammenhang mit der Baustelle hindeutet. Und auch im Inneren des Rathauses gibt es keine Schadenshinweise.

Dennoch: „Alte Häuser wie das Rathaus oder das Herrenhaus sind natürlich ganz anders gegründet als heute – und manchmal stehen sie auch nur auf Sand. Erschütterungen könnten Bodenwellen auslösen und diese die Gebäude punktuell zum Schwingen bringen, sagt Borowski. Von Rammarbeiten, wie sie jetzt im Bereich der Schlossstraße vorgenommen werden, ganz zu schweigen. Außerdem müsse im weiteren Verlauf der Maßnahme auch mit einer Absenkung des Grundwasserspiegels gerechnet werden. „Aber die von Prelios beauftragten Gutachter machen das ja auch nicht zum ersten Mal“, hält ihnen Borowski zugute. Gleichwohl denke er manchmal an das Torhaus, demgegenüber das neue Parkhaus entstehen soll, das gerade erst für 660  000 Euro saniert worden ist.

Unterschied zum Rathaus – hier gibt es eine Beweissicherung, sagt Kreispressesprecher Hans-Martin Slopianka, aber eben auch Risse: in der Stuckdecke und an einem Sturz. Die wurden in einem Zwischenbeweissicherungsverfahren mittlerweile auch dokumentiert. Wenn die Bauarbeiten abgeschlossen sind, will Prelios die Beweissicherung hier und insgesamt abschließen und dann mit den Eigentümern über das weitere Vorgehen beraten. „Sollten wir schon vorher handeln müssen, werden wir das natürlich tun“, versicherte Drescher.

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