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Husum ohne Wasser : Riss in der Hauptschlagader

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Ein wesentliches Element des Husumer Leitungsnetzes gab gestern früh den Geist auf – und sorgte für wasserlose Stunden in der Stadt. Durch das Absacken des Untergrunds brach zwischen Netto-Markt und Adolf-Menge-Straße ein Rohr mit 30 Zentimeter Durchmesser.

Für Reinhold M. war es eine unruhige Nacht. Erst dieses plötzliche Verlangen nach Kartoffel-Chips und dann das dicke Ende hinterher: Als er gestern gegen 2 Uhr aufstand, um das Feuer im Hals mit einem Glas Wasser zu löschen, war aus dem Wasserhahn nur ein unnatürliches Glucksen zu vernehmen. Wasser kam nicht heraus. Der Grund lag fast zwei Kilometer von seiner Wohnung entfernt – irgendwo im Untergrund der Osterhusumer Straße: Diagnose Wasserrohrbruch.

„Als ich davon erfuhr, dachte ich: „Oh nein, bitte nicht da!“, sagte der Geschäftsführer der Stadtwerke Husum Netz GmbH am Morgen. Für einen Augenblick hatte Norbert Jungjohann tatsächlich befürchtet, die Störung beträfe den östlichen Teil der Osterhusumer Straße, die im vergangenen Jahr gerade erst vollständig saniert worden war. „Ärgerlich ist das Ganze natürlich trotzdem“, räumte er ein, „aber das wäre wirklich doppelt bitter gewesen.“ Umso mehr, als vor dem, was sich gestern um 1.30 Uhr zwischen Netto-Markt und Adolf-Menge-Straße ereignet hat, im Falle eines Falles auch neue Wasserrohre nicht gefeit sind: ein Absacken des Untergrunds, infolge dessen zuletzt auch Wasserrohre nachgeben und brechen.

Der Alarm erreichte die Leitstelle des Wasserwerks genau um 1.31 Uhr. „Das geschieht automatisch“, erläutert Jungjohann: Wenn der Wasserverbrauch unnatürlich ansteigt, gehe dort eine entsprechende Warnmeldung ein. Und je nachdem, wie das Melde-Muster aussehe, „schicken wir dann den Bereitschaftsdienst raus“.

Als der kurze Zeit später am Störungsort eintraf, drückte das Wasser bereits aus den Fugen des Gehwegs. „Das heißt nicht, dass dort auch die Fehlerstelle zu suchen ist“, erklärt der Stadtwerke-Chef, zumal die Asphaltdecke der Fahrbahn wie eine natürliche Dämmschicht wirkt. „Da kommt nichts durch. Und so entlädt sich der Druck an anderer Stelle.“

Wäre Reinhold M. eine Stunde später aufgestanden, hätte dem Glas Leitungswasser schon nichts mehr im Wege gestanden. „Da hatten wir die Schadstelle bereits stillgelegt und die Versorgung wiederhergestellt“, so Jungjohann. Nur ein kleiner Bereich in unmittelbarer Umgebung des Rohrbruchs – zwischen Netto-Markt und Adolf-Menge-Straße – musste weiter ohne Wasser auskommen, während die Experten im Untergrund fieberhaft nach der Störungsursache suchten. Für die Anwohner wurden Hydranten eingerichtet.

Dass die Leitung überhaupt nachgab, könnte auch ihrem Alter geschuldet sein. „Dieser Teil des Rohrleitungssystems ist noch aus Zement und 63 Jahre alt“, sagt Jungjohann. Die große Wirkung ergab sich daraus, dass es sich mit einem Durchmesser von 300 Millimetern um die Hauptschlagader des städtischen Leitungsnetzes handelt. Eine äußere Einwirkung gab es jedenfalls nicht. Tatsächlich war es also wohl besagte Bodenabsenkung, in deren Folge auch dieses Rohr nachgab und zerbrach. Mit beträchtlichen Folgen: Nicht nur, dass ganz Husum und Mildstedt zwischen 1.30 und 3 Uhr ohne Wasser waren. Weil die Suche nach dem Leck einige Zeit in Anspruch nahm, musste dieser Abschnitt der Osterhusumer Straße vollständig gesperrt werden – und das mitten im Berufsverkehr.

Kleine Ursache – große Wirkung.

Was für ein Glück, dachte indessen Reinhold M., und trank einen Schluck Mineralwasser, bevor er sich kurz nach 2 Uhr wieder ins Bett legte. Und Stunden später unter der Dusche hatte er das Ganze ohnehin schon fast vergessen.

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erstellt am 09.Mai.2014 | 07:00 Uhr

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