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Fotofallen : Riss der Dithmarscher Wolf ein Schaf in Husum?

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Wo ist der Wolf, der im August noch im Kreis Dithmarschen gesichtet wurde? Solange der Mais noch nicht geerntet ist, kann sich das Tier hervorragend verstecken, sagt Wolfsexperte Jens Matzen. Der Wolf könnte aber auch weitergewandert sein.

Ruhig ist es geworden um den Dithmarscher Wolf. Bis auf eine Sichtung Ende August bei Bergewöhrden hat das Raubtier in den vergangenen Wochen keine Spuren hinterlassen. Auch die aktuelle Auswertung der beiden Fotofallen brachte keine neuen Erkenntnisse.

„Das bedeutet aber nicht, dass er sich nicht mehr in der Dithmarscher Eiderniederung aufhält“, meint Jens Matzen vom Wolfsinformationszentrum Schleswig-Holstein im Wildpark Eekholt. Solange der Mais noch nicht geerntet ist, kann sich das 15 bis 16 Monate alte Tier hervorragend verstecken, meint Matzen. Erst wenn er nach der Maisernte nicht mehr gesehen wird, „könnte man vielleicht sagen, dass er weitergezogen ist“. Und auch aus der Tatsache, dass im Großraum Hennstedt keine weiteren Schafe gerissen wurden, will der Tierschützer nicht folgern, dass der Wolf die Eiderniederung verlassen hat. Matzen: „Es kann sein, dass er an einem Weidezaun einen Stromschlag bekommen hat, dann meidet er die Koppeln.“ Ähnlich verhält es sich mit dem Wolf, der seit sieben Jahren durch die Lübtheener Heide (Mecklenburg-Vorpommern) streift. „Der hatte anfangs auch Schafe gerissen und danach nie wieder.“ Dass Isegrim nicht noch einmal in die Fotofalle tappte, mag laut Matzen darin liegen, dass Wölfe ein Gebiet von mindestens 100 Quadratkilometern für sich beanspruchen. „Vielleicht ist er dabei, sein Revier abzustecken.“

Dennoch will auch Matzen nicht ganz ausschließen, dass der Wolf Dithmarschen verlassen hat und weiter in Richtung Norden gewandert ist. So wurde nordwestlich von Husum ein Schafriss gemeldet. Matzen: „Der Fall ist aber nicht ganz eindeutig, es könnte auch ein Hund gewesen sein. Wir haben einen Abstrich genommen, die Untersuchung läuft.“

Weitere Hinweise auf Wölfe in Schleswig-Holstein werden aus dem Lauenburgischen gemeldet. Matzen: „Wir hatten dort in letzter Zeit mehrere Sichtungen.“ Ebenso halten sich im Nachbarland Dänemark mittlerweile drei Tiere auf. Im Süden des Landes griff ein Wolfsrüde nachweislich drei Schafherden an, elf Tiere kamen ums Leben, eins musste eingeschläfert werden.

Der Wolf ist nach seiner Ausrottung im 19. Jahrhundert in den 1990er Jahren aus Polen wieder nach Deutschland eingewandert. Die ersten Bestände wurde in Sachsen und Brandenburg registriert. Seitdem breitet sich das unter strengstem Naturschutz stehende Raubtier immer weiter nach Westen aus. Bundesweit soll es bereits mehr als 150 Tiere geben.

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