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Zuschüsse für Städtebau : Riesenchance für Friedrichstadt

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Trotz mehrerer gescheiterter Versuche – die Holländerstadt nimmt einen neuen Anlauf und beantragt die Aufnahme in die Städtebauförderung.

Fassaden, von denen der Putz abblättert, marode Brücken und brüchige Stege: So einige Stellen in Friedrichstadt könnten durchaus eine Generalüberholung vertragen. Doch das kostet Geld, sehr viel Geld. Das bereitet den Stadtverordneten Kopfzerbrechen, zumal die Grachtenstadt nach wie vor als sogenannte Bedarfsgemeinde gilt. „Ein bis zwei Brücken sind mindestens sanierungsbedürftig. Sie mussten gesperrt werden, weil die Tragfähigkeit in Gefahr ist. Wir versuchen aber erstmal, sie mit Bordmitteln zu reparieren“, sagt Bürgermeister Eggert Vogt.

Mittlerweile ist es 30 Jahre her, dass in der Kommune mit ihren rund 2500 Einwohnern städtebauliche Maßnahmen umgesetzt wurden. Damals sind 24 Millionen Deutsche Mark geflossen, erklärt Vogt. Allerdings wurden auch 80 Prozent bezuschusst. „Wir sind gerade dabei, die letzten Darlehen dafür abzulösen.“

In den vergangenen Jahren hat Friedrichstadt immer wieder beantragt, in die Städtebauförderung des Landes aufgenommen zu werden. Zuletzt 2013. Ohne Erfolg. „Andere Städte seien schlimmer dran und haben eine Förderung viel nötiger“, sei damals die Begründung gewesen, erinnert sich Vogt. Dennoch: Die Holländerstadt hat jetzt einen erneuten Versuch gestartet. „Der Antrag ist raus, aber noch lange nicht beschieden“, erklärt das Stadt-Oberhaupt. Diesmal stünden die Chancen Vogt zufolge aber gar nicht so schlecht. Der Unterschied: Das zuständige Innenministerium hat die Kommune von sich aus darauf hingewiesen, es noch einmal zu probieren. Das mag daran liegen, dass Friedrichstadt zurzeit auf dem besten Wege ist, Flächendenkmal zu werden.

„Es geht um viele Millionen Euro bei dem Programm. Das wäre eine Riesenchance für Friedrichstadt“, betont Vogt. Ein Aber gebe es allerdings: Wenn Friedrichstadt den Zuschlag bekommen sollte, muss die Kommune ein Drittel der bislang noch nicht festgelegten Summe selbst tragen. Lediglich zwei Drittel sind zuwendungsfähig und werden von Land und Bund übernommen. Dann müsse ein Kredit aufgenommen werden – das sei ihm und den anderen Kommunalpolitikern sehr wohl bewusst. „Aber zu den derzeitigen günstigen Zins-Konditionen wäre das durchaus realistisch.“

Bevor die Stadtverordneten in ihrer jüngsten Sitzung einstimmig für eine Antragstellung votieren, haben sie Sabine Kling zu Rate gezogen, die beim Innenministerium für den Bereich Städtebauförderung und Baukultur zuständig ist. Sie erklärt dem Gremium, worauf es ankommt, wenn man sich für das Programm „Städtebaulicher Denkmalschutz“ bewirbt. „Es ist kein Geheimnis, dass die letzte Städtebauförderung, die 1990 endete, zum heutigen Charme Friedrichstadts erheblich beigetragen hat“, macht sie deutlich. Landesweit gebe es rund 50 Städte, die schützenswert sind. In dem Programm gehe es vor allem um Nachhaltigkeit, so Kling. Man müsse das Denkmal-Ensemble in die Zukunft bringen – einschließlich der Brücken und Kaianlagen. „Ich weiß, dass Ihre Finanzsituation alles andere ist als rosig. Nichtsdestotrotz muss sich die Stadt weiterentwickeln.“

Die große Hoffnung der Stadtverordneten: Dass sich mit der Aufnahme in die Städtebauförderung die Investitions-Bereitschaft erhöht und unter Umständen auch die Einzelhaus-Sanierung unterstützt wird. Doch das ist kompliziert. Der alte Sanierungsvermerk von 1985 musste aufgehoben werden. Kiel machte Druck, denn das alte Städtebauförderungs-Programm ist längst abgeschlossen. Sollte es jedoch mit der neuen Förderung klappen, muss unter Umständen wieder ein neuer Vermerk eingestellt werden. „Das ist der Bevölkerung kaum zu vermitteln“, befürchtet Vogt. Doch wenn auch Privatleute von dem Vorhaben profitieren sollen – und das sei ihm wichtig, weil sich nicht jeder die aufwendige Sanierung eines denkmalgeschützten Hauses leisten könne – müsse dieser bürokratische Schritt gegangen werden. „Wenn die Stadtsanierung von der Bevölkerung mitgetragen wird, dann ist es eine tolle Sache.“

Als einige Mitglieder des Gremiums Bedenken äußern, dass sie womöglich als Ehrenamtliche einem so großen Projekt nicht gewachsen sein könnten, versucht Kling zu beruhigen. „Das verstehe ich. Aber Ihnen steht einerseits die Amtsverwaltung zur Seite und auch die Gutachter übernehmen eine Beratungsfunktion. Und ich bin gern bereit, die Verwaltung zu unterstützen.“

Sollte aus Kiel ein Okay kommen, wird es spannend. Ein Gutachter macht dann eine Bestandsaufnahme, das heißt, er nimmt vor allem den Zustand der Altstadt unter die Lupe. Bis sämtliche W-Fragen geklärt sind und ein Konzept erstellt werden kann, wird mindestens ein Jahr vergehen, vermutet Kling. Es lohne sich, dieses dicke Brett zu bohren, ist der Bürgermeister überzeugt. „Und wenn wir uns nicht bewegen, haben wir Stillstand. Das können wir nicht wollen.“

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erstellt am 18.Jul.2017 | 16:00 Uhr

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