Gutbier GmbH & Co KG Husum : Rettungsanker für einen Mittelständler

Zum Kerngeschäft gehört die Lackiererei: Udo Gutbier (r.) und Bernd  Bednarz (M.) begutachten ein Motorrad-Teil.  Foto: Petersen
Zum Kerngeschäft gehört die Lackiererei: Udo Gutbier (r.) und Bernd Bednarz (M.) begutachten ein Motorrad-Teil. Foto: Petersen

Die Zahlungsmoral des Bauherren war nicht die beste: Großbaustellen auf Sylt brachten die Gutbier GmbH ins Straucheln. Jetzt soll ein Insolvenzplanverfahren der Firma auf die Beine helfen. Doch es geht nicht ohne Entlassungen, 30 sind geplant.

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08. Mai 2009, 11:47 Uhr

Husum | "Wir machen weiter mit unserem Kerngeschäft - das sind wir schon unseren Mitarbeitern schuldig, aber auch unseren Kunden: Schließlich wird die Firma dieses Jahr stolze 75 Jahre alt", sagt Udo Gutbier, Namensgeber und einer der drei Geschäftsführer der Gutbier GmbH & Co KG, die derzeit im Insolvenzplanverfahren ist.
Das Kerngeschäft des Unternehmens im Gewerbegebiet Ost, das Kunden aus ganz Schleswig-Holstein, dem Hamburger Randgebiet und Mecklenburg-Vorpommern hat, sind die Lackierung von Lastfahrzeugen und Pkw und der Bereich Außenwerbung und Grafik, in dem Schilder und Beschriftungen sowie Broschüren und Prospekte erstellt werden. Die Abteilungen Sandstrahlen/Verzinken und Pulverbeschichtung sowie klassische Malerarbeiten aller Art runden die Angebotspalette ab.
Dazu kommen als "kleine Dienstleistungen" noch die Fahrzeugaufbereitung und Sattlerarbeiten hinzu, ergänzt Bernd Bednarz, einer der anderen beiden Geschäftsführer. Dass alle diese Sparten unter einem Dach vorgehalten werden, beschleunige Arbeitsabläufe und verringere die Standzeiten. Das sei besonders für die Behandlung von Großfahrzeugen wichtig: "So kommt das Fahrzeug schneller wieder auf die Straße und kann Geld verdienen - ein großer Vorteil."
Nicht jede Firma mit dem Namen Gutbier ist betroffen

Alles andere, was in Husum unter dem Namen Gutbier firmiert oder damit zusammenhängt, ist vom Verfahren gar nicht betroffen: Weder die Camping-Firma Gutbier noch die Vertreibergesellschaft KWK-Holding von Udo Gutbiers Schwiegersohn Ralf Weckmar, der allerdings das Geschäftsführer-Triumvirat der Gutbier GmbH vervollständigt.

In Schwierigkeiten geriet die Firma Anfang des Jahres - durch mehrere Großbaustellen auf der Insel Sylt, auf denen zeitweise bis zu 40 Gutbier-Mitarbeiter tätig waren. "Schlechtwetterperioden, Kalkulationsfehler und Terminverschiebungen ergaben Verzögerungen im Finanzfluss, hinzu kam noch schlechte Zahlungsmoral", erläutert Gutbier. "Die Außenstände erhöhten sich, und schließlich brach unsere Liquidität weg."
Letzter Ausweg war das Insolvenzplanverfahren, dass am 2. Februar unter Leitung des Hamburger Insolvenzplanverwalters Dr. Achim Ahrendt eingeleitet wurde. "Wir haben uns sehr schwer getan, diesen Weg zu gehen, aber um aus so einer Falle herauszukommen, braucht man unbedingt eine kompetente Begleitung."
Keine Überschuldung, sondern ein Liquiditätsproblem

Ahrendt nahm die Firma unter die Lupe und stellte fest, dass die bereits eingeleitete Neustrukturierung des Kernbereichs Erfolg versprach und der weiterhin sehr gute Auftragsbestand der Firma ein Überleben auch auf Dauer sichern kann. "Es war eben keine Überschuldung, sondern ein Liquiditätsproblem", so Gutbier. "Die ersten Wochen waren schwierig, bis der Geldfluss wieder da war, aber dann waren die Einkäufe gesichert - und der Betrieb bei uns ging weiter", sagt Bednarz. "Die Zulieferer wollen ja auch weiter mit uns zusammenarbeiten, das haben sie schon klargestellt", ergänzt Gutbier, und: "Auch die Banken haben ihre Unterstützung zugesagt."
30 Mitarbeiter müssen gehen
Jetzt sei die Firma auf einem guten Weg, sind sich beide einig. "Wir hoffen, dass das Verfahren im September beendet ist", sagt Bednarz. Dann sei das Unternehmen wieder "voll da", allerdings - eine bittere Pille für die Belegschaft - in reduzierter Größe: "Von unseren ursprünglich mehr als 100 Mitarbeitern müssen wir rund 30 abbauen, zum Teil durch altersbedingte Abschmelzung, aber leider auch durch betriebsbedingte Kündigungen - wo möglich selbstverständlich unter Berücksichtigung sozialer Bedingungen", so Bednarz bedauernd.

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