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Husumer Nachrichten

22. August 2017 | 06:23 Uhr

Tierschutz : Rettung für kleine Kitze

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Hollingstedter Jäger vertreiben Rehe und ihren Nachwuchs mithilfe von umfunktionierten Rauchmeldern aus den Wiesen.

Seit drei Jahren ist der „Wildretter“ bei den Hollingstedter Jägern im Einsatz und die Nachfrage zum Einsatz dieses Gerätes ist ständig gestiegen. Jetzt zogen die Waldmänner Bilanz. „Es ist sehr erfolgreich“, erklärten sie.

Das Gerät wird zum Vergrämen von Rehen mit ihren Kitzen aus Grünflächen, die gemäht werden sollen, genutzt. In der Erntezeit von Gras-Silage und Heu werden trotz großer Sorgfalt der Landwirte immer wieder Rehkitze gefunden, die den Mähwerken zum Opfer gefallen sind. Zirka 30 bis 50 Hektar werden pro Maschine pro Tag gemäht. Rehe nutzen das hohe Gras als Deckung für ihre Kitze. Doch wenn sich die landwirtschaftlichen Geräte nähern, verlassen die Kitze nicht ihren Liegeplatz. Neben dem Tierschutzgedanken haben die Landwirte auch ein großes Interesse daran, dass keine Fremdstoffe in die Silage kommen. Denn das kann das Futter verderben und zum Tod der Rinder führen. Vieles sei schon versucht worden, die Muttertiere mit ihrem Nachwuchs von den Grasflächen zu vertreiben, damit sie nicht vom Mähbalken getötet werden. Erfolgreich waren sie alle nicht. Die meisten Methoden waren zu personalaufwendig, nicht effektiv und nicht kostengünstig genug. Allein im Hollingstedter Revier fielen zehn bis 20 Rehkitze im Jahr der Grasmahd zum Opfer.

Jäger Bruno Krüger hatte sich viele Gedanken gemacht, Fachliteratur gewälzt und Gespräche geführt – bis er vor drei Jahren fündig wurde. Er hörte, dass man Rehmütter mit ihren Kitzen mit Geräuschen in einer bestimmten Frequenz vertreiben könnte. So baute er sich mit einem handelsüblichen Rauchmelder und einem Weidezaunpfahl dieses Gerät. Wenn es eingeschaltet wird, erzeugt es einen so unangenehmen Ton, dass die Vierbeiner weglaufen. „Mit dem Einsatz dieser Geräte liegt unsere Erfolgsquote liegt bei 90 Prozent. Mit dem Wildkataster, das wir führen, haben wir eine genaue Übersicht über den Wildbestand. Auch beim Einsatz in Nachbar-Revieren wurde dies bestätigt“, so Jagdleiter Truels Hansen.

Der „Wildretter“ ist eine Konstruktion aus einem Weidepfahl mit aufgesetztem handelsüblichen Rauchmelder, der mechanisch ein- und ausgeschaltet werden kann. Für eine Fläche von rund fünf Hektar werden zwei bis drei Geräte benötigt – dies ergaben Versuche. Bei den Hollingstedter Jägern sind bislang 40 Stück vorhanden. So können bis zu 80 Hektar gleichzeitig bedient werden. Diese Stückzahl soll noch aufgestockt werden Die „Wildretter“ sollten bis zum Mittag aufgestellt werden, damit der Landwirt am nächsten Morgen mit dem Mähen beginnen kann. „Die Erfahrung hat gezeigt, dass dann alle Rehe mit ihren Jungtieren diesen Bereich verlassen haben. Entscheidend ist, dass der Landwirt mithilft und rechtzeitig mindestens einen Tag vorher sein Mähvorhaben den Jägern meldet, damit wir die Geräte aufstellen können, um das Leben der Kitze zu retten“ sagt Truels Hansen.

Um weiterhin erfolgreich zu sein, sei die enge Zusammenarbeit der Landwirte mit den Jägern sehr wichtig. Für die Hollingstedter hat die Hege und Pflege in ihrem Jagdrevier immer Vorrang. Neben den jagdlichen Aufgaben gehören auch Baumpflanzungen, Biotop-Gestaltung und -Pflege und der Schutz der Wiesenvögel für die Jäger dazu.

> Kontakt: Truels Hansen: Telefon 04627/1226, Hans-Jürgen Hoffmann: Telefon 04627/955 und Bruno Krüger: Telefon 04627/383.

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