Alte Sachen in Gemeinschaft in Schuss bringen : Reparieren statt wegwerfen: Repair-Café im Diakonischen Werk Husum

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Der Schaden an der hölzernen Lehne eines Stuhls macht das Sitzmöbel nicht gleich unbrauchbar: Es lässt sich mit ein wenig Geduld und Holzleim wieder reparieren. Ines Sagner, Helge Schmidt, Jochen Gedlich und Heike Bayer (v.l.) zeigen, wie es geht.

Der Schaden an der hölzernen Lehne eines Stuhls macht das Sitzmöbel nicht gleich unbrauchbar: Es lässt sich mit ein wenig Geduld und Holzleim wieder reparieren. Ines Sagner, Helge Schmidt, Jochen Gedlich und Heike Bayer (v.l.) zeigen, wie es geht.

Neues Projekt des Diakonischen Werks Husum: In Gemeinschaft sollen Gegenstände des täglichen Gebrauchs repariert werden.

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10. Juli 2019, 08:58 Uhr

Husum | Wenn Toaster und Plätteisen nicht mehr funktionieren, heißt dies noch lange nicht, dass sie gleich weggeworfen werden müssen. Denn mitunter ist nur ein winziger Defekt schuld daran, dass Geräte des täglichen Gebrauchs den Dienst aufkündigen. Oftmals verschwinden solche Gegenstände kurzerhand in der Mülltonne.

Das muss nicht sein, ist Jochen Gedlich überzeugt. Seit zwei Jahren bringt er seine Erfahrungen bei den Seniortrainern und -trainerinnen ein, die im Mehrgenerationenhaus beim Diakonischen Werk Husum (DW) angegliedert sind. „Ich habe daheim eine kleine Werkstatt. Es hat sich gezeigt, dass es immer etwas zu reparieren gibt“, sagt er. Er ist der Ideengeber für das neue Projekt Repair-Café, das bei Möbel und Mehr in der Unteren Neustadt 70 bis 72 eingerichtet werden und nach den Sommerferien Gestalt annehmen soll.

Ich habe daheim eine kleine Werkstatt. Es hat sich gezeigt, dass es immer etwas zu reparieren gibt. Jochen Gedlich, Seniortrainer
 

„Nicht wegwerfen, sondern wieder funktionstüchtig machen und damit zu Nachhaltigkeit und Schonung von Ressourcen beitragen“, lautet auch die Devise von Johannes Schaer, Sprecher der Seniortrainer und -trainerinnen beim DW Husum. Viele möchten ihre Geräte durchaus weiterbenutzen und sind auch bereit, selbst Hand anzulegen; sie wissen jedoch nicht so recht, wie die Sache anzupacken ist.

Der Gedanke der Repair-Cafés kommt ursprünglich aus den Niederlanden und verbreitet sich peu à peu auch in Deutschland. Es ist durchaus etwas Besonderes, denn es bedeutet nicht, defekte Geräte abzugeben und sie irgendwann heilgemacht wieder abzuholen: Es ist vielmehr die Idee des Reparierens in Gemeinschaft, das heißt, unter fachkundiger Anleitung selbst zu Schraubendreher und Holzleim zu greifen und dabei Kontakte zu knüpfen. Eine Tasse Kaffee und ein Stückchen Kuchen sind kleine Schmankerln, für die beim Repair-Café gesorgt sein wird und die den lütten Schnack mit anderen Menschen zusätzlich begünstigen. Und wer eigenes Werkzeug hat, darf es getrost benutzen.

Wir suchen versierte Ehrenamtliche aus verschiedenen Branchen, die bei der Planung und der Umsetzung des Repair-Cafés mitmachen möchten. Helge Schmidt, Fachanleiter
 

„Unser Ziel ist es, zum Oktober mit dem Repair-Café starten zu können, jeweils am ersten Sonnabend im Monat zwischen 14 und 17 Uhr“, sagt Adelheit Marcinczyk, Leiterin des Geschäftsbereichs „Soziales und Arbeit“. Einige Vorarbeit ist dafür noch notwendig: „Wir suchen versierte Ehrenamtliche aus verschiedenen Branchen, wie Elektro, Holz, Textil, Spielzeug oder Elektronik, die bei der Planung und der Umsetzung des Repair-Cafés mitmachen möchten“, so die Fachanleiter Helge Schmidt und Tom Geissler.

Freilich können keine Großgeräte wie Waschmaschinen oder Trockner wieder in Schwung gebracht werden. Wer jedoch über Werkzeuge verfügt, die nicht mehr gebraucht werden: Für den Werkzeugfundus des Repair-Cafés sind sie herzlich willkommen.

Nachhaltigkeit passt gut in den sozialen Hintergrund des Sozialkaufhauses. Ines Sagner, pädagogische Fachkraft im Diakonischen Werk
 

„Nachhaltigkeit passt gut in den sozialen Hintergrund des Sozialkaufhauses“, ist Ines Sagner überzeugt. Sie leitet als pädagogische Fachkraft mehrere Projekte, unter anderem im Sozialkaufhaus des DWs. Heike Bayer, Leiterin des Geschäftsbereichs Bildung und Begegnung für alle Generationen beim DW, freut sich ebenfalls über die Idee des Repair-Cafés: „Es zeugt vom guten Zusammenhalt aller Fachbereiche und spricht alle Menschen an.“

Wer sich als ehrenamtliche Kraft einbringen möchte, kann Kontakt aufnehmen mit Petra Rudolph unter Telefon 04847/809310 oder per E-Mail an rudolph-wester-ohrstedt@gmx.de, mit Tom Geissler unter Telefon 0173/5684671 oder per E-Mail an t.geissler@dw-husum.de oder mit Helge Schmidt unter Telefon 01520/6958739 oder per E-Mail an h.schmidt@dw-husum.de.

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