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Vor der Windmesse : Reichlich Gegenwind für die Windkraft im Norden

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Der Ausbau der Windkraft-Nutzung droht ins Stocken zu geraten. Es gibt Preiskämpfe und Ärger um die Ausschreibungen.

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erstellt am 10.Sep.2017 | 10:00 Uhr

Sorgen und Verunsicherung, Preiskämpfe und immer wieder Meldungen über Arbeitsplatz-Abbau in der Windbranche bilden die Begleitmusik der Husum Wind 2017, die am Dienstag (12.) startet. „Die Windmesse steht vor der Tür – ich auch“, gab Mathias Wötzel nüchternen Nachrichten ein Gesicht. Der DGB-Kreisvorsitzende ist ehemaliger Betriebsrat des Anlagen-Herstellers Senvion. Der hat seine Produktion in Husum eingestellt, weil es sich woanders billiger produzieren lässt. Vor diesem Hintergrund arbeitete der DGB – moderiert von Regionsgeschäftsführerin Susanne Uhl – jetzt im Husumer Handwerkerhaus gemeinsam mit Experten die Frage auf: „Wie geht’s denn so, Windbranche“.

Nicole Knudsen vom Bundesverband Windenergie zeigte auf, dass der Ausbau der Windkraft-Nutzung ins Stocken zu geraten droht. Zwar sind bei den ersten beiden Ausschreibungsverfahren der Bundesnetzagentur für Onshore-Anlagen hauptsächlich Bürgerwindparks zum Zuge gekommen. Die haben laut Knudsen aber nicht viel mit dem zu tun, was man in Nordfriesland unter diesem Begriff versteht. Sie seien Konstrukte mit nur zehn Kommanditisten und gemeinsamem Projektierer. Wie viele dieser Projekte ohne immissionsschutzrechtliche Genehmigung am Ende überhaupt realisiert werden, stehe angesichts 54 Monaten Frist zur Realisierung in den Sternen – „eine Wette auf die Zukunft“, wie es Klaus Kramer von der Arge Netz formulierte.

Über allem steht zudem der vom Bund verfügte Deckel für den Windkraftausbau in Norddeutschland von 2800 Megawatt pro Jahr. Und: „Wir haben nicht nur Pest und Cholera sondern auch noch einen Zeckenbiss“, sagte Knudsen mit Blick auf das Moratorium in Schleswig-Holstein als Konsequenz aus dem Urteil des Oberverwaltungsgerichts Schleswig zu den Regionalplänen. Susanne Uhl sprach denn auch von einem „Fadenriss, wenn es um Klimaziele geht“. Und da die Ausschreibungs-Runden dreifach überzeichnet waren, könne ein Investitionsvolumen von 7,5 Milliarden nicht realisiert werden – „das geht zu Lasten der Hersteller“, so Knudsen. „Die Folgewirkungen sind immens, da purzeln gerade viele Betriebe“, sagte Martin Bitter, Bevollmächtigter der IG Metall. Er mahnte eine industriepolitische Gesamtstrategie an.

Auch Klaus Kramer äußerte sich erschüttert und sprach von einer Zeitenwende, sieht aber mit Blick auf die Sektoren Verkehr und Wärme nach wie vor Riesenchancen für die erneuerbaren Energien. Die Arge Netz – 330 Gesellschafter und 4000 Megawatt – wolle weiter wachsen und konventionelle Kraftwerke durch dezentral erzeugte Energie ersetzen. Eine rechtliche Hürde gibt es dabei noch: „Wir brauchen die Genehmigung, Strom selbst an Unternehmen liefern zu können.“

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