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Qualvoller Tod : Reh angefahren: Autofahrer verpflichtet, sich zu kümmern

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Die Jägerschaft richtet einen Appell an Autofahrer: Ein Wildunfall ist postwendend bei der Polizei zu melden. Denn das verletzte Tier quält sich sonst ganz erbärmlich. Wer sich nicht kümmert, verstößt außerdem gegen das Tierschutzgesetz.

Unterwegs mit Jäger Hans-Friedrich Sachau entlang der Landesstraße 273. Er fährt mit mäßiger Geschwindigkeit die Strecke ab mit kurzen Blicken auf die Gräben. Was er dort am Neujahrstag sah, gibt ihm immer noch zu denken. Ein angefahrenes Reh kämpfte ums Überleben. Der Graben war mit Wasser gefüllt, das Tier unterkühlt. „Ich habe es so schnell wie möglich von seinen Qualen erlöst“, erzählt er. Spaziergänger waren zuvor zufällig auf das Reh aufmerksam geworden und informierten ihn.

Im Dezember vergangenen Jahres hatte er ein totes Reh auf einem Maisfeld nahe der Landesstraße 273 gefunden. Es war ebenfalls angefahren worden und, so meint er, „es verendete qualvoll“. Aus seiner langjährigen Erfahrung weiß Hans-Friedrich Sachau, dass Rehe sehr empfindlich sind. Bereits der kleinste Zusammenstoß kann für sie den Tod bedeuten.

Über Teilnehmer im Straßenverkehr, die ein Tier anfahren und einfach ihren Weg fortsetzen, als wäre nichts gewesen, kann er nur den Kopf schütteln. Auch über jene Fahrer, die nicht vom Gaspedal gehen, wenn sie im Dunkeln einen Jäger mit Warnweste, Hund und Taschenlampe neben einer Straße laufen sehen. „Größtenteils kacheln die regelrecht an uns vorbei, wenn wir unterwegs sind und angefahrene Tiere suchen.“ Eine gefährliche Situation, nicht nur für die Jägerschaft, sondern auch für Autofahrer. Angefahrene Tiere können sich erschrecken und versuchen, die Flucht zu ergreifen. „Ich muss wohl nicht erklären, was passiert, wenn sie dann plötzlich auf die Straße rennen“, meint er.

Seit die Jägerschaft die blauen Reflektoren vor etwa zwei Jahren an den Straßenbegrenzungspfählen entlang der L273 angebracht hat, sank die Zahl der Wildunfälle deutlich. „Wir haben seitdem nachts fast keine Unfälle mit Tieren mehr“, erzählt Sachau. Vor der Zeit der Reflektoren wurden zwischen den Gemeinden Ahrenshöft und Bohmstedt auf der L273 etwa 25 Rehe angefahren, 2013 waren es 14.

Gerade in der Zeit, wo der Berufsverkehr in der Morgen- und Abenddämmerung stattfindet, ist es auf den Straßen gefährlich. Aufgrund der Nahrungssuche sind die Tiere sehr aktiv. Das gilt aber auch für die Paarungszeit und die Maisernte, wo es besonders schlimm ist, weil der Lebensraum der Tiere zerstört wird.

Hans-Friedrich Sachau appelliert an die Verkehrsteilnehmer, die Geschwindigkeit zu reduzieren, sobald blaue Reflektoren das Straßenbild säumen. „Ich erhebe nicht den Zeigefinger, wenn jemand ein Tier angefahren hat. Das kommt natürlich vor und lässt sich kaum verhindern“, sagt er. Allerdings: „Wer einen Wildunfall hat, sollte sich sofort melden und nicht achtlos weiterfahren, denn das verstößt im höchsten Grad gegen das Tierschutzgesetz. Er sagt: „Einfach die Polizei anrufen. Die verbinden einen dann mit der Rettungsleitstelle Flensburg. Dort sind alle Jäger für die jeweiligen Reviere verzeichnet und werden sofort informiert.“

Wünschenswert wäre es für Hans-Friedrich Sachau, wenn Fahrzeughalter an der Unfallstelle bleiben, bis die Jäger eintreffen. „Wir wissen dann, wo wir nach dem Tier suchen müssen und irren nicht planlos durch die Gegend.“ Im Falle eines Fahrzeugschadens stellt die Jägerschaft sogar eine Bescheinigung für die Versicherung aus.

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