Aventoft : Region wehrt sich gegen Fracking

Nach der gut besuchten Kundgebung in Aventoft plant die Bürgerinitiative weitere Aktionen wie Plakate und Demonstrationen.

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18. März 2013, 09:20 Uhr

Aventoft | Die Pläne für das umstrittene Fracking haben am Sonntag zu einer Kundgebung in Aventoft rund 100 Teilnehmer aus den nördlichen Regionen mobilisiert. Zu dieser Veranstaltung hatte die Bürgerinitiative in den Alten Deutschen Grenzkrug eingeladen.

Den Anstoß für die Veranstaltung gab die Information, dass nun doch Suchgebiete für die in Erdschichten gebundene Öl- und Gasvorkommen im Land genehmigt sind. Dazu gehört auch das Gebiet "Rosenkranz-Nord", das sich von der dänischen Grenze bis nach Husum und von der Westküste bis etwa an die A 7 erstreckt. Die Befürchtung, dass die umstrittene Fördermethode Fracking eingesetzt wird, bei der mit Hilfe von Chemikalien im Gestein verschlossene Öl- und Gasvorräte gefördert werden, hat die Bürgerinitiative auf den Plan gerufen.

"Wir wollen nicht, dass unser Grundwasser verseucht wird, so wie es bereits in Teilen der USA geschehen ist", erklärte Sprecher der Bürgerinitiative gegen das Fracking Jörg Rakow, Aventoft. Bundesweit seien über 120 Fracking-Anträge gestellt, davon allein in der nördlichen Region 18. Sechs Konzessionen seien hier bereits genehmigt worden. Die hätten zwar nichts mit der späteren Vermarktung von Öl und Gas zu tun, sondern es soll in den sogenannten Aufsuchungsfeldern wie in dieser Region geprüft werden, ob Öl- und Gasvorkommen vorhanden sind. Klar sei, so Jörg Rakow, dass Firmen hier ihr Geld verdienen wollen. "Aber wir lassen nicht zu, dass bei uns in ein paar Jahren Bohrtürme stehen."

Rechtlich möglich ist die Suche nach Öl und Gas durch ein Bergbaugesetz von 1865, dass noch heute gültig ist. Dieses Bergbaurecht stehe sogar über dem Grundgesetz und dem Naturschutz, so Rackow. "Das Gesetz muss weg", kam dazu ein Zwischenruf aus dem Podium.

Von politischer Seite waren mit dem Bundestagsabgeordneten Ingbert Liebing und der Landtagsabgeordnete Astrid Damerow nur Vertreter der CDU anwesend. Das wurde von der Bürgerinitiative bedauert. "Ich persönlich möchte Fracking verhindern", stellte Ingbert Liebing klar und teilte mit, dass die Diskussion darüber derzeit auch auf bundespolitischer Ebene geführt wird. Er sprach sich dafür aus, die Öl- und Gasvorkommen im Grund zu lassen, bis eine sichere Förderung eventuell durch nachfolgende Generationen möglich ist. Dafür sind zunächst Änderungen des Bergbaugesetzes, der Umweltverträglichkeitsprüfung und ein generelles Vetorecht der Wasserbehörde erforderlich. Astrid Damerow betonte, dass im Kieler Landtag parteienübergreifend alle Fraktionen gegen das Fracking sind. Aventofts Bürgermeisterin Christine Harksen wünschte sich, dass die Gesetzesänderungen etwas schneller gehen mögen, "denn von der Gemeinde über das Amt, Kreis bis zum Land sind wir doch alle dagegen".

Zustimmung kam von Teilnehmern aus Flensburg: "Uns liegt sehr am Herzen, hier etwas dagegen zu machen." Auch der Vorsitzende der Initiative gegen das Kohlendioxid-Endlager, Bernhard Rensink, Stadum, betonte: "Nur gemeinsam sind wir stark."

Die Bürgerinitiative will nun weiter Front gegen das Fracking machen und dazu eine Interessengemeinschaft gründen, um die Bevölkerung noch mehr zu mobilisieren. Es sollen Plakate und Autoaufkleber gedruckt werden und Demos auf der Straße stattfinden. Zu den bisher 2000 Unterschriften gegen Fracking sollen weitere gesammelt werden. Weiter wurde angeregt, auch eine Podiumsdiskussion mit den verantwortlichen Politikern aller Parteien zu veranstalten. Über den Link www.gegen-gasbohren.de kann man sich über bundesweite Widerstände gegen das Fracking informieren. Die hiesige Bürgerinitiative hat nach den Worten von Rackow bereits Kontakte mit anderen Regionen aufgenommen, um mit gleicher Stimme zu sprechen. Jörg Rackow: "Die Verantwortlichen müssen merken, dass hier Widerstand herrscht."

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